NACHGEFRAGT: «Es gibt ernsthafte Interessenten»

Interview Florian Arnold
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Urban Camenzind, wie sicher sind Sie sich, dass diese Pläne um den Bahnhof Altdorf umgesetzt werden?

Ich zweifle überhaupt nicht daran. Seitens des Bunds sind die Gelder gesprochen für die Perronverlängerung. Wir haben die Zusage für je acht Neat-Halte nach Norden und Süden. Wir müssen einfach unseren Teil der Arbeit noch machen. Abgemacht ist mit den SBB, dass wir das ganze ÖV-Konzept auf den Bahnhof Altdorf ausrichten. Das kostet den Kanton Uri rund 10,9 Millionen Franken.

Eine stolze Summe. Wird dies das Urner Volk einfach so akzeptieren?

Dadurch, dass wir diese Pläne über das Verkehrsgesetz abwickeln können, hat der Landrat die abschliessende Finanzkompetenz. Der Landrat kann aber die Entscheidung dem Volk überlassen und eine Abstimmung verlangen.

Unter anderem aus Flüeler Kreisen hört man, diese Pläne seien für den Kanton Uri nicht das Richtige. Was sagen Sie zu dieser Kritik?

Dass es immer wieder Leute gibt, die einen anderen Lösungsvorschlag haben, das gehört zu unserem Job. Das Zeitfenster, IC-Zugshalte und eine Perronverlängerung vom Bund finanziert zu erhalten, ist jetzt offen. Diese Chance muss der Kanton Uri packen. In Flüelen sind die Perrons zwar genug lang, doch sollte das Dorf einst umfahren werden, ist der Bahnhof am falschen Ort. Das ist zwar eine langfristige Sache. Aber wenn es so weit ist und wir dann nach Altdorf gehen möchten, wird es heissen, wir sollen dies selber zahlen. Das jetzige Angebot, das uns die SBB machen, ist das Produkt einer 25-jährigen guten Zusammenarbeit während der Bauzeit der Neat. Aber wir müssen es auch wollen.

Wieso braucht es den Bahnhof Altdorf?

Für die Verbesserung des ÖV – auch innerhalb des Kantons Uri. Wir haben bessere Verbindungen zum Beispiel nach Attinghausen oder Seedorf, wir sind mehr im Zentrum unseres Hauptsiedlungsgebiets und können von hier aus sternförmig die Gemeinden besser erschliessen. Es gibt bessere Möglichkeiten, aus dem oder in den Kanton Uri mit ÖV zu pendeln. Wenn man gute Angebote macht, werden sie auch genutzt. Hinzu kommen die Möglichkeiten für eine Entwicklung rund um den Bahnhof, gerade wegen der Neat-Halte.

Sie sprechen vom Eyschachen als Entwicklungsschwerpunkt. Es gibt Leute, die es für ein Märchen halten, dass sich hier je grosse Firmen ansiedeln werden.

Da wo gute Verkehrsverbindungen vorhanden sind, ist rundherum immer etwas passiert. Das konnte man in der ganzen Schweiz beobachten. Der Eyschachen wird perfekt erschlossen sein mit der West-Ost-Verbindung, dem A-2-Halbanschluss in Attinghausen und dem Kantonsbahnhof. Die UKB und weitere Private sehen Chancen. Reihe um Reihe wird das seine Kreise ziehen.

Bisher konnte aber noch kein einziger Interessent bekannt gegeben werden.

Es gibt ernsthafte Interessenten. Und es haben gute Gespräche stattgefunden. Nur sind wir noch nicht so weit, dass Verträge unterzeichnet werden können.

Was, wenn das Volk Nein sagt zum Bahnhofsprojekt?

Wir hätten eine Chance massiv verpasst, denn die Investition der SBB würde gestoppt. Das Projekt hat bisher alle Hürden genommen. Der Kantonsbahnhof ist im Richtplan drin, im Verkehrskonzept, und er hängt auch mit der West-Ost-Verbindung zusammen. Es wäre schade, wenn dieser wichtige Puzzlestein nun nicht kommen würde.

Kann sich Uri diese Investition leisten?

Diese 10,9 Millionen muss sich der Kanton Uri leisten. Der Gegenwert, den man damit bekommt, ist wesentlich. Es könnte eine Entwicklung ausgelöst werden, welche die Investition über ein paar Jahre sogar wieder retour bringt – mit Aufträgen für das Urner Gewerbe oder neue Arbeitsplätze, die neue Steuerzahler bringen, was nicht bei allen Investitionen messbar ist.

Interview Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch