Historisches Museum Uri zeigt Papierkrippen

Die Weihnachtsausstellung des Historischen Museums dreht sich um den Weihnachtsschmuck armer Leute.

Walter Bär
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Papierkrippen zauberten auch armen Leuten Weihnachtsstimmung in die Stuben.

Papierkrippen zauberten auch armen Leuten Weihnachtsstimmung in die Stuben.

Bild: PD

Papierkrippen haben im Alpenraum eine lange Tradition. Sie entstanden ab dem 18. Jahrhundert, da sich die armen Familien keine Krippen aus Holz oder anderen Materialien leisten konnten und somit auf selbstgefertigte Papierkrippen auswichen. Sie waren bei den «kleinen Leuten» sehr beliebt.

Vom 4. Dezember bis am 19. Januar 2020 zeigt das Historische Museum Uri mittwochs, samstags und sonntags, von 13 Uhr bis 17 Uhr, die Papierkrippen aus seiner reichhaltigen Sammlung, die ihm zwei ehemalige Krippensammler, Pfarrer Hans Aschwanden und Alois Mergenthaler, geschenkt haben.

Herstellung und Stil verändern sich

Die in der Weihnachtsausstellung gezeigten Exponate stellen einen repräsentativen Querschnitt aus der Blütezeit der Papierkrippen dar (von 1900 bis etwa 1920). Das Publikum sieht, wie sich im Laufe der Zeit die Herstellungstechnik und der Stil der Krippen verändert hat. Einst nannte man zuweilen derartige Dekorationen abwertend «Arme-Leute-Krippen». Eigentlich schade, wenn man die hübschen Objekte in der Ausstellung und ihre Vielfalt sieht, die sich oft in vielen feinen kleinen Details offenbart.

Denn Papierkrippen gibt es in den verschiedensten Herstellungs- und Ausstattungsformen, von winzigen Kripplein, bei denen die einzelnen Figuren nicht einmal einen Zentimeter hoch sind, bis hin zu Krippen, deren Figuren bis zu vierzig Zentimeter gross sind und vor eindrucksvollen Kulissen präsentiert werden.

Nicht immer jedoch wurden die Papierkrippen vor allem armen Leuten zugeschrieben. Klöster, Kirchen und Adelshäuser kannten die gemalten und ausgeschnittenen Papierkrippen bereits im 17. Jahrhundert. Die zarten Figürchen aus Papier sollten eigentlich die Barockkrippen ergänzen, entwickelten sich aber neben den geschnitzten, bossierten und modellierten Krippen zu einer eigenen Sparte. Von 1750 stammt der älteste erhaltene Druckbogen einer Augsburger Druckerei, die der breiten Bevölkerung eine günstig zu erwerbende Krippe anbot. Dennoch blieben die exklusiven Papierkrippen bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts der Oberschicht vorbehalten.

Im Zuge der Aufklärung untersagte Kaiser Joseph II. von Österreich-Ungarn 1872, Weihnachtskrippen in Kirchen aufzustellen. Die Gläubigen waren gezwungen, die Krippenfiguren gegen Bezahlung aus den Kirchen mit nach Hause zu nehmen. Einfache Leute, die sich das nicht leisten konnten, wünschten gleichwohl eine eigene Hauskrippe. Die Handwerker, die vorher für die Kirchen Krippen hergestellt hatten, begannen nun, geschnitzte Krippen für Privatleute zu bauen.

Aber auch solche konnten sich nicht alle Gläubigen leisten. So versuchten sie, selber Figuren zu gestalten. Was lag da näher, als zu Papier, Pinsel und Farbe zu greifen? Mit der Zeit entwickelten sich regelrechte Familienbetriebe, die sich der Herstellung von Papierkrippen widmeten. So zogen im ausgehenden 19. Jahrhundert die Papierkrippen als billige Alternative zu massiven Ausführungen in die Stuben des gemeinen Volkes.

Kirche kann Entwicklung nicht aufhalten

Die Kirche störte sich an den Papierkrippen als bunter Kitsch. Dennoch konnte sie die Entwicklung nicht aufhalten – im Gegenteil: Anfangs waren die Darstellungen in einem üppigen orientalischen Stil gehalten, später entwickelten sich authentische Heimatkrippen, die mit ihren Darstellungen Orte und Trachten einer Region spiegelten. Die Papierkrippen erlebten im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert ihren Höhepunkt.

Allerdings ging die Tradition des Papierkrippenbaus in den 1930er-Jahren vergessen. Besonders in den Kriegsjahren gingen viele Papierkrippen als Zeitzeugen der Volksfrömmigkeit verloren. Erst kürzlich setzte sich die Erkenntnis durch, dass gerade diese Krippen aus Papier einen entscheidenden Anteil zur Verbreitung der Weihnachtskrippe beitrugen.

Das Basteln einer Papierkrippe war ein Familienereignis. Die ganze Familie sass an Winterabenden vor Weihnachten beisammen. Wenn die Arbeit in Haus und Hof erledigt war, widmeten sich Eltern und Kinder in meditativem Werken der christlichen Glaubenswelt. Es wurde gemalt, ausgeschnitten, gestaltet und geklebt.

Oft wurden die ausgeschnittenen Figuren auf Holz aufgezogen; so konnte man sie leichter aufstellen und sie waren weniger empfindlich. In diesem familiären Gefüge hatte die ganze Familie Anteil an der Weihnachtskrippe. Die Krippen gestalteten sich persönlich und das Krippengeschehen wurde in die eigene Zeit verlegt. Der Detailreichtum gemalter Papierkrippen und ihrer Figuren war grenzenlos. So gab es Figuren in Barockkleidern oder in einer Bauerntracht, genauso wie im Nazarenerstil, mit biblischen Gewändern und dem Heiligen Land mit Palmen. Auch in Zeiten materieller Not brachte die Papierkrippe Weihnachtsstimmung in die Häuser.

Über Generationen wurden die hauseigenen Krippen vererbt, sorgsam gehütet und nicht selten regelmässig um neue Figuren erweitert.

Hinweis

Papierkrippe zum Selberbasteln

Die Ausstellung kann auch – mit oder ohne Führung – für einen Familien- oder Firmenapéro in einem festlichen und weihnächtlichen Rahmen gewählt werden (Auskunft 041 870 19 06, Familie Arnold). Kinder erhalten einen Ausschneidebogen, aus dem sie selber eine alpenländische Papierkrippe basteln können.