NEAT: Ein Buch, das richtig in die Tiefe geht

Der Bahntechnik rund um den Basistunnel ist ein Buch mit dem Titel «Damit die Züge fahren» gewidmet. Es wurde am Mittwoch im Berges­innern getauft.

Florian Arnold
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Auch für Teilnehmer der Vernissage war die Kulisse ein Erinnerungsfoto wert. (Bild: Florian Arnold)

Auch für Teilnehmer der Vernissage war die Kulisse ein Erinnerungsfoto wert. (Bild: Florian Arnold)

Hans-Peter Thür, Verlagsleiter bei NZZ Libro, ist überwältigt: «Vor so einer eindrücklichen Kulisse habe ich mein Leben lang noch kein Buch aus der Taufe gehoben.» Man glaubt es ihm: Denn wer feiert schon unterirdisch im Zufahrtsstollen des längsten Eisenbahntunnels der Welt Vernissage? Doch nirgendwo anders hätte der Anlass besser hingepasst. Denn das Buch handelt von der Neat – oder treffender: von den Menschen, die den Tunnel erst zu einem tauglichen Objekt machen. «Damit die Züge fahren», so der Titel, zeigt auf knapp 200 Seiten, was an Bahntechnik im Jahrhundertbauwerk geleistet wird.

Bahntechnik sichtbar gemacht

«Hier unten hat alles angefangen», sagt Marco Hirzel, federführend bei der Bahntechnikfirma Transtec Gotthard. In der Tunnelkaverne Amsteg entsteht einer von fünf Einspeisepunkten, welche die Neat mit Strom und allem Drum und Dran versorgen. «Bahntechnik ist oft schwer fassbar», so Hirzel. «Mit diesem Buch wollten wir sie sichtbar machen.» Mit der Idee gelangte die Transtec vor zwei Jahren an Publizist Christof Kübler. Zusammen mit sechs Autoren und fünf Fotografen ist ein umfassendes Projekt entstanden.

In 22 Porträts werden die unterschiedlichsten Aufgaben rund um die Technik am Basistunnel beleuchtet. Sie stellen Männer und Frauen vor, welche die Schienen einbauen, die Stromversorgung einrichten, für die Sicherungstechnik verantwortlich sind und Testfahrten durchführen. Dazu zählen Arbeiter im Tunnel, aber auch Ingenieurinnen ausserhalb des Bauwerks, die im Büro die nötigen Berechnungen anstellen. Sie alle sorgen dafür, dass aus den beiden Betonröhren ein sicherer, moderner und schneller Verkehrsweg wird. Vorgestellt wird das Leben der Protagonisten während, aber auch nach der Arbeit.

Das Buch sei ein unvergängliches Dokument, sagt Verlagsleiter Hans-Peter Thür. «Wir könnten es hier unten einmauern, damit man auch nach tausend Jahren noch sehen kann, was die Bahntechnik von heute geleistet hat.» Ähnlich, wie man noch heute über den Bau des Gotthardtunnels im 19. Jahrhundert spricht, würden auch kommende Generationen über die Neat sprechen. Und genau darauf spielte Renzo Simoni an. Der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Alp Transit Gotthard AG machte einen kurzen Rückblick über die Veränderungen der Bahntechnik. Er wählte ein prägnantes Beispiel aus: Wurde der Kostenvoranschlag für den Gotthardtunnel im 19. Jahrhundert noch auf zwei handgeschriebenen Seiten festgehalten, so umfasste der Werkvertrag für den Neat-Basistunnel ganze 75 Bundesordner. «Wenn es auch nicht auf alles zutrifft: Früher waren eben doch einige Dinge einfacher», scherzte er.

Ein Stück Schiene als Dank

Die Bilder und Texte des Buchs werden auch in die Gotthard-Sammlung des Nationalmuseums aufgenommen. Direktor Andreas Spillmann durfte von Marco Hirzel eine Bildercollage entge­gen­nehmen. Und auch Projektleiter Christof Kübler erhielt ein symbolisches Stück Schiene. Das Monkey Palace Orchestra umrahmte die Feier musikalisch.

HINWEIS

«Damit die Züge fahren», 188 Seiten, 120 farbige Abbildungen; 48 Franken NZZ Libro, Zürich. Mehr Informationen: www.transtecgotthard.ch