Gitschenen: Naturwanderung bringt Einzigartiges zum Vorschein

Der erschienene Führer «Wanderregion Urschweiz» zeigt Gitschenen als eine der artenreichsten Kulturlandschaften an der Via Urschweiz. Am kommenden Wochenende erfahren Gäste viel Wissenswertes über die Natur dieser facettenreichen Region.

Josef Schuler
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Am Weg der Via Urschweiz beim Hof Kneiwies befindet sich der Gitschener Kräutergarten und rechts die markante Sagenskulptur Manschettler. (Bild: PD)

Am Weg der Via Urschweiz beim Hof Kneiwies befindet sich der Gitschener Kräutergarten und rechts die markante Sagenskulptur Manschettler. (Bild: PD)

In den 90er-Jahren wurde Gitschenen weit über die Kantonsgrenzen hinaus zu einem beliebten Treffpunkt für Erholungs- und Bildungssuchende. In dieser Zeit entwickelte Isenthal Tourismus mit dem Biologen Walter Brücker das Konzept für den einstündigen Naturlehrpfad. Noch heute gehört er zu den meist begangenen Wanderungen in Isenthal.

Er führt am Hof und Moorseelein Kneiwies vorbei, genau dort, wo 1982 Käthy Furrer mit zwölf weiteren Bauernfamilien den innovativen Kräuteranbau im Kanton Uri aufbaute. Auf dem Rundweg erfährt man aus erster Hand viel über die Alp und ihre Geschichte, insbesondere über die einzigartige Geologie, Fauna und Flora. Doch längst nicht immer war es einfach, hier zu überleben. Zu abgeschieden war der Ort, zu gefährlich der Winter.

Gebiet wird beliebt beim Berg- und Skisport

Als sich Älplerfamilien Anfang des 20. Jahrhunderts ganzjährig ansiedelten, realisierte man vorsichtig die erste wasserbetriebene Seilbahn unter der Schrindi. Als die zweite Bahn 1945 gefährlich abstürzte, baute man eine moderne Bahn mit Viererkabinen – etwas später das Berggasthaus und den Skilift. «All das war für uns eine riesige Erleichterung», erinnert sich Käthy Furrer. Mit ihrem Mann Toni führte sie seit 1967 das väterliche Heim weiter bis zur Übergabe an die Familie ihrer Tochter. «Unser artenreiches Naherholungsgebiet wurde mit der Bahn touristisch zugänglicher und beliebter für den Berg- und Skisport. Auch der Natur- und Geotourismus zog Menschen an.»

Weitgehend unbekannt ist die geologische Besonderheit am Oberalper Grat, der anspruchsvoll zu besteigende Stockzahn und das Gitschener-Tor (rechts). (Bild: PD)

Weitgehend unbekannt ist die geologische Besonderheit am Oberalper Grat, der anspruchsvoll zu besteigende Stockzahn und das Gitschener-Tor (rechts). (Bild: PD)

Wenige wissen, dass nahe beim Oberalper Grat und Stockzahn im November die Sonne durchs Gitschener Martinsloch direkt auf die 30-jährige Betrufkapelle strahlt, ein einmaliges Schauspiel. Im Brisengebiet beobachtet man nicht selten Steinbock-Kolonien. Rund 250 Falterarten wurden auf der Sonnenterrasse gezählt. Gitschenen war die erste Pionierregion für ökologische Vernetzungsprojekte in Uri. Auch damit trugen die Bergbauern viel zur Artenvielfalt bei. Noch findet man unter Kalksteinen des Schwalmis die seltene Nidwaldner Haarschnecke. Doch sie überlebt nur auf 2000 bis 2570 Meter über Meer. Und mit dem Klimawandel ist sie zunehmend gefährdet.

Unterwegs gibt es ein Teekräutertrank

«Die geführten Wanderungen anlässlich der Eröffnung der Via Urschweiz vor einem Jahr haben bei Gästen ein grosses Interesse am naturkundlichen Rundweg geweckt», erklärt Käthy Furrer. «Wir möchten diesmal speziell auf die Flora, auch die zahlreichen Heil- und Genusskräuter, eingehen.» Unterwegs laden die Furrers die Wandergäste zu einem Teekräutertrank auf ihrem Bergbauernbetrieb Kneiwies ein.

«Nicht zu Unrecht wurde die Isenthaler Wildheulandschaft von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz zur Landschaft des Jahres 2016 erkürt. Für mich ist die Gitschener-Wanderung prädestiniert, um auf vielfältige Aspekte der Biodiversität – gerade in Feucht- und Trockengebieten – einzugehen», erklärt Walter Brücker, Präsident der Naturforschenden Gesellschaft Uri. «Interessant sind auch geologische Besonderheiten und nicht zuletzt die sichtbaren Verbindungen zwischen Land-, Wald- und Alpwirtschaft.»

Als vor der Jahrhundertwende die Gitschener Zukunft wenig rosig aussah, kamen mutige junge Familien und ein innovatives Berggasthaus, um das Generationenwerk weiterzuführen. Ein Verein baute und trägt die Betrufkapelle, eine Genossenschaft den Skilift und eine private Trägerschaft das «Alpstubli». Doch die Herausforderungen blieben. Die beiden Wanderungen und zwei Bücher wollen zu einer vertieften Auseinandersetzung und zum Verständnis der Entwicklung im Berggebiet beitragen.

Naturwanderung auf Gitschenen am Samstag, 29. Juni, (mit Käthy Furrer) und Sonntag, 30. Juni (mit Walter Brücker), jeweils 10.30 Uhr bei der Bergstation Gitschenen (Altdorf Post ab 9.38 Uhr, Altdorf Bahnhof ab 9.40 Uhr). Die Bücher «Erlebnis Gitschenen» und «Wanderregion Urschweiz» können in Gitschenen vergünstigt bezogen werden.