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Murmeltiere laden zum Enthüllen ein

Derzeit verstecken sich 15 Denkmäler im Kanton Uri unter rotem Stoff. Hinter der Aktion stehen die Macher von «Sqwiss». Genau wie die Bildungs- und Kultur-App mit den Murmeltieren sollen die verhüllten Denkmäler achtsamer machen für Geschichte und Kultur.
Carmen Epp
Für den Start der App «Sqwiss» wurde die Urania auf dem Lehnplatz mit einem roten Tuch eingehüllt. (Bild: Philipp Schmidli (Altdorf, 28. August 2018))

Für den Start der App «Sqwiss» wurde die Urania auf dem Lehnplatz mit einem roten Tuch eingehüllt. (Bild: Philipp Schmidli (Altdorf, 28. August 2018))

Der Kanton Uri ist reich an Kulturschätzen. Die Denkmäler, die daran erinnern, werden jedoch meist kaum noch wahrgenommen. Doch wehe, man lässt sie verschwinden! Dann kommen Herr und Frau Urner ins Grübeln, wie sich am Dienstagmorgen, 28. August, auf dem Lehnplatz in Altdorf gezeigt hat.

Ein Mitarbeiter des EWA liess sich mit einem Kran auf Augenhöhe mit Urania, der Figur auf dem Brunnen, hieven und warf ihr einen roten Stoff über, den er ihr nach und nach über den Leib stülpte. «Was soll das?», fragte eine Passantin, sichtlich irritiert. Auf die Frage, ob sie denn wisse, welche Figur nun unter dem roten Tuch versteckt sei und wofür sie stehe, zuckte die Passantin mit den Schultern und zog weiter.

Verhüllung soll Denkmälern zu mehr Beachtung verhelfen

Damit hat die Aktion bereits ein Ziel erreicht: die Aufmerksamkeit der Leute auf die verhüllten Denkmäler zu ziehen. Denn die Urania auf dem Lehnplatz ist nicht das einzige Denkmal, das in den letzten Tagen mit roten Tüchern verhüllt wurde. Vom Glockenspiel in Sisikon über die Eisenplastik vor dem Mineralienmuseum in Seedorf bis hin zum Dorfbrunnen in Hospental und die Plastik von Per Kirkeby auf der Furka: Insgesamt 15 Denkmäler im ganzen Kantonsgebiet verbergen sich derzeit unter roten Tüchern, weitere zehn wurden am PC mit Photoshop verhüllt.

Hinter der analogen Aktion steht eine digitale Neuheit, die am Donnerstag, 30. August, offiziell lanciert wird: die Bildungs- und Kultur-App «Sqwiss». Deren Grundgedanke ist es, den Benutzern auf spielerische Art und Weise das reiche Urner Kulturerbe näherzubringen. Dasselbe Ziel verfolge auch die Verhüllungsaktion, wie Martin Weiss, Erfinder von «Sqwiss» gestern vor Ort sagte. «Es soll die Leute animieren, den Denkmälern wieder mehr Beachtung zu schenken.» Teil der Aktion bildet auch ein Podiumsgespräch am Dienstag, 4. September, 19 Uhr, im Kino Leuzinger. Nach einer Eröffnungsrede von Regierungsrätin Heidi Z’graggen diskutieren unter der Moderation von Paul Knüsel Regisseurin Anette Windlin, Architektin Margrit Baumann, Historiker und alt Regierungsrat Stefan Fryberg, Denkmalpfleger Eduard Müller und «Sqwiss»-Erfinder Weiss die Frage: Braucht es überhaupt Denkmäler? Eine Frage, die mit der Verhüllung der Denkmäler nicht nur der Passantin in Altdorf unter den Nägeln brennen dürfte.

Auch vor der verhüllten Urania wartet ein Murmeltier mit Fragen auf. (Bild: Philipp Schmidli (Altdorf, 28. August 2018))

Auch vor der verhüllten Urania wartet ein Murmeltier mit Fragen auf. (Bild: Philipp Schmidli (Altdorf, 28. August 2018))

Regierung glaubt an Potenzial der App

Der Kanton Uri hat die Entwicklung der App im Rahmen eines Projekts der Neuen Regionalpolitik (NRP) mit insgesamt 130'000 Franken unterstützt. Die Volkswirtschafts- sowie die Bildungs- und Kulturdirektion haben das Projekt begleitet. «Der innovative Ansatz sowie die nachhaltigen positiven Effekte für Uri etwa im Tourismus waren für uns ausschlaggebend, um das Projekt zu unterstützen», wird Volkswirschaftsdirektor Urban Camenzind in einer Mitteilung der Urner Regierung zitiert. Sowohl für Einheimische wie auch für Gäste sei die App attraktiv. Auf einer Wanderung am Weg der Schweiz lassen sich ebenso «Munggenlöcher» finden wie auf dem Lehnplatz in Altdorf. «Auf einfache und spielerische Weise lassen sich so auch unscheinbarere Kulturschätze entdecken», wird Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg in der Mitteilung zitiert. «Damit wird das reiche kulturelle Angebot in Uri weiter ausgebaut.»

Davon ist auch Josef Schuler überzeugt. Der ehemalige Kulturbeauftragte des Kantons Uri hat das Projekt bis zu seiner Pensionierung im Juni begleitet. Auch die «Sqwiss»-App benutze er bereits regelmässig, zuletzt sogar auf seiner Reise nach Afrika, wo die App-Macher extra für ihn ein eigenes Loch platziert haben. «Die App schafft es, kulturelle Highlights im Kanton Uri spielerisch an die Leute zu bringen», so Schuler an der Verhüllung der Urania. «Damit leistet ‹Sqwiss› sowohl für die Bildung, den Tourismus und auch für die Wirtschaft etwas.»

Auch Camenzind zeigt sich überzeugt, dass die App Potenzial hat, in der ganzen Schweiz erfolgreich zu sein. «Es freut mich deshalb besonders, dass diese Innovation in Uri entstanden ist und die Weiterentwicklung vom Sitz der Firma in Erstfeld aus gesteuert wird», wird er in der Mitteilung zitiert.

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