Neues Fach Medien und Informatik: Urner Lehrpersonen sind nun in der Pionierrolle

Knapp 60 Lehrer dürfen künftig das neue Fach Medien und Informatik unterrichten.

Urs Hanhart
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Bildungsdirektor Beat Jörg durfte den Absolventen ihr Diplom überreichen.

Bildungsdirektor Beat Jörg durfte den Absolventen ihr Diplom überreichen.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 2. Oktober 2020)

Eine spezielle Zertifizierungsfeier hat sich da in der Aula des BWZ Uri zugetragen. Und dies gleich in mehrfacher Hinsicht, mussten doch die Anwesenden coronabedingt grosse Abstände einhalten, auch während der Diplomübergabe. Auf den geplanten Apéro wurde wegen der garstigen Witterung verzichtet, weil dieser nicht draussen abgehalten werden konnte. Zudem gab es kein Rahmenprogramm in Form von musikalischen Einlagen. Co-Kursleiter Pirmin Stadler, der durch die schlichte Feier vom vergangenen Freitag führte, wies in seiner Begrüssung darauf hin, dass die 59 zertifizierten Lehrpersonen eine Pionierrolle einnähmen. Denn sie erhalten als erste die offizielle Unterrichtsberechtigung für das neue Fach Medien und Informatik.

Ueli Zberg vom Amt für Volksschulen machte darauf aufmerksam, dass bei diesem Abschluss etwas grundlegend anders sei als bei anderen Abschlüssen im Bildungsbereich. Er konkretisierte: «Die Nachqualifikation für das neue Fach war in Uri ohne Noten, ohne Prüfungen, ohne Punkte und auch ohne Nachweis eines fixen quantitativen Aufwands konzipiert.» Ausgangspunkt sei eine individuelle Standortbestimmung gewesen. Darauf basierend hätten dann alle Absolventen einen individuellen Lernweg eingeschlagen und schliesslich die gesamte Ausbildung in Form eines digitalen Portfolios dokumentiert. Dies so, dass es vom Erziehungsrat festgelegte Kriterien erfüllt habe. «Auf diese Art zu lernen, beding unter anderem auch einen gewissen Mut», sagte Zberg. Gleichzeitig gab er seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Absolventen neben dem Erwerb von Kompetenzen im Bereich Medien und Informatik auch methodisch profitieren konnten.

Kinder sollen keine Opfer des Wandels werden

Während des Corona-Lockdowns mussten die Schulen sechs Wochen lang auf Fernunterricht ausweichen. Dabei spielten digitale Kommunikationsmittel eine zentrale Rolle. Bildungsdirektor Beat Jörg, der den Absolventen die Diplome überreichte, wies in seiner Ansprache darauf hin, dass der Erziehungsrat das Fach Medien und Informatik schon lange vor der Coronakrise für die Urner Volksschule beschlossen und eingeführt habe. Den Startschuss für die Nachqualifikation im Fach Medien und Informatik sei vor über zwei Jahren in Schattdorf erfolgt. Zu den erfolgreichen Absolventen sagte Jörg: «Als im neuen Fach zertifizierte Primar- und Sekundarlehrpersonen sind Sie ganz entscheidend für den nachhaltigen Bildungserfolg unserer Kinder und Jugendlichen zum einen, und für die erfolgreiche Weiterentwicklung unserer Schulen zum anderen.»

Die Schüler seien die Erwachsenen von morgen und müssten in der digital geprägten Welt Verantwortung übernehmen. «Das geht nur, wenn unsere Volksschule auf die pädagogisch richtige Art digitale und mediale Kompetenzen vermittelt», sagte der Bildungsdirektor. Wenn das gelinge, würden die Kinder und Jugendlichen nicht Opfer des technologischen Wandels, sondern Gestalter und Nutzniesser davon, so Jörg.

Mit gutem Beispiel vorangegangen

Aber nicht nur die Volksschule stehe in der Pflicht. Alle Akteure in der Gesellschaft müssten ihren Beitrag leisten, um fit für die Zukunft zu bleiben. Aus diesem Grund habe der Regierungsrat seit geraumer Zeit eine Digitalisierungsstrategie mit Umsetzungsmassnahmen für den ganzen Kanton erarbeitet. «Die Regierung will auf diesem Weg die Urner Bevölkerung sensibilisieren, wie die Digitalisierung das Leben erleichtern und zu unserem Vorteil genutzt werden kann.» Für die Volksschule bedeute das eben, digitale Kompetenzen zu vermitteln. Dies liesse sich allerdings nur einlösen, wenn die Lehrpersonen mitzögen. Die Absolventen der Nachqualifikation im Fach Medien und Informatik seien hierbei mit gutem Beispiel vorangegangen.

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