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Urner Nachschlagewerk Urikon wird erweitert

Zum «Wikipedia für Urner Kultur und Geschichte» ist nun eine umfangreiche Sammlung über die Volksfrömmigkeit im Kanton Uri dazugekommen. Gesammelt hat dies Walter Bär-Vetsch.
Walter Bär-Vetsch (rechts) übergibt Rolf Gisler-Jauch das Werk «Kraft aus einer andern Welt – Zeichen und Handlungen des Volksglaubens und der Volksfrömmigkeit in Uri» auf einem Datenträger für die Aufnahme ins Urikon. (Bild: PD)

Walter Bär-Vetsch (rechts) übergibt Rolf Gisler-Jauch das Werk «Kraft aus einer andern Welt – Zeichen und Handlungen des Volksglaubens und der Volksfrömmigkeit in Uri» auf einem Datenträger für die Aufnahme ins Urikon. (Bild: PD)

(wb/zf) Im Internet-Lexikon Urikon sammelt Rolf Gisler seit 1998 alle öffentlich verfügbaren Daten zur Urner Kultur und Geschichte, zu historischen Ereignissen, zum Sportgeschehen, zu Gebäuden und noch vieles mehr in einer grossen Datenbank. Hunderte interessante Einträge, hilfreiche Tabellen und Verzeichnisse sind unter www.urikon.ch gratis zugänglich. Im Gegensatz zu einem gedruckten Buch werden die Daten im Urikon laufend ergänzt und mit neuen Forschungsergebnissen erweitert. Heute klicken täglich rund vierhundert Besucher das Urikon mit seinen über tausend einzelnen Seiten an. Walter Bär hat das Lexikon nun um eine grosse Sammlung über die Volksfrömmigkeit ergänzt.

Nach Handlungen und Zeichen gesucht

In den 1980er-Jahren begann Walter Bär, Schilderungen früherer Generationen über ihren Arbeitsalltag und die damaligen Riten bei den vielfältigen Übergängen im Leben wie Geburt, Taufe, Kommunion, Verlobung, Heirat und Tod aufzuschreiben. Bald merkte er, dass diese Riten in eine tiefe Volksfrömmigkeit eingebunden waren. Bei vielen volksreligiösen Riten stiess er auf Zeichen und Handlungen, deren Vielfalt, Anwendung und Herkunft er bei seinen inzwischen verstorbenen Zeitzeugen nicht mehr nachfragen konnte. Hier öffnete sich ihm mit Josef Müllers Werken (unter anderem seine gesammelten Sagen aus Uri und seine Beiträge zum Urner Volksglauben in der «Schweizer Volkskunde») eine ergiebige Quelle, um ergänzende Erklärungen zur Volksfrömmigkeit und die darin eingebetteten Riten bei den Lebensübergängen in Uri zu erhalten. Walter Bär hielt die volksreligiösen Bräuche, die ihm aus der Zeit von 1880 bis 1960 überliefert wurden, für sich und daran interessierte Kreise fest.

Volksfrömmigkeit in Uri

Geister, Bann und Magie übten auf die früheren Generationen auch in Uri eine starke Faszination aus. Dadurch wurden viele magische Vorstellungen in die Volksfrömmigkeit eingebunden. Deren Zeichen und Handlungen wehrten böse Geister und Dämonen ab, schützten vor Krankheiten, Blitzschlag, Naturkatastrophen oder Schadenzauber, wirkten heilend, dienten als Glücksbringer oder als Dank und Opfergabe an die übernatürlichen Wesen. Die katholische Kirche versuchte, durch ein reiches Angebot von Segnungen, geweihten Gegenständen, Exorzismen und anderen frommen Mitteln das magische Handeln zu ersetzen und zu «verkirchlichen».

Zeichen der Volksfrömmigkeit gehörten zur persönlichen Präsenz (zum Beispiel Rosenkränze) oder zur Ausstattung von Haus und Hof (wie grosse Heiligenbilder, Kruzifixe). Im öffentlichen Bereich waren sie in weltlichen und sakralen Gebäuden (etwa Wirtshausschilder, Votivtafeln) oder in der Landschaft (Wegkreuze) anzutreffen. Jahrhunderte lang duldete die Kirche eine Volksfrömmigkeit, in der sich erlaubte und verbotene abergläubische Vorstellungen vermengten, solange grundsätzlich der kirchliche Heilsanspruch unangetastet blieb.

Die Handlungen und Zeichen der früheren Volksfrömmigkeit unterlagen seit den 1960er-Jahren einem immer stärkeren Rückgang. Wer aber mit wachen Sinnen den Alltag betrachtet, stellt fest, dass vergangene Zeiten in der heutigen Volksfrömmigkeit und -religion ihre Spuren hinterlassen haben.

Ein Blick in eine andere Zeit und Gesellschaft

Aus seinen unzähligen Notizen hat Walter Bär auf rund 850 Seiten ein Glossar und Beschreibungen der Urner Volksfrömmigkeit erstellt. Seine Ausführungen ermöglichen dem heutigen, eher rational denkenden Menschen einen Blick zurück in eine Zeit, da das Volk noch stärker in der Volksfrömmigkeit verwurzelt war.

Das Glossar hält in alphabetischer Reihenfolge rund 750 volksreligiöse Zeichen und Handlungen fest, wie sie im Leben früherer Generationen im Urner Alltag noch bekannt oder anzutreffen gewesen sind. Das reicht vom Abendgebet über Jungfrauenkongregation oder Krankheitsdämon bis zu den Zwölften. Am Ende eines erklärten Stichworts bestätigen markante Aussagen aus Josef Müllers Sagenwelt die Erklärungen; doch wesentlich enthalten sie ergänzende Aufschlüsse zu den einzelnen Stichwörtern. Bei den rund vierzig Schilderungen über damalige Lebensübergänge stösst man immer wieder auf nicht rational erklärbare Zeichen und Handlungen.

Mit seiner Arbeit will Walter Bär zeigen, wie die damaligen Menschen in einer einst rundum als bedrohlich erlebten Welt voller Gefahren des Bösen ein starkes Bedürfnis nach Zeichen und Handlungen besassen, die sie auf Schutz und Heilung hoffen liessen und zudem ihrer Heilserwartung entgegenkamen.

«Das Urikon wird extrem aufgewertet»

Rolf Gisler-Jauch hat nun Walter Bärs Arbeit mit dem Titel «Kraft aus einer andern Welt; Zeichen und Handlungen des Volksglaubens und der Volksfrömmigkeit in Uri» in sein Urner Online-Lexikon übernommen. Einerseits ist hier das gesamte rund 850-seitige Werk im PDF-Format einsehbar, andererseits kommen die Nutzer über das Anklicken des Sachgebietes oder über Stichwörter zu den Daten. Rolf Gisler ist begeistert: «Das Werk von Walti Bär wird das Urikon inhaltlich extrem aufwerten.» Es sei eine äusserst wertvolle Arbeit für die Urner Volkskunde. «Super, dass ich dieses im Urikon einbinden darf. So macht die Weiterführung meiner Arbeit Spass.» Die einzelnen Themen werden nun mit anderen Registern wie Tiere, Sagenorte, Themen oder Heiligen, verknüpft und damit durch mehrere Kanäle zugänglich gemacht.

Rolf Gisler wird sich in den kommenden Wochen wohl nie langweilen: «Die Verarbeitung der rund 850 Seiten ist natürlich nicht an ein paar lauen Sommerabenden getan.» Er hoffe, dass in einem halben Jahr alles eingelesen sei. «Dann ist es für mich dieses Jahr das zweite Mal Weihnachten!»

Die gesamte Arbeit von Walter Bär ist schon jetzt auf der Startseite www.urikon.ch abrufbar.

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