Jonas Gisler: «Musik ist mein Lebensmittelpunkt»

Der Urner Jonas Gisler steht vor seinem Konzert zum Masterabschluss. Musikalisch kennt er keine Berührungsängste.

Markus Zwyssig
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Jonas Gisler gibt sein breites musikalisches Wissen auch 18 Schülern weiter. Bild: Valentin Luthiger

Jonas Gisler gibt sein breites musikalisches Wissen auch 18 Schülern weiter. Bild: Valentin Luthiger

Seine Agenda ist prall gefüllt mit Terminen. Alles unter einen Hut zu bringen ist für Jonas Gisler alles andere als einfach. Gerade jetzt vor der Weihnachtszeit ist die Zahl an Proben und Auftritten besonders hoch. So war der 26-jährige Seedorfer in diesen Tagen beim Grossanlass Tri­Event als Korrepetitor im Einsatz. Das heisst, er übte mit dem Chor am Klavier statt dem Orchester die Stücke ein. Am Freitag und Sonntag singt Gisler bei den TriEvent-Aufführungen auch selber in diesem Chor mit. Am Samstag jedoch muss er eine Pause einlegen. Da ist er anderweitig gefragt. Im Walliser Lokalfernsehen hat er einen Auftritt mit der Formation Söck, der nach eigenen Angaben kleinsten Schwyzerörgeli-Grossformation der Schweiz. Abends um 22.30 Uhr spielt er dann bei der Orgelnacht in der Pfarrkirche St. Martin mit.

Angesichts dieser Liste erstaunt es wenig, wenn Jonas Gisler sagt: «Musik ist mein Lebensmittelpunkt.» Um dies alles zu bewältigen, übt er jeden Tag mehrere Stunden. Im Januar macht er seinen Masterabschluss in Klavierpädagogik im Bereich Klassische Musik. Dieser Studiengang führt zum Lehrdiplom. Doch dabei will er es nicht bewenden lassen. Anschliessend plant er, ein zweites Master-Studium zu absolvieren, das ihm ermöglicht, am Gymnasium Musik zu unterrichten.

Musik nach Noten und auch nach dem Gehör

Zurzeit ist Jonas Gisler mehr am Arbeiten als am Studieren. Inzwischen erteilt er 18 Schülern an der Musikschule Uri Unterricht. Gisler gefällt die Arbeit mit den jungen Musikern. Auch er selber liess sich schon früh für Musik begeistern. Tanzen zu Volksmusik und Singen mit der Mutter machten den Anfang. Später spielte er bei der Militärmusik mit. In verschiedenen Kirchgemeinden umrahmt er die Gottesdienste auf der Orgel. Jonas Gisler kennt keine Berührungsängste, was die verschiedenen Musikstile anbelangt. Er ist vertraut mit den Eigenheiten.

«Bei der klassischen Musik ist viel von den Noten vorgegeben», so Gisler. Aber bei der Interpretation gebe es schon Gestaltungsmöglichkeiten. «Bei der Volksmusik muss man gut zuhören können.» Die traditionellen Stücke würden auswendig vorgetragen. «Die Melodien spielt man nach Gehör.» Musikanten zu begleiten, das sei in der Volksmusik pianistisch gesehen vielleicht nicht so anspruchsvoll, aber man müsse die harmonischen Wendungen hören. «Die Melodie muss stimmen, es muss grooven», sagt Gisler überzeugt. Trotz all dieser Unterschiede: Die Klassische Musik sei schon früher nahe bei der Volksmusik gewesen. Gisler erwähnt Komponist Johannes Brahms, der einst das Gedicht «Guten Abend, gut’ Nacht» vertonte.

«Ein klassischer Pianist kann nicht einfach Jazz spielen»

Mit seinem Musikstudium an der Hochschule Luzern begann er sich vermehrt für Volksmusik zu interessieren. So ist er bei verschiedenen ganz unterschiedlichen Volksmusikformationen dabei. Während seiner Ausbildung spielt er bei den Alpinis, dem Volksmusik-Ensemble der Musikhochschule Luzern, mit. Das Ensemble, das in wechselnden Besetzungen unterschiedlicher Grösse auftritt, pflegt nicht nur ein breites Repertoire alpenländischer Volksmusik, sondern setzt sich mit neuen und alten Musik­strömungen im Grenzbereich zu Klassik und Jazz auseinander. Trotz der Offenheit gegenüber verschiedenen Musikrichtungen weiss Gisler, wo die Grenzen sind: «Ein klassischer Pianist kann nicht einfach Jazz spielen.» Das nimmt er sich zu Herzen. Er habe zwar sehr gerne Jazzmusik, aber es bleibe beim Hören. Das Musizieren in diesem Bereich überlässt er anderen.

«Es braucht grosse Konzentration, um etwas zur Aufführung zu bringen», sagt Gisler. Wer sich mit dem Interpretieren von Musik ernsthaft auseinandersetze, der arbeite immer auch an sich selber. «Man lernt sich durch intensives Üben sehr gut kennen», gibt er sich überzeugt. Mehrere eigene Kompositionen hat Jonas Gisler insbesondere im Bereich der Volksmusik geschrieben.

So einfach lassen sich seine Stücke aber nicht in eine Stilschublade stecken. «Neben der Volksmusik verarbeite ich sicher auch Einflüsse aus den Bereichen Jazz und Klassik», sagt er. «Komponieren ist das Organisieren von Klang in der Zeit», zitiert er einen Dozenten an der Hochschule Luzern.

Orgelnacht: Reminiszenz an eine Ländlerlegende

Auf der Kirchenorgel zu spielen, das ist für Jonas Gisler stets eine besondere Freude. Die «Königin der Instrumente» mache ihrem Namen alle Ehre: Das grosse Klangspektrum wird gerade auch in der Orgelnacht aufgezeigt. Volksmusik sei in der Kirche nichts Aussergewöhnliches. «An der Chilbi gehört in Altdorf immer ein volkstümliches Tänzchen dazu», so Gisler. Er ist an der Orgelnacht in Altdorf einer der jüngeren Organisten. Für ihn steht ein besonderes Stück auf dem Programm. Die von ihm gespielte Komposition «Klein Jonas» hat sein Grossvater Kari Gisler, der bekannte Ländlermusiker vom legendären Trio Gisler, geschrieben.

Auftritt an der Orgelnacht und ein Konzert zum Masterabschluss

Die Orgelnacht findet am Samstag, 23. November, von 20 Uhr bis Mitternacht in der Pfarrkirche St. Martin in Altdorf statt. Jonas Gisler sitzt als Organist auf der Orgelbank. Am Dienstag, 17. Dezember, um 20 Uhr geht das Masterabschlusskonzert im Theater Uri über die Bühne. Mit Werken von Johannes Brahms und Heinrich von Herzogenberg gibt Gisler Einblicke in sein Schaffen. Neben Jonas Gisler (Klavier) sind Julia Rechsteiner (Oboe) und Erwin Fonseca (Horn) zu hören.
Um den musikalischen Einflüssen aus dem Bereich der Volksmusik gerecht zu werden, wird das neuste Projekt mit den beiden Musikern Dominik Flückiger (Schwyzerörgeli) und Lukas Bircher (Violine, Kontrabass) das Konzert abrunden. (MZ)