Urner Jazztalent ist im Theater Uri zu hören

Der Altdorfer Lukas Traxel spielt am Donnerstagabend in der alten Heimat. Er hat dafür einen New-York-Aufenthalt unterbrochen.

Markus Zwyssig
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Jazzmusiker Lukas Traxel mit seinem Lieblingsinstrument, dem Kontrabass. (Bild: Bruno Rumen)

Jazzmusiker Lukas Traxel mit seinem Lieblingsinstrument, dem Kontrabass. (Bild: Bruno Rumen)

Eigentlich lebt Lukas Traxel zurzeit in New York. Dank eines Stipendiums des Popkredits der Stadt Zürich kann der 26-jährige Altdorfer ein halbes Jahr im «Big Apple» wohnen und wirken. Die Unterstützungsgelder haben zum Ziel, das kreative Schaffen auf dem Gebiet der Jazz-, Rock- und Popmusik und in den Zwischenbereichen zu fördern.

Doch nun hat Traxel seinen Atelier-Aufenthalt in der amerikanischen Grossstadt unterbrochen, um in seine alte Heimat zu reisen. Heute Donnerstagabend tritt er mit Christoph Stiefels Inner Language Trio im Theater Uri in Altdorf auf. Anschliessend geht es in die Westschweiz und nach Deutschland. Es folgt ein Abstecher ins Studio in Polen und dann geht es zurück über den grossen Teich.

Die Grossstadt liefert Motivation und Ansporn

New York ist die Hauptstadt der Jazzmusik. «Nirgendwo sonst gibt es so viele gute Musiker», sagt Traxel. «Die Stadt schenkt dir nichts.» Er könne jeden Abend Musiker hören, die besser seien als er. «New York verschluckt dich, wenn du nicht Vollgas gibst», sagt er. Doch genau das sei seine Motivation, sich musikalisch weiter zu verbessern. «In New York gibt es eine ganz besondere Energie, um bestehen zu können, braucht man aber gute Ellbogen.»

Unterwegs ist Lukas Traxel in Europa mit den Formationen der Schweizer Jazzmusiker Christoph Stiefel und Marie Krüttli. Der Schlagzeuger der zweiten Band lebt ebenfalls in New York. «Jeder Abend vor Publikum ist anders», sagt Traxel. «Auf der Bühne merkt man, ob es den Zuhörern gefällt und ob etwas zurück kommt oder nicht.» Der Altdorfer will nicht Musik spielen, die nur für den Kopf bestimmt ist. «Was ich mache, soll man verstehen», sagt er. Bei seinen Soloauftritten hat der Musiker Songs im Repertoire, die fast jeder erkennt – zum Beispiel «Blackbird» von den Beatles.

Lukas Traxel sieht sich genau so als Handwerker wie als Künstler. Vor allem beim Musikmachen in der Gruppe wolle er nicht so sehr im Vordergrund stehen, sondern lieber mit seinem Spiel dafür sorgen, dass sich das Gesamtprodukt verbessere. Musik begleitet ihn seit der Kindheit. Angefangen hat er auf der Blockflöte, wechselte dann zur Trompete und zum E-Bass. 2014 machte er den Masterabschluss an der Hochschule Luzern in Jazz Performance. «Für viele Menschen ist Jazzmusik Krach», sagt Traxel. Er versucht, sein Umfeld aber vom Gegenteil zu überzeugen. Und das mit Erfolg: «Viele, die sich auf die Musik einlassen und ein Konzert besuchen, kommen wieder».

In New York ist er damit beschäftigt, ein Programm für sein eigenes Trio zu erarbeiten. Im vergangenen Mai hat er im Zürcher Musiklokal Moods eine Carte blanche erhalten. Neben seinem Trio, dem neben ihm zwei Berliner Musikern angehören, frönt er seinem Soloprojekt, bei dem er ungewohnt alleine mit seinem Kontrabass auftritt. Lukas Traxel gibt jährlich zwischen 150 und 200 Konzerte. Er spielt in Jazz-Lokalen, an Festivals, in Konzerthallen und in Wohnzimmern. Dabei verrät er: «Vor 20 Leuten in kleinem Rahmen zu spielen, gefällt mir fast besser, als in einer grossen Halle aufzutreten. Das ist ehrlich und authentisch.» Der Kontrabass ist dabei stets sein treuer Begleiter.

Sein geliebter Kontrabass ist zurzeit in New York

In der Schweiz muss Traxel zurzeit auf sein Hauptinstrument verzichten. Dieses befindet sich in New York. Traxels Kontrabass ist rund 200 Jahre alt. Er hat es in einem grossen und gut gepolsterten Koffer verschickt. «Ich habe fast gezittert, als ich in New York den Koffer geöffnet habe», verrät Traxel. «Zum Glück ist das Instrument heil angekommen.»

Um sich auf Konzerte oder Studioaufnahmen vorzubereiten braucht Traxel sehr viel Zeit. Er übt bis zu 10 Stunden am Tag. Unterwegs müssen manchmal aber auch ein einstündiger Soundcheck und das Konzert genügen, um auf dem Instrument in Schwung zu bleiben.

Matura abgebrochen, mit Musikstudium begonnen

Lukas Traxel hat schon früh alles auf die Karte Musik gesetzt. Er hat die Matura abgebrochen und mit 17 begonnen, Musik zu studieren. Den Masterabschluss machte er mit 21. «Das Leben als Musiker ist viel mit Verzicht verbunden», sagt Traxel. «Musik ist heute allgegenwärtig, aber nichts ersetzt das Live­erlebnis», so der Musiker. Er ist überzeugt, dass der Enthusiasmus des Publikums für improvisierte Musik wieder steigt: «Die Energie und die Spielfreude übertragen sich bei einem Liveauftritt auf die Zuhörer.»

Manchmal hat er genug von den Hotels und den Strapazen des Nomadenlebens. Die Musik gebe ihm aber viel zurück. «Auf den Reisen lerne ich viele Leute kennen. Ich kann meine Musik und einen gemeinsamen Abend mit ganz unterschiedlichen Menschen teilen.»

Lukas Traxel (Bass) spielt am Donnerstagabend, 28. November, mit Christoph Stiefel (Piano) und Tobias Backhaus (Schlagzeug) um 20 Uhr im Theater Uri.