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Bundesratswahlen: Nach 80 Minuten war die «Kilbi» in Erstfeld vorbei

Rund 70 Personen haben bei der Wahl in der Wohngemeinde der Bundesratskandidatin mitgefiebert. Trotz lautstarkem Support von Jung und Alt nahm die «zweite Kilbi» im Eisenbahnerdorf schneller ein Ende als vielen lieb war. Ein Stimmungsbericht aus Erstfeld.
Carmen Epp
Rund 70 Personen verfolgten die Bundesratswahlen (Bild: Urs Hanhart, Erstfeld, 5. Dezember 2018)

Rund 70 Personen verfolgten die Bundesratswahlen (Bild: Urs Hanhart, Erstfeld, 5. Dezember 2018)

Erstfeld, 7.15 Uhr. Der Bristenstock schimmert silbern am schwarzen Himmel, im Pfarreizentrum brennt Licht. Bereits die Parkplatzeinweiserin macht mit ihrem freudigen Willkommensgruss deutlich: Erstfeld ist in Feierlaune.

Im Pfarreizentrum herrscht emsiges Treiben. Frauen der örtlichen Frauengemeinschaft dekorieren in gelben Shirts mit Uristier-Aufdruck die Bühne und die Tische mit Urnerfahnen und zünden Uristier-Kerzen an. Noch bevor das Public Viewing offiziell beginnt, werden die Frauen bereits zu ersten Videointerviews aufgefordert. Bereitwillig wedeln sie mit Uristier-Fähnlein in die Kamera und rufen «Hopp Heidi». Es wäre «schon toll», wenn sie es schaffen würde, sagt die eine der Frauen, die andere ergänzt, dass «z’Heidi» durchaus das Zeug zur Bundesrätin habe.

Paul Jans, der gerade die ersten Gäste im Pfarreizentrum begrüsst hat, pflichtet den Frauen bei. Der Erstfelder Alt-Gemeinde- und Landratspräsident verteilt den Medienschaffenden ein Papier mit dem Titel «Frauenpower in Erstfeld», darauf einige Eckpunkte weiblicher Politik im Eisenbahnerdorf: von der Gründung des Vereins christlicher Mütter 1883 über die national bekannte Ehrenbürgerin Emilie Lieberherr bis hin zu den zwei Frauen im Gemeinderat und der Viersechstelmehrheit von Erstfelderinnen im Urner Landrat. In die Frauen von Erstfeld, so scheint es, setzt Jans grosse Hoffnungen.

Die «Kilbi»-Stimmung nimmt ein jähes Ende

Kurz nach 8 Uhr erklingt die Glocke im Nationalratssaal, die Blicke im Pfarreizentrum gehen zur Grossleinwand. Die Vereinigte Bundesversammlung ist zusammengekommen, nun wird es langsam ernst. Nationalratspräsidentin Marina Carobbio spricht von der «Fähigkeit, den Menschen zuzuhören». Viel mehr kriegt man von den Verabschiedungen von Bundesrätin Doris Leuthard und Bundesrat Johann Schneider Ammann nicht mit. Zu angeregt diskutieren die rund 80 Personen, die sich inzwischen im Pfarreizentrum zusammengefunden haben. Darunter auch Schüler der Oberstufe, die eine ganze Tischreihe für sich und ihre Uri-Fahnen eingenommen haben.

Auch Oberstufenschüler fiebern mit Heidi Z'graggen mit. (Bild: Urs Hanhart, Erstfeld, 5. Dezember 2018)

Auch Oberstufenschüler fiebern mit Heidi Z'graggen mit. (Bild: Urs Hanhart, Erstfeld, 5. Dezember 2018)

Das Duo Bay-Zgraggen unterhielt am Public Viewing. (Bild: Urs Hanhart, Erstfeld, 5. Dezember 2018)

Das Duo Bay-Zgraggen unterhielt am Public Viewing. (Bild: Urs Hanhart, Erstfeld, 5. Dezember 2018)

«Jetzt geht’s los!», sagt ein älterer Mann und zeigt auf die Leinwand. Es ist kurz vor 9 Uhr, in Bern werden die Stimmzettel verteilt, im Pfarreizentrum wird’s ruhiger – vorerst. Während die Stimmzettel verteilt werden, spielt das Trio Bay-Zgraggen einen Ländler, dann noch einen. Währenddessen werden im Fernsehen Bilder von Heidi Z’graggen gezeigt, die Schüler jubeln, die Fähnlein wackeln über den Köpfen. Bei einer Liveschaltung ins Urner Fanlager nach Bern wird klar: Die Stimmung in Erstfeld ist um einiges ausgelassener. Für die «zweite Kilbi in Erstfeld», die Jans im Vorfeld versprochen hatte, fehlt nicht mehr viel.

Um 9.20 Uhr – im Pfarreizentrum ist nur noch die Stimme von Marina Carobbio zu hören – folgt die Ernüchterung: Schon bei den Worten «Gewählt ist mit 148 Stimmen», ziehen die meisten ungläubig die Augenbrauen hoch, «Viola Amherd.» Der Bruchteil einer Sekunde hält der ganze Saal den Atem an, zögerliches Klatschen setzt ein. Eine Entscheidung! Im ersten Wahlgang! Ein Raunen geht durch den Saal. Dass Z’graggen 60 Stimmen macht, geht fast unter.

Die Enttäuschung vergeht, die Überraschung bleibt

Gemeindevizepräsident Sepp Zgraggen. (Bild: Carmen Epp, Erstfeld, 5. Dezember 2018)

Gemeindevizepräsident Sepp Zgraggen. (Bild: Carmen Epp, Erstfeld, 5. Dezember 2018)

Sepp Zgraggen ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. «Dass es eng werden könnte, wusste ich», sagt der Erstfelder Gemeindevizepräsident. «Dass der Fall so klar ist und bereits im ersten Wahlgang eine Entscheidung fällt, überrascht mich aber dann doch.»

Werner Zgraggen beim Public Viewing in Erstfeld. (Bild: Carmen Epp, 5. Dezember 2018)

Werner Zgraggen beim Public Viewing in Erstfeld. (Bild: Carmen Epp, 5. Dezember 2018)

Alt-Gemeindepräsident Werner Zgraggen stimmt ihm zu. Natürlich wäre es eine «Riesenüberraschung» gewesen, wenn Z’graggen die Wahl geschafft hätte, sagt er. «Mit mindestens zwei Wahlgängen hätte ich aber schon gerechnet.» Die beiden sind sich aber einig, dass die Kandidatur von Z’graggen positive Folgen hat. «Der Kanton Uri und die Gemeinde Erstfeld waren in den Medien mit einer Kandidatin, die das Zeug zur Bundesrätin gehabt hätte», sagt Gemeindevizepräsident Zgraggen. Das sei viel Wert.

Und Jans, wie enttäuscht ist er, dass Erstfeld nun doch keine «zweite Kilbi» erleben wird? Die Enttäuschung sei sehr gross gewesen im ersten Moment, sagt er. Für Viola Amherd sei das Resultat natürlich deutlich und auch anzuerkennen. «Heidi Z’graggen hat aber immerhin 60 Stimmen gemacht, was durchaus ein Achtungserfolg ist», so Jans.

Nachdem der erste Schock verdaut ist, stossen die Leute im Pfarreizentrum miteinander an. Mit Weisswein sogar. «Auf die Walliser!», ist zu vernehmen. Kurz nach 10 Uhr ist auch der FDP-Sitz nach nur einem Wahlgang besetzt. Wenige Minuten später sind die ersten Tische im Pfarreizentrum wieder leer, die «zweite Kilbi» ist vorbei.

Heidi Z’graggen: «Ich würde den Mut wieder fassen»

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