Schutzbauten gegen Naturgefahren machen Autobahn zwischen Amsteg und Göschenen sicherer

Das Bundesamt für Strassen (Astra) gab Einblicke in die Schwerpunkte der Schutzbauten zwischen Meitschligen und Gurtnellen. Mit den gesteigerten Ansprüchen an die Mobilität sind in den letzten Jahrzehnten auch die Schutzansprüche der Gesellschaft enorm gestiegen.

Paul Gwerder
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Der Nationalstrassenabschnitt A2 zwischen Amsteg und Göschenen wurde zwischen 1963 und 1980 erstellt. Eine erste umfassende Instandstellung der gesamten Bausubstanz wurde zwischen 1990 und 2021 vorgenommen und eine weitere erfolgt nun in den Jahren 2020 bis 2023. Ein zentraler Teil des Instandsetzungsprojektes bildet die Umsetzung von Schutzmassnahmen gegen Naturgefahren.

Der imposante Schutzdamm im Bereich Wiler/Dürrwald beeindruckt die Medienschar.

Der imposante Schutzdamm im Bereich Wiler/Dürrwald beeindruckt die Medienschar.

Bild: Paul Gwerder, 9. Oktober 2020

Mit den gesteigerten Ansprüchen an die Mobilität sind in den letzten Jahrzehnten auch die Schutzansprüche der Gesellschaft enorm gestiegen. Insbesondere ist die Risikoakzeptanz gegenüber Naturgefahren auf der A2 deutlich geringer als früher. «Es kommt selten den Leuten in den Sinn, dass wir neben dem Autobahnbau auch für den Schutz der A2 verantwortlich sind», erklärt Richard Kocherhans, Leiter der Infrastrukturfiliale Astra in Zofingen.

«Gerade hier an der Gotthardnordrampe ist dies ein Dauerthema, denn wir müssen die Autobahn gegen Felsstürze, Steinschlag, Murgänge und Lawinen schützen.»

Die Medienschaffenden sind gestern zu einer Infoveranstaltung betreffend der Massnahmen gegen Naturgefahren entlang des Autobahnabschnittes Amsteg bis Göschenen eingeladen worden. Der Schwerpunkt der neuen Schutzbauten liegt in den Gebieten Stotzigwald, Meitschligen, Aegerstein, Dürrwald und Felliboden bei Gutnellen. Sie beinhalten die Erweiterung und Ergänzungen der Schutzdämme, Einbau von neuen Steinschutznetzen. Die Fachleute sind sich einig, dass die Steinschutznetze und Schutzdämme für ein 300-jähriges Ereignis gebaut werden.

Eindrücklich ist der Blick auf die Steinschlagschutznetze und wie diese die A2 schützen.

Eindrücklich ist der Blick auf die Steinschlagschutznetze und wie diese die A2 schützen.

Bild: Paul Gwerder, 9. Oktober 2020

Für diese Verbauungen investiert das Astra rund 17 Millionen Franken. Kocherhans betont: «Es lohnt sich, hier zu investieren, das hat sich bei den letzten Unwettern gezeigt, denn die Autobahn wurde in diesem Bereich nicht betroffen und war jederzeit befahrbar.»

Steiles Gelände fordert heraus

Der erste Halt war beim Hotspot Meitschligen/Stotzigwald. «Wir bauten an diesem Ort gestaffelte Steinschlagverbauungen und haben versucht, diese möglichst gut ans Gelände anzupassen», betonte Projektverfasser Peter Leu von der Firma Bigler AG. Die grösste Herausforderung war für die Bauunternehmer die Steilheit des Geländes und, dass sie sich hier im Naturschutzgebiet befanden. Man sei aus diesem Grund immer in Kontakt mit dem Amt für Forst und Jagd gestanden und auch mit den Gemeinden. Peter Leu betonte:

«Unser erklärtes Ziel war es, in diesem Gebiet möglichst wenig Bäume zu roden.»

Hier sind neue Steinschlagschutznetze eingebaut worden, die eine Höhe von vier Metern aufweisen und über 35 Tonnen schwere Steine aufhalten sollen und dies auf fast 400 Metern Länge.

Die Steinschlagschutznetze bieten ein grosses Mass an Sicherheit vor herabstürzenden Steinen.

Die Steinschlagschutznetze bieten ein grosses Mass an Sicherheit vor herabstürzenden Steinen.

Bild: Paul Gwerder, 9. Oktober 2020

Die dynamischen Netze fangen die Steine sicher auf und bremsen die Wucht des Aufpralls kontinuierlich ab. Sie sorgen dafür, dass diese Steine nicht auf die darunterliegende Autobahn fallen können. Wie bei allen Arbeiten mussten für die Installation der Netze Bäume gefällt und Wurzelstöcke entfernt werden. Für den Transport des Materials waren über 200 Helikopterrotationen notwendig.

Der Auffangdamm Felliboden hat eine Länge von 127 Metern und wird vier Meter hoch. Dazu brauchte es 8500 Tonnen Blocksteine, viel Beton und Aufschüttmaterial.

19000 Tonnen Blocksteine benötigt

Im steilen Gebiet Wiler/Dürrwald ist der fast fertiggestellte Schutzdamm über 400 Meter lang und misst in der Höhe vier Meter. Für dieses imposante Bauwerk brauchte es 19000 Tonnen Blocksteine, welche direkt vor Ort ausgegraben worden sind. Auf der Unterseite des Damms werden die Steine mit insgesamt 1200 Kubikmeter Beton befestigt, dazwischen liegt 15000 Kubikmeter Aufschüttmaterial und die oberen Steine werden nur lose auf den Humus gelegt, damit sie bei einem Ereignis ein wenig nachgeben. «Der Vorteil eines Dammbaus gegenüber einem Auffangnetz ist, dass dieser viel mehr Energien aufnehmen kann», erklärte Leu. «Bei diesem Bau sei die grösste Herausforderung die Arbeitssicherheit und das Wetter gewesen, denn im Gebirge sind die Leute immer potenziell gefährdet.»