MOTORSPORT: Piloten driften um die Kurven

Das Rallye Gotthard soll im September 2016 neu aufleben. Initiant Bernhard Brägger glaubt, dass er die wenigen noch nötigen Bewilligungen erhält.

Bruno Arnold
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Das Team Chappuis/ Bernasconi unterwegs am Rallye Uri 1979. (Archivbild PD)

Das Team Chappuis/ Bernasconi unterwegs am Rallye Uri 1979. (Archivbild PD)

Der Rallyesport (siehe Box) hatte in den Siebziger- und Achtzigerjahren in Uri dank der Motorsportgruppe Uri Hochkonjunktur. Ab 1972 wurde auf Urner Strassen, in der oberen Leventina TI und im Tavetsch GR zehnmal das Rallye Uri – das nachmalige Rallye Gotthard – durchgeführt. Es handelte sich dabei um das einzige Rallye in der deutschsprachigen Schweiz. Im September 1983 wurde zum 10. und bisher letzten Rallye Gotthard gestartet – mit dem ehemaligen Formel-1-Pilot Marc Surer als grossem Publikumsmagnet.

Auch Oldtimer am Start

Nun soll der Anlass nach 33 Jahren Unterbruch zu neuem Leben erweckt werden. Initiant Bernhard Brägger (74) aus Oberwil ZG bestätigte dies gestern auf Anfrage: «Wir beabsichtigen, vom 1. bis 4. September 2016 die 11. Auflage des Internationalen Rallye Gotthard durchzuführen. Die obere Leventina, das Tavetsch, das Ursern- und das Göscheneralptal sollen zur motorsportlichen Arena werden.» Ausgeschrieben wurde ein Lauf, der zur Rallye-Schweizer-Meisterschaft zählen wird – mit internationaler Beteiligung. Gestartet werden soll aber auch in einer Kategorie für historische Fahrzeuge und in einer lizenzfreien Kategorie mit mindestens 25 Jahre alten Fahrzeugen.

Die meisten Bewilligungen sind da

Das umfangreiche Bewilligungsprozedere in den drei Kantonen Uri, Graubünden und Tessin ist seit mehreren Monaten im Gange. Die meisten involvierten Gemeinden und Strassenbesitzer, aber auch Privatpersonen, Tiefbauämter sowie zuständige Polizei- und Sicherheitsdepartemente, haben für die Durchführung bereits grünes Licht gegeben. «Noch sind einige wenige Bewilligungen ausstehend», erklärt Brägger. «Ich bin aber zuversichtlich, dass wir in Gesprächen auch noch die letzten Hürden nehmen können.»

Über 70 Prozent Spezialprüfungen

Andermatt ist als Dreh- und Angelpunkt des 11. Internationalen Rallye Gotthard vorgesehen. Der Anlass soll über insgesamt rund 220 Kilometer führen, wobei mehr als 70 Prozent als Spezialprüfungen geplant sind. Unter anderem werden die Piloten mit ihren Boliden um die Kurven der legendären Tremola driften, aber auch in atemberaubendem Tempo von Göschenen zur Göscheneralp und wieder zurück ins Tal donnern. Spektakulärer Motorsport dürfte zudem auf dem über 20 Kilometer langen Rundkurs mit Start und Ziel in Sedrun geboten werden. Und schliesslich sollen die PS-starken Motoren auch auf schmalen Asphalt-Nebenstrassen in der oberen Leventina unterwegs sein. Brägger betont aber: «Es werden weder Autobahnen noch anderweitig bedeutsame Verkehrswege benutzt. Alle Spezialprüfungen finden auf Strassen ohne besonderen Durchgangscharakter statt.»

Bruno Arnold

Copilot liest aus «Gebetbuch»

Rallye bar. Eine Rallye besteht aus Wertungsprüfungen auf abgesperrten Strecken und aus Überführungsetappen auf öffentlichen Strassen. Der spektakuläre Teil einerr Rallye spielt sich auf den Wertungs- oder Spezialprüfungen ab. Diese werden auf abgesicherten Strecken durchgeführt, die für jeglichen übrigen Verkehr gesperrt sind. Bei diesen rennmässigen Einsätzen geht es um die schnellste Zeit. Auf den Spezialprüfungen ist vor allem auch das blinde Verständnis zwischen Fahrer und Beifahrer gefragt. Auf diesen Prüfungen «betet» der Copilot dem Fahrer aus dem sogenannten «Gebetbuch» vor. Das heisst: Er gibt ihm Entfernungen, Kurvenradien, besondere Hindernisse wie Kuppen, Belagwechsel oder sonstige Besonderheiten der Fahrbahn an. Diese Angaben sind bei den vorgängigen Besichtigungsfahrten vom Piloten diktiert und vom Beifahrer im «Gebetbuch» festgehalten worden.

Unterwegs im Strassenverkehr
Von einer zur andern Wertungsprüfung fahren die Teams auf öffentlichen Strassen zusammen mit «gewöhnlichen» Verkehrsteilnehmern. Hier haben sich die Rallyefahrer an die Strassenverkehrsgesetzgebung zu halten, und es muss eine bestimmte Durchschnittsgeschwindigkeit eingehalten werden (Rallye Gotthard 2016: 40 km/h). Die vorgeschriebene Überführungszeit wird bei den Zeitkontrollen geprüft. Wer zu früh oder zu spät ankommt, erhält Strafsekunden. Die Serviceteams haben sich für Radwechsel oder Reparaturen an spezielle Zonen und klare Ein- und Ausfahrtszeiten aus diesen Zonen zu halten. Damit werden Rasereien auf den Überführungsetappen verhindert.