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Uri: «Mister Neat» blickt auf turbulente Zeiten zurück

Kantonsingenieur Stefan Flury geht in Pension. Der 65-jährige Bauingenieur war zuvor rund zwanzig Jahre lang für den Bau der Neat engagiert.
Markus Zwyssig
Stefan Flury vor dem Gebäude der Baudirektion. Der Bauingenieur hat zahlreiche Grossprojekt geprägt (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 16. Mai 2019)

Stefan Flury vor dem Gebäude der Baudirektion. Der Bauingenieur hat zahlreiche Grossprojekt geprägt (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 16. Mai 2019)

Er sei halt immer noch «ä Lachoonigä», sagt Stefan Flury. So bezeichnet man in Uri einen Zugezogenen. Dabei ist der aus Zürich stammende 65-jährige Kantonsingenieur und Vorsteher des Amts für Tiefbau mit dem Kanton Uri schon sehr lange verbunden. Bereits seine erste Stelle trat er in Uri an: Als junger Bauingenieur arbeitete er ab 1978 beim Bau des Furkatunnels in Realp mit.

Den Bau der Neuen Eisenbahntransversalen (Neat) durch den Gotthard hat Flury seit der Anfangsphase in den Neunzigerjahren hautnah miterlebt. 1993 zog er mit seiner Frau, die ursprünglich aus Luzern stammt, nach Altdorf. Die sechs Kinder besuchten alle in Uri die Schule, drei leben heute noch im Gotthardkanton. Dazu kommen inzwischen acht Grosskinder; ein neuntes ist unterwegs.

Zuerst gingen die politischen Wogen hoch

Flury erinnert sich gut an die Anfänge des Baus der Neat. Nach dem Ja des Stimmvolks im September 1992 bezog er in der ehemaligen Munitionsfabrik in Altdorf zuerst alleine ein Büro. Anschliessend wuchs die Neat- Bauherrin Alptransit in Uri auf mehr als 20 Mitarbeiter an. Flury war anfänglich Abschnittsleiter von Amsteg bis Bodio und für die Ausführungsphase der Teilabschnitte Faido und Bodio schliesslich im Tessin tätig. Die politischen Wogen zur Linienführung im Kanton gingen damals hoch. Uri setzte sich aus Bedenken unter anderem wegen zu grosser Emissionen für eine Neat im Berg ein. Für 70 Millionen Franken wurde mit einer Tunnelverzweigung zwischen Amsteg und Erstfeld die Möglichkeit geschaffen, später eine Linienführung durch den Berg in Angriff zu nehmen. Flury gibt zu bedenken:

«Ob hier jemals ein Zug fahren wird, ist aber fraglich.»

Über die Jahre sind die Diskussionen zur Neat-Linienführung durch den Talboden weitgehend verstummt. «Das Rollmaterial hat riesige Fortschritte gemacht», sagt Flury. «Die Züge, die auf der Gotthardstrecke unterwegs sind, sind viel leiser geworden.» Und: Der Kanton Uri hat von Bauwerken profitiert, die er sich sonst nicht hätte leisten können. Flury erwähnt die Unterführung Wysshus nach Attinghausen, den Ausbau der Rynächstrasse oder Massnahmen für den Hochwasserschutz. Zudem profitiert Uri nun von guten Bahnanschlüssen und Intercity-Halten.

Für Flury zeichnete sich 2010 mit dem Durchschlag zwischen Faido und Sedrun das Ende seiner Arbeit für die Neat ab. Die wichtigsten Bauarbeiten waren fertig. Eine neue Herausforderung fand Flury in der ausgeschriebenen Stelle als Kantonsingenieur. Dabei hat er Grossprojekte wie den Hochwasserschutz in den vergangenen neun Jahren mitgeprägt. Zudem hat er mitgeholfen, den Entwicklungsschwerpunkt mit dem neuen Kantonsbahnhof in Altdorf und die West-Ost-Verbindung voranzutreiben.

Flury hat viel Herzblut in die Projekterarbeitung gesteckt. Doch dabei merkte er auch: «Es geht nicht immer geradeaus.» Opposition gab es insbesondere gegen die neue West-Ost-Verbindung. Er ist aber überzeugt: «Die neue Strasse bringt für den Urner Talboden eine wesentliche Entlastung. Die heutige Verkehrssituation durch Altdorf ist für niemanden mehr zumutbar.» Noch sind sechs Beschwerden beim Urner Obergericht hängig, die bereinigt werden müssen, erst dann kann mit dem Bau des 19,8-Millionen-Projekts begonnen werden. Wird die Strasse gebaut, profitiert der Kanton von einem vom Bund zugesicherten neuen Halbanschluss an die A 2 im Bereich Altdorf Süd.

Rund 160 Millionen Franken steckte der Kanton Uri in umfangreiche Hochwasserschutzmassnahmen. «Wir wollen bestmögliche Sicherheit bieten», so Flury. Ein Hochwasser wie 2005, als im Schattdorfer Industriegebiet ein veritabler See entstanden ist, soll es nicht mehr geben. Im Holdenbach in Bürglen entstand ein neuer Geschiebesammler, der bereits zehn Tage nach der Einweihung mithalf, bei einem Unwetter Schlimmeres zu verhindern. Geplant sind weitere Hochwasserschutzmassnahmen in den Gemeinden wie am Palanggenbach an der Gemeindegrenze Attinghausen/Seedorf.

Für die Zeit nach der Pension viele Pläne

Die Arbeit wird auch Flurys Nachfolger, Marcel Achermann, nicht ausgehen. So warten die Sisiger schon lange sehnlichst auf einen Umfahrungstunnel, der mit dem Grossprojekt Neue Axenstrasse realisiert werden soll. Der Bau der zweiten Röhre am Gotthard wird Göschenen für mehrere Jahre in eine Grossbaustelle verwandeln. Beim Tourismusresort in Andermatt stehen weitere Bauten an. In der Altdorfer Werkmatt sind mit der Verlegung der Hochspannungsleitungen die Voraussetzungen für neue Arbeitsplätze geschaffen worden. In Altdorf soll mit dem neuen Kantonsbahnhof auch der Knotenpunkt für den öffentlichen Verkehr entstehen.

«Wir wollen das Beste für Uri», zitiert Flury ein früheres Jahresmotto der Baudirektion. Arbeiten müsse man aber mit den vorhandenen Mitteln. «Alle Wünsche zu erfüllen ist ein Ding der Unmöglichkeit.» Da komme es notgedrungen zu einem Verteilkampf. «Wir müssen das Geld einbringen, wo es am meisten Nutzen bringt.»

Langweilig wird es Flury auch als Rentner nicht. Am 31. Mai hat er seinen letzten Arbeitstag. Ab 1. Juni ist er als Laienrichter am Obergericht des Kantons Uri tätig. Beim Bau der zweiten Röhre durch den Gotthard ist Flury bereit, Besucherführungen durchzuführen. «Die Stelle ist zwar noch nicht ausgeschrieben», sagt der leidenschaftliche Tunnelbauer. «Gemeldet habe ich mich aber trotzdem schon vorsorglich.»

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