MORDPROZESS: Erneute Plädoyers im Fall Ignaz Walker

Der Prozess gegen einen Urner Barbetreiber, der einen Killer auf seine Frau angesetzt haben soll, geht nächste Woche in eine Zusatzrunde. Da der Fall nach der Verhandlung vom Oktober 2015 noch nicht spruchreif ist, nimmt das Gericht die Parteiverhandlungen wieder auf.

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Der Beschuldigte Ignaz Walker. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Der Beschuldigte Ignaz Walker. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Der Barbetreiber steht, nach einem Prozess vor dem Landgericht 2012 und einem ersten Prozess vor dem Obergericht 2013, zum dritten Mal wegen den ihm vorgeworfenen und von ihm bestrittenen Tötungs- und Mordversuch vor den Schranken.

Das Obergericht hatte den Barbetreiber zu einer 15-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt, weil er 2010 im Erstfelder Rotlichtmilieu auf einen Gast geschossen und wenige Monate später einen Killer auf seine Frau angesetzt habe. Der Gast blieb unverletzt, die damalige Gattin des Beschuldigten wurde durch drei Kugeln schwer verletzt. Der Auftragsschütze ist rechtmässig verurteilt.

Das Bundesgericht hob das Urteil gegen den Barbetreiber 2014 auf, weshalb das Berufungsverfahren im letzten Herbst erneut aufgenommen wurde. Neue Auskunftspersonen wurden befragt, so der verurteilte Auftragsschütze, eine Obwaldner Staatsanwältin, die ebenfalls gegen diesen ermittelt hatte, oder ein Ballistiker, der mögliche Varianten von Schussabgaben auf die Frau nachgestellt hatte.

Unauffindbarer Zeuge

Ein wichtiger Zeuge im ersten Fall - der Gast, auf den der Beschuldigte geschossen haben soll - konnte aber nicht befragt werden. Der Zeuge galt offiziell als unauffindbar. Wie die SRF-Sendung «Rundschau» während des Prozesses enthüllte, war er ein in Frankreich verurteilter Drogenhändler und zwischenzeitlich verstorben.

Die Unauffindbarkeit des Zeugen lieferte dem Verteidiger neue Munition, um den Behörden unsaubere Arbeit vorzuwerfen und den Staatsanwalt unter Druck zu setzen. Dieser habe durch Täuschung eine erneute Befragung des Zeugen verhindert, sagte er.

Der Verteidiger interpretierte ferner den mutmasslichen Mordanschlag auf die Gattin in ein Mordkomplott um. Er stützte sich dabei auf Aussagen des verurteilten Auftragsschützen gegenüber der «Rundschau». Demnach soll die Frau und ihr Freund den Anschlag fingiert haben, um den Barbetreiber hinter Gitter zu bringen.

Schliesslich erhielt das Obergericht während des Prozesses von den Luzerner Behörden einen Brief des Auftragsschützen an die «Rundschau» ausgehändigt. Dieser Brief erledigte nach Ansicht des Staatsanwaltes die Komplotttheorie des Verteidigers.

Hauptbelastungszeuge im Focus

Bei seiner Urteilsberatung entschied das Obergericht, dass nach dem turbulenten Verlauf des Prozesses das Beweisverfahren erneut aufgenommen wird. Die öffentliche Parteiverhandlung dazu findet vom 22. bis 24. Februar statt.

Dabei dürfen sich die Parteien nur noch zu dem äussern, was sich an Beweisanträgen seit der Verhandlung im Herbst 2015 neu ergeben hat. Im Zentrum stehen dürfte der verstorbene Hauptbelastungszeuge und wie die Urner Staatsanwaltschaft mit diesem als mutmasslichen Drogenhändler umgegangen ist.

sda