Pascal Blöchlinger: «Natürlich bin ich ehrgeizig»

Der SVP-Mann mischt mit seiner wilden Kandidatur die Wahlen auf. Der 42-jährige Altdorfer setzt ganz auf die Karte Wirtschaftsfreundlichkeit.

Franziska Herger
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Pascal Blöchlinger im Urner Landratssaal. Er findet, es habe Platz für zwei SVP-Politiker in der Regierung.

Pascal Blöchlinger im Urner Landratssaal. Er findet, es habe Platz für zwei SVP-Politiker in der Regierung.

Bild: Florian Arnold (Altdorf, 29. Januar 2020)

Pascal Blöchlinger wird anscheinend nie müde. Fast gleichzeitig mit der Wahl zum Landratspräsidenten im vergangenen Sommer stieg der SVP-Mann beruflich in der familieneigenen Recyclingfirma ein, um dann umgehend für den Nationalrat zu kandidieren. Kaum war er Ende Oktober mit nur 344 Stimmen gegen Simon Stadler von der CVP unterlegen, gab er im Dezember überraschend bekannt, dass er als wilder Kandidat in den Regierungsrat will. «Ich wollte den Schwung von der Nationalratswahl mitnehmen», begründet Blöchlinger, der seit acht Jahren im Landrat sitzt. «Ich habe mir im Wahlkampf ein gutes Netzwerk und einen hohen Bekanntheitsgrad erarbeitet, das möchte ich ausnutzen.»

Blöchlinger macht keinen Hehl daraus, dass in seiner Partei, die er selber sieben Jahre lang präsidierte, nicht alle glücklich sind mit seiner Kandidatur. Deren Kandidat ist mit dem jetzigen SVP-Präsidenten Christian Arnold nämlich schon seit dem Frühling bekannt. «Die SVP ist sich Alleingänge eher weniger gewohnt. Vereinzelt gibt es daher immer noch sehr kritische Stimmen. Aber mein Einvernehmen mit der Parteileitung ist gut.» Dies, obwohl Blöchlinger ursprünglich bei der SVP-Geschäftsleitung um die offizielle Unterstützung seiner Kandidatur gebeten hatte, und abgewehrt wurde, wie er sagt. «Man fand, eine zweite Kandidatur gefährde diejenige von Christian Arnold. Das fand ich nicht, denn Regierungsratswahlen sind Kopfwahlen. Daher habe ich mich entschieden, einfach selber ins Rennen zu steigen.»

«Der Axen bleibt gefährlich, und bleibt damit ein Thema»

Blöchlinger betonte nach Bekanntgabe seiner Kandidatur, er wolle Christian Arnold nicht in den Rücken fallen. Es habe – auch aufgrund der Parteistärke im Landrat – Platz für zwei SVP-Politiker im Regierungsrat. Doch dieser ist seit vier Jahren ohne Vertretung der SVP. Wie realistisch es sei, dass nun gleich zwei SVP-Mitglieder ins Gremium gewählt würden, werde sich zeigen, meint Blöchlinger, und wiederholt: «Es geht um Persönlichkeiten, nicht um Parteien.»

Die beiden Kandidaten könnten trotz gleicher Parteizugehörigkeit unterschiedlicher nicht sein: Hier der bodenständig auftretende Grossbauer Christian Arnold, da der sich betont wirtschaftsnah gebende studierte Ökonom und Unternehmer Pascal Blöchlinger. «Ich weiss, wie man uns von aussen wahrnimmt», meint Blöchlinger. «Und es stimmt, ich bin im urbanen Gebiet sicher mehr verankert.» Als Nachteil bei SVP-Wählern sehe er das aber nicht. «Einerseits stimmt das Bild, wonach SVP-Wähler vor allem aus bäuerlichen Kreisen stammen nicht, und anderseits ist ein Bauernhof ja auch ein Wirtschaftsbetrieb», so Blöchlinger. «Zudem stammen meine beiden Elternteile aus Gastrobetrieben mit angeschlossener Landwirtschaft.»

Viel politisches Kapital brachte dem 42-Jährigen in seinem letzten Wahlkampf die Schliessung der Axenstrasse ein, da er sich schon seit längerem für deren Ausbau einsetzt. Der Effekt sei nicht verpufft, jetzt, wo die Strasse wieder geöffnet ist, sagt Blöchlinger. «Der Axen bleibt gefährlich, und bleibt damit ein Thema. Es geht darum, langfristig zu denken und jetzt die richtigen Hebel in Bewegung zu setzen.» Dafür wolle er sich auch als Regierungsrat einsetzen. Überhaupt sei ihm die Erschliessung des Kantons auf der Strasse und per Bahn sehr wichtig. «Und natürlich eine wirtschaftsfreundliche Politik. Der Regierungsrat braucht einen weiteren Unternehmer.» Als Nationalratskandidat wurde Pascal Blöchlinger noch vom Dachverband Wirtschaft Uri unterstützt, da er nach dem krankheitsbedingten Ausscheiden von Matthias Steinegger als wirtschaftsfreundlichster Kandidat galt. Kann er auch diesmal auf die Unterstützung der Wirtschaft zählen, wo doch mit Georg Simmen auch ein Kandidat der FDP im Rennen ist? «Ich hoffe darauf», meint Blöchlinger trocken. «Doch in der Wirtschaft ist man grundsätzlich sehr zurückhaltend, viele wollen lieber im Hintergrund bleiben.» Wirtschaftsfreundlichkeit könne man jedoch nicht auf die Parteizugehörigkeit reduzieren, so Blöchlinger. «Als Betriebswirtschaftler bin ich den Unternehmen näher als es Georg Simmen als Jurist ist.» Er räumt denn auch ein, dass ihm im Falle einer Wahl eigentlich das Volkswirtschaftsdepartement am meisten entsprechen würde. Doch dieses wird voraussichtlich nicht frei, anders als die Justizdirektion und die Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektion. «Das waren bisher nicht meine Kernanliegen», so Blöchlinger. «Doch natürlich sind da viele spannende Aspekte dabei. Ein Regierungsrat muss offen sein und sich für vieles interessieren.»

Ein Fürsprecher für das Zentrum, aber kein Zentralist

Neben mehr Unternehmern täten der Regierung auch mehr Altdorfer gut, findet Blöchlinger, der mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn im Hauptort wohnt. «Das heisst aber nicht, dass ich als Regierungsrat zentralistisch agieren oder Altdorf bevorzugen würde», betont er. «Doch als Zentrum hat es eine gute Vertretung verdient.»

Unter seinen acht Mitkandidaten hebe er sich nicht nur durch seine wilde Kandidatur ab, so Blöchlinger. «Ich habe keinerlei Berührungsängste gegenüber anderen Meinungen. Und ich bin ein Teamplayer. Während meiner Zeit als SVP-Parteipräsident hat die SVP schliesslich auch keine typische Oppositionspolitik gemacht.» Das Amt als Landratspräsident habe ihn zudem optimal auf den Regierungsrat vorbereitet. «Man muss der richtige Typ sein, um so viele Anlässe zu besuchen. Mir gefällt es, Leute, Vereine und Verbände kennen zu lernen.» Es gelinge ihm gut, die zwei Hüte des Kandidaten einerseits und des neutralen Landratspräsidenten andererseits zu tragen. Dass er nicht im Kanton arbeite, habe zudem einen grossen Vorteil: «So kenne ich zwar die Interessen der Wirtschaft, bin aber hier nicht wirtschaftlich verbandelt. Das bringt Unabhängigkeit.»

Heute pendelt Pascal Blöchlinger, der in Uri geboren und aufgewachsen ist, mehrmals wöchentlich in das Familienunternehmen mit 70 Angestellten im St.Gallischen Eschenbach. Im Falle seiner Wahl will er beruflich kürzertreten. «Ich würde zu maximal 20 Prozent weiterarbeiten. Meine Tätigkeit ist zudem sehr flexibel – die Möglichkeit, Projekte an meine beiden Brüder weiterzureichen, besteht ohne weiteres.»

Doch zunächst will sich Pascal Blöchlinger auf seinen zweiten Wahlkampf innert wenigen Monaten fokussieren. Als wilder Kandidat betreibt er diesen völlig getrennt von seiner Partei und auch ohne finanzielle Unterstützung der SVP. Sein Budget will er nicht bekanntgeben. Vieles finanziert er aus der eigenen Tasche. Das sei das Amt wert, findet Blöchlinger. Auch Energie für politische Arbeit habe er immer. «Das ist mein Ding, ich bin hoch motiviert. Es gefällt mir, bei Anliegen mitentscheiden zu können, die das Volk interessieren.»

Hinweis: Die «Urner Zeitung» porträtiert alle Kandidaten für die Regierungsratswahlen vom 8. März.

Drei heisse Fragen an Pascal Blöchlinger

Nach Ihrer Kandidatur für den Nationalrat folgt postwendend die für den Regierungsrat, obwohl die Ämter doch sehr unterschiedlich sind. Wollen Sie um jeden Preis ein hohes Amt erlangen?

Als Landratspräsident bin ich ja schon der höchste Urner (lacht). Aber im Ernst: Natürlich bin ich ein ehrgeiziger Mensch, und war nach der knappen Niederlage im Oktober enttäuscht. Doch dank meines guten Resultats weiss ich nun, wo ich gegenüber den Urner Wählern stehe. Das ist ein grosser Vorteil im Regierungsratswahlkampf. Auch in meinem Umfeld fanden viele: «Versuchs doch noch einmal!» Das hat also nichts mit Sturheit zu tun. Und das Amt als Regierungsrat würde gut zu mir passen. In der Exekutive kann man der Macher sein, während man im Nationalrat immer einer unter vielen bleibt und wohl weniger bewirken kann.

Sie schreiben sich Wirtschaftsfreundlichkeit auf die Fahnen. Reicht ein halbes Jahr in Ihrem Unternehmen, um die Anliegen der KMU wirklich nachvollziehen zu können?

Ich war zuvor in grossen wie auch in kleinen Unternehmen der Dienstleistungs- und Baubranche tätig. Ich kenne also beide Seiten. Zudem bin ich seit 2010 Miteigentümer und Verwaltungsrat unserer Firma. Im Sommer letzten Jahres habe ich dann auch eine aktive Rolle als Prozessmanager übernommen. Ich muss mich ausserdem nicht auf die gleiche Stufe mit langjährigen Unternehmern stellen, sondern ihre Bedürfnisse erfassen und die richtigen Massnahmen erarbeiten können. Diese Fähigkeit bringe ich mit.

Vor den Nationalratswahlen kam es – ohne Ihr Wissen – zu Angriffen Ihrer Unterstützer auf Ihren Gegenkandidaten in Inseraten. Ist auch diesmal ein harter Kurs von Ihrem Wahlkampf zu erwarten?

Sie sprechen das eine grosse Inserat an. Die Inserate der «unabhängigen Urner Unternehmer» hatten damit nichts zu tun. Sie haben einfach aufgezeigt, wofür ich stehe. Ich werde auch diesmal eher mit politischen Positionen arbeiten als mit Netzwerken von Unterstützern. Und was Unterstützer über mich oder meine Gegner im Wahlkampf schreiben, ist schwer zu beeinflussen.