NACHGEFRAGT: Heinz Gerig: «Das erfüllt mich mit Stolz und macht Hoffnung»

Heinz Gerig durfte vergangene Woche sein Projekt Riesco auf EU-Ebene vorstellen.

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Heinz Gerig durfte das Projekt Riesco vergangene Woche in Brüssel vorstellen. (Bild: pd)

Heinz Gerig durfte das Projekt Riesco vergangene Woche in Brüssel vorstellen. (Bild: pd)

Unter der Leitung des Urners Heinz Gerig hilft Hotel & Gastro formation Schweiz anerkannten Flüchtlingen bei der Ausbildung im Gastrobereich. In der vergangenen Woche konnte Heinz Gerig in Brüssel sein Projekt Riesco europäischen Spitzenbeamten vorstellen, und zwar an einer Tagung zum Thema Integration von Flüchtlingen (siehe «Zentralschweiz am Sonntag» vom 19. Februar). Unsere Zeitung fragte bei ihm nach, ob der Riesco-Lehrgang das Interesse europäischer Staaten geweckt hat.

Heinz Gerig, Sie konnten erstmals Ihr Projekt im Ausland präsentieren. Ist es auf offene Ohren gestossen?

Ja, dieses Gefühl hatte ich. Die europäischen Staaten haben alle die gleiche Problematik, wenn es um die Ausbildung von Flüchtlingen geht. Von den Feedbacks her konnten wir erfreut feststellen, dass diverse europäische Staaten sehr interessiert sind. Das erfüllt mich natürlich mit viel Stolz und macht Hoffnung.

Mit welchen Ländervertretungen hatten Sie persönlichen Kontakt?

Wir hatten mit Vertretern von diversen Ländern Gespräche geführt, so etwa aus Belgien, Norwegen, Finnland, Österreich, Deutschland und Holland. Meine Gesprächspartner waren alle sehr beeindruckt, wie streng, aber trotzdem fair wir mit den Teilnehmern umgehen.

Wofür interessierten sich die EU-Verantwortlichen am meisten?

Die Fragen deckten vor allem den Inhalt der Ausbildung ab respektive was den Flüchtlingen in der Ausbildung vermittelt wird. Es wurden uns aber auch Fragen zu den Anforderungen an das Sprachenniveau oder zur Finanzierung des Projekts gestellt.

Gibt es gewisse Länder, in denen sich das Integrationsprojekt besonders gut realisieren lassen würde?

Das lässt sich nicht ganz einfach sagen. So hat aber beispielsweise der Abgesandte aus Holland mir gegenüber erklärt, dass er sich vorstellen könnte, dass sich der Riesco-Lehrgang in seinem Land fast deckungsgleich realisieren lassen würde.

In Luzern wurde das Projekt Riesco 2015 sistiert. Im November 2016 hat Hotel & Gastro formation Schweiz einen Brief an die Regierung geschickt und gefragt, wie es jetzt weitergehe. Was ist jetzt geplant?

Vom Luzerner Regierungsrat haben wir noch immer keine Antwort erhalten. Es ist deshalb auch schwierig abzuschätzen, wie es weitergeht. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir in nächster Zeit etwas hören werden, und gehe davon aus, dass der Kanton Luzern derzeit eine Strategie ausarbeitet. Klar wäre ich enttäuscht, wenn es eine Absage geben würde, doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Anderseits hatten wir Kontakt mit der Dienststelle für Berufs- und Weiterbildung des Kantons Luzern. Dieses signalisierte Interesse an einer Integrations-Vorlehre. Ob wir dabei mithelfen können, wird sich zeigen.

Wäre Ihr Projekt auch auf die anderen Zentralschweizer Kantone übertragbar?

Interesse haben schon viele Kantone bekundet. Die Schwierigkeit besteht darin, dass, ausgenommen Luzern, die anderen Zentralschweizer Kantone alleine nicht genügend Teilnehmer zusammenbringen können. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Kantone enger zusammenarbeiten könnten und dann gemeinsam einen Riesco-Lehrgang starten.

Wie geht es nun mit Riesco in Europa weiter?

Wir von Hotel & Gastro formation Schweiz werden noch verschiedene Unterlagen zum Projekt an die Staaten-Gemeinschaft weitergeben. Unser Vorstand wird bezüglich Zukunft einen strategischen Entscheid zu fällen haben. Ich wäre glücklich, wenn sich das Projekt auf europäischer Ebene etablieren würde. (pz)