Endo Anaconda: «Mit 63 darf man schon altmodisch sein»

Endo Anaconda tritt am kommenden Donnerstag, 13. Dezember, im Theater Uri auf. Der Sänger von «Stiller Has» spart nicht mit Kritik an anderen Künstlern, spricht übers Älter werden, und sagt, wie lange es die Kultband noch gibt.

Interview: Markus Zwyssig
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Enda Anaconda (rechts) lässt sich beim Konzert im Theater Uri von Roman Wyss begleiten. (Bild: Michael Schär)

Enda Anaconda (rechts) lässt sich beim Konzert im Theater Uri von Roman Wyss begleiten. (Bild: Michael Schär)

Im Frühling hatte er als Gast­sänger mit der Band Take This am Tonart-Festival einen kurzen Auftritt. Jetzt kommt Endo Anaconda im Rahmen der Dezembertage mit dem Pianisten Roman Wyss für ein abendfüllendes Konzert ins Theater Uri. Neben Songs aus seinem 29-jährigen Schaffen mit der Band Stiller Has verspricht er, auch ein paar neue Songs zu spielen. 

Endo Anaconda, was ist anders, wenn Sie mit Roman Wyss im Duo auftreten im Vergleich zu einem Auftritt mit der Band?

Bei den Auftritten zu zweit steht der Text mehr im Mittelpunkt als der Rock ‘n’ Roll. Im Duo können wir Sachen ausprobieren und diese schneller umsetzen. Ich habe ein paar neue Songs dabei, kann aber auch querbeet durch mein ganzes Werk spielen.

Geht das mit einem Flügel oder einem Klavier als Begleitung einfacher als mit einer fünfköpfigen Band?

Spielen viele Musiker zusammen, ist der Takt vorgegeben. Roman Wyss kann auch «rubato» spielen, dadurch gibt er mir als Sänger mehr Möglichkeiten zur Interpretation der Stücke. Für mich ist das ein bisschen «back to the roots», so wie wir angefangen haben. Früher mit Balts Nill zusammen wurde das aber viel experimenteller.

Sind Ihnen die alten Songs noch nicht verleidet?

Nein, ein paar meiner Hits gehören halt einfach dazu. Das Publikum erwartet das. Es stört mich auch nicht, diese zu spielen. Ich interpretiere sie ja immer neu. Mein Werk unter dem Label Stiller Has ist bald dreissig Jahre alt, das will ich ja auch pflegen. Ich schreibe zwar neue Songs, brauche mich aber nicht immer neu zu erfinden. Rock ’n’ Roll pfeift aus den letzten Löchern. Rap ist tot. Alles ist nur noch Mainstream. Ich bin jetzt 63. Da darf man ruhig altmodisch sein. Schliesslich war ich der Erste, der mit «Gruusig» in Mundart gerappt hat. Da war einzig noch die Firma Leisi, die in Rap-Form für Kuchenteig Werbung gemacht hat.

Lohnt es sich heute noch, eine CD aufzunehmen?

Es stimmt, unser Geld verdienen wir vor allem mit Live-Konzerten. Wobei wir nicht klagen dürfen. Wir haben über zehntausend Stück von unserem Album «Böses Alter» verkauft. Es ist doch fast schon ein Wunder, das zu schaffen ohne Fernseh- und mit nur wenig Radio-Präsenz. Trauffer bildet auf der Bühne das Matterhorn nach und wir überlegen uns, ob wir das Klavier täfern sollen. Bei der Volksmusik à la Trauffer fehlt jede Ironie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man so etwas machen kann, ohne ironisch zu sein.

Bleibt Endo Anaconda demnach seinem Stil treu?

Heute sehe ich mich vor allem bei den Konzerten im Duo mehr in der Tradition des verstorbenen österreichischen Komponisten, Sängers und Dichters Georg Kreisler. Die Auftritte im Duo haben auch etwas Klassisches. Das gefällt mir. Wenn ich jetzt plötzlich Technojodel machen würde, wäre das lächerlich.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Ich habe demnächst einen Arzttermin. Etwas ist nicht gut. Zucker hat er gesagt, hätte ich zu hoch. In zwei Jahren werde ich 65.

Setzen Sie sich dann zur Ruhe?

Es gibt sicher Anpassungen. Ich werde nicht mehr so viel spielen wie jetzt. Im Moment bin ich noch unterhaltspflichtig. Ich kann mir aber vorstellen, dass ich bis in ein paar Jahren nicht mehr 100 Mal im Jahr auftreten werde. Zurzeit bin ich ja wahnsinnig viel unterwegs. 30000 bis 40000 Kilometer sind es locker im Jahr. Alle vier Jahre brauche ich ein neues Auto. Wenn ich nicht mehr so viel Geld verdienen muss, weil ich pensioniert bin, soll sich das ändern. Klein aber fein soll es sein: Kürzere Tourneen mit weniger Konzerten.

Heisst das, es ist bald Schluss mit «Stiller Has»?

Mit «Stiller Has» wollen wir noch eine Platte aufnehmen. Aber dann ist ein Ende absehbar. Ich möchte in Zukunft als Solokünstler auftreten. Der Name Endo Anaconda ist ja weit herum bekannt. Vielleicht gibt es dann irgendwann wieder eine Reunion-Tour. Ich denke aber schon, dass es bald ruhiger wird für mich.

Mit welchen Musikern möchten Sie am Liebsten arbeiten?

Mit Roman Wyss könnte ich mir verschiedene Projekte vorstellen. Er ist bei der geplanten «Stiller Has»-Platte dabei. Auftritte im Duo sind eine weitere Möglichkeit, dadurch kann ich an kleinen Orten auftreten. Dazu kommt schliesslich ein Big-Band-Projekt. Roman Wyss hat jahrelang mit einer Big Band gearbeitet. Ich würde gerne Songs von Frank Sinatra singen oder italienische Sachen. Es müssen nicht immer nur meine eigenen Nummern sein. Wenn ich pensioniert werde, möchte ich noch ein bisschen Reisen, Sprachschulen besuch und dabei mein Italienisch und mein Englisch aufbessern.

Endo Anaconda und Roman Wyss spielen am Donnerstag, 13. Dezember, um 20 Uhr im Theater Uri.