Mobilität
Urner Transporteure liebäugeln mit Wasserstoffantrieb für ihre LKWs

Gerade für schwere Lastwagen ist die Wasserstofftechnologie eine Alternative. Ein Schweizer Netzwerk will der Antriebsart zum Durchbruch verhelfen.

Martin Uebelhart
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Anfang Jahr hat das Bundesamt für Energie den diesjährigen Watt d’Or vergeben. Das Gütesiegel für Energieexzellenz verleiht der Bund Schweizer Unternehmen und Hochschulen, welche die Energiezukunft bereits heute erfolgreich in die Praxis umsetzen. In der Kategorie energieeffiziente Mobilität ging die Auszeichnung für 2021 an die Hydrospider AG, die Hyundai Hydrogen Mobility AG, die H2 Energy AG sowie den Förderverein H2 Mobilität Schweiz.

Christian Gisler ist Inhaber und Geschäftsführer der Anton Gisler Transport AG in Schattdorf.

Christian Gisler ist Inhaber und Geschäftsführer der Anton Gisler Transport AG in Schattdorf.

Bild Urs Hanhart (Schattdorf,
20. Januar 2021)

Das Netzwerk will den Schwerverkehr in der Schweiz klimaneutral machen. Es baut in der Schweiz den weltweit ersten kommerziellen Kreislauf für sogenannten grünen Wasserstoff auf, der mit Hilfe von Strom aus erneuerbarer Energie produziert wird, in der Schweiz insbesondere aus Wasserkraft. Das Netzwerk treibt Angebot und Nachfrage nach erneuerbarem Wasserstoff laut dem Bundesamt parallel voran, ohne staatliche Förderung.

In erster Linie im Stückgutverkehr denkbar

Für Christian Gisler, Geschäftsführer und Inhaber der Anton Gisler Transport AG ist Wasserstoff ein Thema. Die Schattdorfer Firma betreibt 20 Lastwagen. Das Hauptgeschäftsfeld ist der Stückguttransport in der ganzen Schweiz. «Daneben sind wir auch im Bereich Kranarbeiten und im Baustellenverkehr tätig», sagt Christian Gisler auf Anfrage. Als Mercedes-Kundin beobachte seine Firma die Wasserstoff-Strategie des Fahrzeugherstellers aufmerksam. «Noch ist die Entwicklung im Bereich des Wasserstoffantriebs in vollem Gange», ist er überzeugt. Die Lastwagen, die heute bereits mit Wasserstoff unterwegs seien, seien in erster Linie Prototypen.

In seinem Betrieb könnte sich Gisler Wasserstoff-LKWs in erster Linie im Stückgutverkehr vorstellen. Er geht davon aus, dass zunächst vor allem Fahrzeuge mit dem entsprechenden Aufbau erhältlich sein werden. Seine Hausmarke stelle solche etwa für das Jahr 2025 serienmässig in Aussicht. Die ersten Testfahrten unter Realbedingungen sollen bereits 2023 starten. «Wie es allerdings mit Zusatzaggregaten, wie zum Beispiel einem Kran aussieht, wird sich dann zeigen müssen», so Gisler. Zahlen zu den Anschaffungs- oder Betriebskosten gebe es noch keine, hält er fest.

«Und auch ein Tankstellennetz muss es geben, damit die Antriebstechnik eingesetzt werden kann»,

sagt er. Bei der Herstellung des Wasserstoffs spiele zudem die dafür eingesetzte Energie eine Rolle. Während sich Christian Gisler durchaus vorstellen kann, künftig auch Lastwagen mit Wasserstoffantrieb in seinem Fuhrpark zu haben, kommen für ihn Stromlastwagen mit Batterie nicht in Frage: «Diese sind für unsere Bedürfnisse nicht geeignet.»

Wirtschaftlichkeit muss gegeben sein

Eine ganze Reihe von Lastwagen betreibt auch die Zgraggen Transport AG in Attinghausen, 20 sind es an der Zahl. Die Firma deckt eine ganze Reihe von Bereichen im Transportwesen ab: «Wir transportieren Milch, Landesprodukte, Holz und Holzschnitzel und diverse weitere Güter und führen ebenfalls Kranarbeiten aus», zählt Geschäftsführer Christian Gisler auf. Er kann sich ebenfalls vorstellen, dereinst wasserstoffbetriebene Lastwagen in der Zgraggen Transport AG einzusetzen. Bis es soweit sein könnte, rechnet Gisler mit rund fünf Jahren. Dabei seien noch eine Reihe von Fragen zu beantworten: «Etwa ob sich solche LKW eher für kürzere oder längere Strecken eignen oder für beides.» Auch die Wirtschaftlichkeit müsse gegeben sein. «Um sich durchsetzen zu können, dürften sich die Kosten nicht wesentlich von einem Dieselfahrzeug unterscheiden.» Und betanken müsse man die Lastwagen natürlich auch können.

Christian Gisler, Geschäftsführer der Zgraggen Transport AG, vor einem seiner LKWs.

Christian Gisler, Geschäftsführer der Zgraggen Transport AG, vor einem seiner LKWs.

Bild: Urs Hanhart (Attinghausen,
20. Januar 2021)

Die Zgraggen Transport AG sowie die Zgraggen Agro GmbH sind unter dem Dach der Zgraggen Holding AG. Zu dieser gehört auch die Zgraggen Energie Holding AG. Diese betreibt heute Holzheizwerke in den Kantonen Uri und Obwalden. Für Christian Gisler ist denkbar, dass es gerade im Energiebereich weitere Synergien geben könnte zwischen den Firmen der Zgraggen Holding AG.

Mehrere Systeme werden nebeneinander existieren

Urs Schmidli ist CEO der Avia Schätzle AG. Die Firma betreibt in der ganzen Zentralschweiz rund 90 Tankstellen. Eine Wasserstofftankstelle ist derzeit noch nicht dabei. «Bis im April wollen wir im luzernischen Geuensee eine bauen», hält Schmidli fest. Damit wolle man einen ersten Beitrag leisten zur Förderung der CO2-freien Mobilität. In der Urschweiz habe Schätzle derzeit noch keine Pläne für eine Wasserstofftankstelle.

Er ist sich jedoch sicher, dass durch den Förderverein H2 Mobilität Schweiz und die gesamte Branche in den kommenden Jahren ein flächendeckendes Netz entstehen werde. Allerdings könne man Wasserstofftankstellen auch nicht einfach überall hinbauen. Die Logistik für den Wasserstoff brauche Platz.

«Durch die grössere Anzahl Tankstellen werden sich im Sog der Lastwagen auch Private für die Anschaffung eines Wasserstoffautos entscheiden.»
Urs Schmidli, CEO der Zentralschweizer Tankstellenbetreiberin Avia Schätzle AG.

Urs Schmidli, CEO der Zentralschweizer Tankstellenbetreiberin Avia Schätzle AG.

Bild: Boris Bürgisser
(Luzern, 18. Juni 2020)

Hyundai und Toyota seien zwei Vorreiter, doch auch weitere Fahrzeughersteller stünden in den Startlöchern für die Nutzung der Technologie. «Bei grossen Lastwagen wird es absolut Sinn machen, dass man auf Wasserstoff umsteigt», so Schmidli. Bei kleineren Gefährten könne auch ein elektrischer Antrieb mit Batterien das Richtige sein. «Es werden im Mobilitätsbereich bestimmt mehrere Systeme nebeneinander existieren», ist er überzeugt. Dabei denkt er etwa auch an Biotreibstoffe und synthetische Treibstoffe sowie Gas und selbstverständlich werden auch Diesel und Benzin noch lange ein Teil dieser Kombination sein.