Nachruf

Der Urner Medienschaffende Kurt Zurfluh war ein leidenschaftlicher Chronist seiner Zeit

Der Journalist und Autor Kurt Zurfluh ist im Alter von 88 Jahren gestorben.

Christoph Zurfluh
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Kurt Zurfluh.

Kurt Zurfluh.

Bild: PD

Als Bernhard Russi im Februar 1970 Abfahrtsweltmeister wird, produziert Kurt Zurfluh in Windeseile die erste und bis heute einzige Sonderausgabe des «Urner Wochenblatt» (UW). Das ist nicht nur perfekte Werbung für die Zeitung, die damals in scharfer Konkurrenz zur «Gotthard-Post», der Vorgängerin der «Urner Zeitung», steht, sondern typisch für den Menschen Kurt Zurfluh: Er hat sich nie geschont, wenn es darum ging, das Beste für sein UW und die Menschen in Uri zu machen. Der Einsatz lohnt sich: Als Redaktor steigert er ab 1961 die Auflage in wenigen Jahren von 5000 auf 7000 Exemplare.

Als er sich Ende 1987 aus ­gesundheitlichen Gründen vom UW verabschiedet, ist die 10'000er-Grenze erreicht.

Geprägt von Liebe zum Urnerland

Kurt Zurfluh kommt am 28. Dezember 1931 in einfachen Verhältnissen in Flüelen zur Welt. Er ist ein intelligenter Bursche, doch für ein Studium fehlt den Eltern das Geld. So tritt er 1947 kurzerhand dem Orden der Marianisten bei, was ihm den Besuch des Lehrerseminars in Sitten ermöglicht.

1953 kehrt er nach Altdorf zurück, wo er als «Heimatkundelehrer» seine grosse Liebe zum Urnerland entdeckt – und seine zukünftige Frau Marie Theres Wipfli kennen lernt. 1957 heiraten die beiden und werden im Laufe der Jahre Eltern von vier Kindern. Kurt Zurfluh ist ein liebevoller, stolzer Vater, auch wenn er wenig Zeit mit seiner Familie verbringt, denn ab 1961 bestimmt «sein» «Urner Wochenblatt» den Takt. Hier findet er zum ersten Mal seine Bestimmung: das Schreiben.

Recherchieren, Schreiben, verständlich machen

Bis 1988 führt Kurt Zurfluh das «Urner Wochenblatt» als Chefredaktor. Danach widmet er sich einer breiten Palette von Projekten, zu denen der Aufbau des Dätwyler-Archivs, die Urner Wirtschaftsgeschichte «Steinige Pfade» und diverse Bearbeitungen seines «Urner Reise(ver)führers» gehören, der in einer Gesamtauflage von über 11000 Exemplaren erscheint.

Kurt Zurfluh als Lehrer 1955.
9 Bilder
Kurt Zurfluh als Lehrer 1955.
Junger Vater 1966.
Radiosendung 1978.
Im Radio SRG 1970 mit Julian Dillier (rechts).
Kurt Zurfluh (links) als Zeitungsmacher.
Der Redaktor. Schreiben war seine Leidenschaft.
In der Druckerei (rechts).
Kurt Zurfluh.

Kurt Zurfluh als Lehrer 1955.

Bild: PD

Recherchieren, Schreiben, verständlich machen: Das sind die Dinge, die ihn ein Leben lang um- und antreiben. Er macht sich einen Namen als Journalist, Buchautor und Geschichtskenner, als Festredner, Radiomann und Kolumnist, als Korrespondent, Hörspielschreiber und Lektor. Für seine Arbeit wird er mehrfach ausgezeichnet. Höhepunkt seiner Karriere ist die Verleihung des Goldenen Uristiers im November 2011: Dass sich sein Kanton Uri bei ihm für seine Leistungen bedankt, macht ihn zutiefst glücklich.

Am 1. Dezember, einen Monat vor seinem 89. Geburtstag, ist Kurt Zurfluh im Altersheim Rosenberg in Altdorf gestorben. Er hinterlässt ein umfangreiches Werk – als liebevolles Vermächtnis an seinen Kanton.