Denkmäler in Uri regen zur Diskussion an

Im Rahmen der Innerschweizer Denkmalwoche diskutierten Fachleute auf einem Podium. Wenn sie einen Zauberstab hätten, würden sie auch verschiedene Dinge in Uri verschwinden lassen.

Markus Zwyssig
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Stefan Fryberg, Martin Weiss, Margrit Baumann, Annette Windlin, Eduard Müller und Paul Knüsel diskutierten im Cinema Leuzinger über die Bedeutung von Denkmälern. (Bild: Markus Zwyssig, Altdorf, 4. September 2018)

Stefan Fryberg, Martin Weiss, Margrit Baumann, Annette Windlin, Eduard Müller und Paul Knüsel diskutierten im Cinema Leuzinger über die Bedeutung von Denkmälern. (Bild: Markus Zwyssig, Altdorf, 4. September 2018)

«Braucht es überhaupt Denkmäler?» war das Podium am Dienstagabend im Cinema Leuzinger betitelt. Die Frage beantwortete Justizdirektorin Heidi Z’graggen gleich zu Beginn. Sie sprach von einem «Grundbedürfnis nach Erinnerung». Volk und Stände würden Denkmäler bejahen, sowohl in der Verfassung wie auch im Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz seien diese verankert.

Z’graggen lobte die gute Zusammenarbeit der Innerschweizer Kantone insbesondere bei den Europäischen Tagen des Denkmals, welche am 8. und 9. September stattfinden. In Uri sind diese zu Gast an der Wirschafts- und Erlebnismesse Uri 18. Am Stand von Uri Tourismus gibt es eine Kulturtanksäule. Zudem fährt am Freitag ein historischer Zug von Erstfeld nach Göschenen und Airolo, von dort geht es in Cars zur Gotthardpasshöhe. In Referaten, Führungen und Präsentationen will man dem Mythos Gotthard näherkommen.

Erst das Verhüllen führt zur Aufmerksamkeit

Martin Weiss hat für die Lancierung seiner App Sqwiss Denkmäler verhüllt. Das Volk überlegt sich wohl dann erst richtig, was darunter ist. «Damit wird die Aufmerksamkeit umso grösser», gab sich Moderator Paul Knüsel überzeugt. Er ist stellvertretender Chefredaktor von «Tec21», der Fachzeitschrift für Architektur und Bau.

Gerne hätte Weiss auch das Telldenkmal in Altdorf verhüllt, was jedoch nicht möglich war. In Bürglen sei er mit offenen Armen empfangen worden und man habe stattdessen das dortige Denkmal verhüllt. Für Annette Windlin, die Regisseurin der Altdorfer Tellspiele, ist «Tell» ein wichtiges Denkmal für Uri und die Schweiz. Sie erhielt denn auch ein paar Tipps für ihre Inszenierung. Alt Regierungsrat Stefan Fryberg verhehlte nicht, dass er zuweilen Mühe hat mit den Inszenierungen. «Tell» werde zu oft verhunzt. «Ich möchte das Stück gerne, von der ersten bis zur letzten Zeile gespielt, erleben.» Weiss wünscht sich eine Inszenierung, bei der das Publikum einbezogen würde. «Wir müssen Tell zu den Leuten bringen, und zwar generationenübergreifend.»

Für alt Denkmalpfleger Eudard Müller braucht es die nötige Freiheit. Aus dem Alltag weiss er aber auch, dass es nicht immer einfach ist, Altes und Neues zu kombinieren. Und: «Das Denkmal müssen wir als historisches Zeugnis erhalten.» Für Architektin Margrit Baumann ist klar: «Wir dürfen stolz sein auf die Baukultur und auf unsere Wurzeln. Wichtig ist, dass wir das Erbe erhalten und in Zukunft weitergeben.»

Mehr Mut bei öffentlicher Hand gefordert

Fryberg findet, die öffentliche Hand baue vielfach nur funktional: «Das dürfte mutiger und schöner sein.» Gegen Denkmäler sei wohl niemand, so der alt Regierungsrat und Historiker. «Die Ausgangsfrage könnte man weiter drehen: Wie brauchen wir die Denkmäler? Was stellen wir damit an?»

Wenn er einen Zauberstab hätte, würde Weiss im Kanton Uri einiges entfernen: «Uri hat zu viele rostige Stiere.» Baumann wies darauf hin, dass neue Bauten vielfach eine Lebenszeit von nur rund 40 Jahren hätten. Vieles würde so oder so wieder verschwinden. «Alles, was in der Mitte von Kreiseln steht, ist unerträglich», sagte die Tellspiel-Regisseurin. Auch Fryberg möchte diese Art Kunst verschwinden lassen.

Informationen zu den Europäischen Tagen des Denkmals gibt es unter www.hereinspaziert.ch.