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MUSIK: «Man gilt schnell als fitnesssüchtig»

Er habe sich vom Erfolg nicht blenden lassen und immer versucht, auf dem Boden zu bleiben, sagt Leonard. Daher habe er all die Jahre in der Szene überlebt.
Interview Markus Zwyssig
Leonard ist auch nach 30 Jahren mit voller Leidenschaft als Sänger unterwegs. (Archivbild Neue ZZ)

Leonard ist auch nach 30 Jahren mit voller Leidenschaft als Sänger unterwegs. (Archivbild Neue ZZ)

Carlo Schenker, in der Schlagerwelt bekannt als Leonard, kann sein 30-Jahr-Bühnenjubiläum feiern (siehe Box). Der gebürtige Seedorfer spricht im Interview, über Fitnesssucht, Tiefgang in der Schlagermusik und über die Schwierigkeit, im Radio gespielt zu werden.

Leonard, obwohl Sie so lange im Geschäft sind, werden Sie im Kanton Uri als Schlagersänger kaum wahr­genommen oder sogar belächelt. Ist das nicht ein bisschen frustrierend?

Leonard: Ich habe es eigentlich nie so empfunden, dass ich als Schlagersänger im Kanton Uri belächelt werde und wenn, dann sicher von Leuten, die eh einfach ihre Vorurteile gegenüber dem Schlager haben.

Helene Fischer, Andrea Berg und Beatrice Egli sind Schlagerstars, die die Massen anziehen. Profitieren auch Sie von diesem Schlager-Boom?

Leonard: Zum Teil sicher auch, weil dadurch mehr Schlager-Events stattfinden. Allerdings ist der Mensch ja ein ziemliches Herdentier, und die Masse läuft meistens dem nach, was im Moment gerade angesagt ist. Das kann sich aber auch schnell wieder ändern.

Wenn man die Boulevard-Presse liest, hat man oft das Gefühl, Ihr Fitnesstraining sei wichtiger als die Musik. Stört es Sie, dass Sie derart stark nach dem Aussehen beurteilt werden?

Leonard: Was mich stört ist, dass sich viele Medien alles so zurecht drehen, wie es ihnen gerade am besten in den Kram passt und was als Schlagzeile am meisten hergibt. Hat man ein paar Pfunde zu viel, wird das einem negativ ausgelegt. Versucht man sich in Schuss zu halten, gilt man gleich als fitnesssüchtig.

Sie stehen offen zu ihrer Homosexualität. Die Thematik haben Sie sogar im Lied «Hauptsache du liebst» verarbeitet. Wie wurde das von den Schlagerfans aufgenommen?

Leonard: «Hauptsache du liebst» wurde damals von der Plattenfirma ja sogar als Single ausgekoppelt und war über Wochen die Nummer 1 in den deutschen Airplay-Charts, also der am meisten gespielte deutsche Schlager. Soviel zum Thema Intoleranz der Schlagerfans.

Hand aufs Herz. Ein Schlager mit Tiefgang ist doch eher die Ausnahme. Viele Melodien und Texte sind austauschbar. Sind Schlager nicht auch ein bisschen Dutzendware?

Leonard: Das mag auf viele der heutigen Schlager zutreffen, aber gerade in den Siebziger- und Achtzigerjahren gab es unzählige Schlager, die Tiefgang haben. Und auch ich kann auf meinen mittlerweile 24 CDs mit einigen Liedern aufwarten, bei denen es sich lohnt, etwas genauer hinzuhören.

Sie sind schon sehr lange im Geschäft. Doch neue Lieder auf den Markt zu bringen wird wohl immer schwieriger. Lohnt es sich in Zeiten von Downloads und Streaming überhaupt noch, eine neue CD aufzunehmen?

Leonard: Ja, das frage ich mich oft auch, und es erstaunt mich, dass die Plattenfirmen trotz allem überhaupt noch CDs veröffentlichen. Ich denke, in spätestens zehn Jahren wird es kaum noch CDs geben, und dann wird Musik nur noch heruntergeladen. Ganz schlimm ist leider mittlerweile die deutsche Radio-Landschaft. Trotz Schlagerboom wird dort nur noch ein englischer Oldie nach dem anderen gespielt. Würden nicht ab und zu noch die aktuellen Nachrichten kommen, könnte man meinen, 1968 zu leben. Nichts gegen Oldies, aber Radiosender, die von öffentlichen Gebühren leben, haben in meinen Augen auch die Pflicht, das aktuelle Musikschaffen und die eigene Sprache ebenfalls zu unterstützen. Es geht ja gar nicht nur um die Interpreten, sondern es steckt ja auch eine ganze Industrie dahinter mit vielen Arbeitsplätzen.

Wie schaffen Sie es trotzdem, von der Musik zu leben?

Leonard: Weil ich in all den Jahren immer auf dem Boden geblieben bin und mich vom Erfolg nie habe blenden lassen. Zudem texte und komponiere ich ja auch selber, moderiere Fernsehsendungen und auch bei der SRF-Musikwelle.

Ist das ein Grund, dass sie nicht nur Sänger sind, sondern auch Moderator?

Leonard: Das hat sich eigentlich im Laufe der Jahre so ergeben. Als Fernsehmoderator wurde ich ja damals von Pia Schellenberg entdeckt, der Frau des damaligen Fernsehdirektors von SRF. Ich bin ihr heute noch dankbar, dass sie mir die Chance gegeben hat «Schlag auf Schlager» zu moderieren, denn das war mitunter meine schönste Zeit in den 30 Jahren.

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