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NEAT: Alois Bissig gibt seine Faszination weiter

Alois Bissig ist Besucher­führer mit Leib und Seele. Doch nun muss der 56-Jährige um seinen Job rund um den Neat-Tunnel bangen.
Florian Arnold
Alois Bissig mit einer Gruppe Besucher im Zugangsstollen des Gotthard-Basistunnels bei Amsteg. (Bild Florian Arnold)

Alois Bissig mit einer Gruppe Besucher im Zugangsstollen des Gotthard-Basistunnels bei Amsteg. (Bild Florian Arnold)

Florian Arnold

Die Luft ist angenehm warm, das Licht gedämmt, fast wie bei einem Candlelight-Dinner. Doch hier geht es nicht um Romantik. Im Zugangsstollen des Neat-Basistunnels in Amsteg steht die Technik im Zentrum. Ehrfürchtig blicken die Besucher durch die Scheiben des Besucherfensters der Weströhre des Gotthard-Basistunnels. «Hier werden später alle paar Minuten Züge vorbeidonnern», sagt Alois Bissig. Der Besucherguide führt die Gruppe ein Stück weg vom Fenster zum Tunnelquerschnitt, der als Modell eins zu eins im Stollen nachgebaut wurde. Bissig zündet mit seiner Lampe, dessen Kabel er wie eine Krawatte um den Hals gebunden hat, auf einen Draht. «4000 Tonnen Kupfer sind im ganzen Tunnel verbaut worden», sagt er – und schüttelt gleich noch ein paar Fakten zum Neat-Tunnel aus dem Ärmel.

Chance beim Schopf gepackt

30 Jahre lang war Alois Bissig im Baugewerbe tätig. Nach seiner Maurerlehre hängte er schon bald den Vorarbeiter an und absolvierte die Polierprüfung. «Ich habe viel auswärts gearbeitet», erzählt der 56-Jährige, der bis vor einem Jahr in Unterschächen lebte und heute in Schattdorf wohnt. Als sich eine Tür für einen festen Job im Kanton Uri auftat, musste er nicht lange überlegen und bewarb sich. Nun ist er seit 2008 Besucherführer bei der AlpTransit Gotthard, der Bauherrin des Neat-Basistunnels, und darf sich damit Teil des milliardenschweren Jahrhundertprojekts nennen.

«Für mich ist meine Arbeit eine richtige Passion geworden», sagt Bissig. «Mein Job ist deswegen so dankbar, weil ich immer mit motivierten und interessierten Gästen zu tun habe. Schliesslich kommen sie extra hierher, um den Tunnel zu sehen.» Bissig betont: «Wichtig ist, dass man immer auf dem Laufenden bleibt.» Denn oftmals nähmen auch Personen an den Führungen teil, die selber ein grosses Fachwissen mitbringen. «Manchmal kann man auch von den Besuchern etwas lernen.» Die Bewunderung für das Jahrhundertbauwerk sei bei allen spürbar. «Da ist man natürlich schon etwas stolz», sagt Bissig.

Der Rucksack bleibt dran

Auf den Führungen sind die Guides immer zu zweit mit Gruppen unterwegs. In der Baracke in Amsteg händigt Bissig jedem Gast einen roten Rucksack aus. «Damit hat man genügend Sauerstoff, wenn im Tunnel etwas passieren sollte», erklärt er in breitem Urner Dialekt. Verunsicherten nimmt er aber sogleich die Angst: «Bis heute gab es noch keinen Ernstfall, bei dem der Rucksack zum Einsatz kommen musste.» Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen gab es aber doch auch brenzlige Situationen in all den Jahren. «Es kam vor, dass etwa ältere Menschen einen Schwächeanfall erlitten oder gestolpert sind und sich dabei Schürfungen zugezogen haben.»

Während all der Jahre hat Bissig mit seinem Team Tausenden von Besuchern den Tunnel näher gebracht. Einige sind ihm ganz speziell in Erinnerung geblieben: «Einmal war ein Chor mit auf der Tour. Im Innern des Berges haben sie dann ein Ständchen zum Besten gegeben.» Daneben sind ihm aber auch hohe Gäste im Gedächtnis geblieben, so etwa die Mitglieder der nationalen Neat-Aufsichtsdelegation, der Schweizer Politikgrössen angehören, oder auch der Besuch des Bundesrats.

Wo noch niemand war

Starke Erinnerungen hat der Urner vor allem an die Anfangszeit seines Jobs. «Ich war es nicht gewohnt, vor vielen Leuten zu reden», erzählt der 56-Jährige. Die Unsicherheiten habe er aber rasch abgelegt. Zu Beginn faszinierte ihn vor allem die rasante Entwicklung im Berg: «Jeder Tag war damals anders», erinnert er sich. «Immer, wenn man wieder in den Tunnel ging, wurde wieder ein neues Stück Fels herausgebrochen, und man gelangte auf diese Weise immer wieder an einen Ort, wo sonst noch niemand gewesen war.» Die einzelnen Durchschläge der Abschnitte seien immer wieder emotionale Momente gewesen.

Er will weitermachen

Nach wie vor sind die Führungen beliebt. Bis zur Eröffnung des Basistunnels sind sämtliche Touren ausgebucht. Und auch im Herbst ist nicht mehr viel Platz übrig. Bis Ende Jahr ist Alois Bissig noch bei AlpTransit Gotthard angestellt – die Zukunft danach ist aber noch ungewiss (siehe Box). «Dass die Stelle befristet ist, wusste ich natürlich vor acht Jahren», so Bissig. «Die Zeit ist aber sehr schnell vergangen.» Zukunftsängste plagen ihn aber nicht: «Wenn die Möglichkeit besteht, werde ich gerne auch nach 2016 Interessierten den Gotthard-Basistunnel näher bringen.»

Verhandlungen laufen noch

«Man ist sich einig, dass es in Uri auch in Zukunft Führungen rund um die Neat geben soll», sagt Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind. Momentan stecke der Kanton aber noch in den Verhandlungen mit den SBB, SBB Historic sowie Uri Tourismus. Vorstellbar seien auch kombinierte Führungen, die das Interventionszentrum in Erstfeld sowie das historische Lok-Depot mit einbeziehen würden. Fest steht: Das Info-Center beim Nordportal-Gebäude muss abgerissen werden. Die darin enthaltene Ausstellung könnte aber an einem anderen Standort aufgebaut werden. Im Herbst werde voraussichtlich ein Entscheid vorliegen.

zf

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