Musiklehrer suchen neue Wege zu den Schülern

Der Unterricht an der Musikschule Uri wird über Telefon, Whatsapp und Skype fortgesetzt. Manchmal werden ganze Musikpäckchen mit Noten und Arbeitsmaterialien auch in den Briefkasten gelegt. 

Markus Zwyssig
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Philipp Gisler macht mit seinem Schüler Elio Fernunterricht.

Philipp Gisler macht mit seinem Schüler Elio Fernunterricht.

Urs Hanhart / Urner Zeitung

Die Coronakrise bringt für Schüler und Lehrpersonen an der Musikschule Uri einschneidende Veränderungen mit sich. Gemeinsames Musizieren ist im Moment nicht möglich. Die Chöre und Ensembles müssen pausieren. Auch finden keine öffentlichen Auftritte wie Konzerte oder Vortragsübungen statt. Der reguläre Musikunterricht vor Ort ist ebenfalls ausgesetzt. Doch trotzdem bleiben die Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Schülern nicht untätig. An der Musikschule Uri nimmt der Fernunterricht an Fahrt auf.

70 bis 80 Prozent der Schüler können erreicht werden

Flächendeckend ist der Fernunterricht zwar nicht möglich. Aber immerhin: «Rund 70 bis 80 Prozent der Schüler können wir erreichen», sagt Philipp Gisler, Leiter der Musikschule Uri. «Den Einzelunterricht können wir damit inzwischen relativ gut umsetzen.» Die meisten Musiklehrer hätten  digitale Hilfsmittel in ihrem bisherigen Unterricht eher spärlich eingesetzt. «Jetzt zeigt sich in der momentanen Notsituation aber, dass der Umgang damit besser als gedacht funktioniert.» Lehrer und Schüler lassen sich dafür begeistern und es gibt viele positive Rückmeldungen. Trotzdem ist für Gisler klar: «Den Präsenzunterricht kann man damit in Zukunft nicht ersetzen.» Man könne zwar gegenseitig auf dem Instrument etwas vorspielen. Das gemeinsame Spiel und die persönliche Ebene fehlen jedoch. Trotzdem sind die neuen Unterrichtsformen auch als Chancen für den zukünftigen Musikunterricht zu sehen. «Einzelne digitale Elemente werden wahrscheinlich auch in Zukunft im Präsenzunterricht eingesetzt werden», ist Gisler überzeugt. 

Der Präsenzunterricht ist mindestens bis zum 19. April ausgesetzt. «Wichtig ist uns, dass die Lernenden nicht wochenlang Pause machen müssen», sagt Gisler. Inzwischen zeige sich auch, dass viele Kinder und Jugendliche bei den Angeboten sehr gut mitmachen würden. «Einige üben sogar mehr als sonst», gibt sich Gisler überzeugt. Viele Eltern seien froh, dass es durch den Musikunterricht zu Hause für die Kinder eine gewisse zusätzliche Struktur im Alltag gebe. 

Für den Fernunterricht gibt es viele Möglichkeiten. Sei dies mit vermehrten Telefongesprächen, mit Zusenden von Noten- und Unterrichtsmaterial aber auch mit digitalen Hilfsmitteln wie Videotelefonie, E-Mail oder Chat-Applikationen. Nebst dem Unterricht im Internet 1:1, werden auch Videos gedreht oder Audiodateien hin und her geschickt. Als Feedback ist auch eine Sprachnachricht möglich.

Musikpäckchen machen Lust zum Klavierspielen

Die Musiklehrerinnen und Musiklehrer sind sehr kreativ, was die Möglichkeiten anbelangt, wie sie mit ihren Schülern den Kontakt aufrechterhalten. Ruth Fenn, Klavierlehrerin in Schattdorf, verzichtet bei ihrem Fernunterricht auf Handy und Computer. Sie legt ihren Schülern vielmehr regelmässig persönlich zusammengestellte Musikpäckchen in den Briefkasten. «Ich beginne mit dem Buchstaben A, dann folgt B, dann C und so weiter», erklärt sie. 

Im Päckchen der Klavierlehrerin befinden sich jedes Mal Noten, Arbeitsblätter, ein Musikquiz und es gibt Anregungen für eigene Kompositionen und Improvisationen. Die Schüler legen dann ihrerseits die Lösungen bei der Klavierlehrerin in den Briefkasten oder schicken ihr diese per Post zu. Mit den bisher gemachten Erfahrungen ist Ruth Fenn mehr als zufrieden: «Die Schülerinnen und Schüler machen gut mit, sind sehr kreativ und sprudeln vor Ideen.»

Nicht einfach, immer Termine für Videoanrufe zu finden

Saxofonlehrer Carlo Gamma aus Altdorf unterrichtet seine Schüler vor allem über Videoanrufe per Whatsapp. Gegenseitig könne man sich auf dem Instrument Musikstücke vorspielen. Der Musiklehrer habe die Möglichkeit, zu erklären und zu korrigieren. «Die meisten Schüler machen gerne mit», hat Gamma festgestellt. Erleichternd komme hinzu, dass die älteren Schüler ihr eigenes Handy hätten und dadurch gut erreichbar seien. Doch nicht alle Kinder sind gleich gut eingerichtet, was Computer und Mobiltelefon betrifft. So hat er auch schon Noten und Unterlagen für den Musikunterricht in den Briefkasten gelegt.

Der Fernunterricht sei eine neue Erfahrung. «Weil derzeit viele sonst übliche Aktivitäten nicht möglich sind, haben die Kinder mehr Zeit als üblich», so Gamma. Das biete die Möglichkeit, kreativ zu sein und zu Hause beispielsweise auch einmal mit den Eltern oder mit den Geschwistern zusammen zu musizieren. Aber natürlich ist sich Gamma bewusst, dass die Situation beim Fernunterricht anders ist als beim Unterricht vor Ort. Auch Gamma vermisst das gemeinsame Musizieren mit seinen Schülern. «Der Fernunterricht ermöglicht es uns aber, in Kontakt zu bleiben und den Unterricht auf Distanz aufrechtzuerhalten», so Gamma. Fernunterricht sei eher streng für die Lehrer. Das Organisieren sei aufwendiger. Nicht einfach sei es, immer für alle 25 Schüler passende Termine zu finden. In dieser speziellen Situation hofft er insbesondere auch auf das Verständnis der Eltern.

 Musikschule muss finanzielle Belange regeln

«Der Fernunterricht hat einige Hürden, bietet aber auch Chancen, neue Unterrichtsformen zu entdecken», gibt sich Philipp Gisler überzeugt. Dass der Unterricht nun weitergeführt werden kann, ist auch in finanzieller Hinsicht wichtig. Die Musikschule Uri ist ein Verein, der auf die Unterstützung auch der Elternbeiträge angewiesen ist. Wenn der Unterricht über längere Zeit ausfällt, erfolgt eine anteilsmässige Rückerstattung des Schulgeldes. Die ausgefallenen Lektionen werden Ende Schuljahr evaluiert und eine entsprechende Rückerstattung oder Gutschrift erfolgt im Sommer.