Regierungsrat Nidwalden
Sie treten nicht mehr an – Bossard und Niederberger schmieden Pläne für Pension

Der eine will im Familienbetrieb helfen, der andere möchte eine grosse Reise machen. Der Nidwaldner Baudirektor Josef Niederberger und sein Kollege, Finanzdirektor Alfred Bossard, treten 2022 nicht zur Wiederwahl an. Ein Entscheid, der beide emotional berührt.

Anian Heierli
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Die Nachricht kommt wohl für viele überraschend. Turnusgemäss hätte für Baudirektor Josef Niederberger (64, Die Mitte) nächstes Jahr die Wahl zum Landesstatthalter stattgefunden. Doch er verzichtet und tritt 2022 nicht mehr für den Regierungsrat an. Der Grund ist simpel. «Ich werde in diesem Jahr 65», sagt er zur «Nidwaldner Zeitung». «Persönlich sagte ich zu mir, ich beende die aktuelle Legislatur und möchte anschliessend in Pension gehen.»

Niederberger «Innerhalb der Mitte war es immer klar»

Nach aussen gesickert ist das nicht, obwohl sein Entscheid schon länger stand. So wurde der Baudirektor 2016 per Ersatzwahl in den Regierungsrat gewählt. Als 2018 die laufende Legislatur folgte, hat Niederberger nach eigenen Angaben bereits intern kommuniziert, dass er sein Amt wohl nur noch für vier Jahre ausführt. «Innerhalb der Mitte war es immer klar», sagt er. «Heute gehen die Reaktionen auf beide Seiten. Einige begrüssen meinen Entscheid, andere sehen es nicht so gerne.» Er fasst zusammen: «Insgesamt wird es für richtig angeschaut.»

Rückblick: die Vereidigung von Josef Niederberger zum Regierungsrat.

Rückblick: die Vereidigung von Josef Niederberger zum Regierungsrat.

Archivbild: Corinne Glanzmann (Stans, 29. Juni 2016)

Obwohl er sich auf seine Pension freut, schmerzt ihn der Entscheid zur Nichtwiederwahl. «Etwas Wehmut gehört dazu», so der Regierungsrat. «Aus meiner Sicht läuft es zurzeit gut. Die täglichen Herausforderungen, die das Amt mit sich bringt, werde ich vermissen.» Und noch etwas werde er vermissen, seine Mitarbeiter. Er sagt:

«Von ihnen habe ich ein sehr liebes Echo bekommen. Sie finden es schade, haben aber Verständnis.»

Besonders stolz ist der Baudirektor unter anderem auf das Geschäft Buholzbach. Das Gewässer wird aus Hochwasserschutzgründen gebändigt – für 46 Millionen Franken (wir berichteten). Durch die Massnahmen profitieren laut Niederberger nicht nur die Standortgemeinden Oberdorf und Wolfenschiessen, sondern sämtliche Grundeigentümer betroffener Überschwemmungsflächen. Am 30. Juni entscheidet der Landrat über den Kredit. Niederberger ist zuversichtlich, weil sowohl die Kommissionen wie auch der Gesamtregierungsrat hinter dem Grossprojekt stehen. Zufrieden ist er auch mit dem verabschiedeten neuen Baugesetz, dass Anfang 2023 in die ganzheitliche Umsetzung geht.

Baudirektor Josef Niederberger (64, Die Mitte), tritt nicht zur Wiederwahl an. Sein Entscheid steht schon länger fest.

Baudirektor Josef Niederberger (64, Die Mitte), tritt nicht zur Wiederwahl an. Sein Entscheid steht schon länger fest.

PD

Insofern bleibt noch eine grosse Frage: Was macht Josef Niederberger, wenn er offiziell in Pension geht? «Aus der Politik ziehe ich mich zurück und konzentriere mich auf meine Familie und die Grosskinder.» Ganz aufhören zu arbeiten möchte er dennoch nicht. Er will im Familienbetrieb Holzbau Niederberger in Büren weiterhin mit Rat und Tat mithelfen: «Für mich ist das ein Hobby. Aber nur solange ich den Jungen nicht im Weg stehe.» Die politische Karriere von Josef Niederberger nahm 1990 seinen Lauf, als er in den Schulrat von Oberdorf gewählt wurde. Diesem gehörte er zwölf Jahre an, davon zehn als Präsident, ehe er sich von 2002 bis 2014 für seine Gemeinde im Landrat engagierte.

Doch Niederberger kehrt der Politik nicht alleine den Rücken. Auch sein Ratskollege, Finanzdirektor Alfred Bossard (65, FDP), kündigt offiziell seine Nichtwiederwahl an. Der ehemalige Leiter der früheren Raiffeisenbank Vierwaldstättersee-Süd verzichtet 2022 nach zwei Legislaturen auf eine dritte als Regierungsrat. Aus zwei Gründen: wegen seines Alters und seiner gesundheitlichen Situation.

Mit 66 Jahren fangen die Gedanken an

«Ich werde nächstes Jahr 66», sagt er. «In diesem Alter muss man sich überlegen, ob weitere vier Jahre sinnvoll sind.» Er sei noch «motiviert» und habe «den Plausch». Doch vor rund fünf Jahren musste sich Bossard einer Herzoperation unterziehen. «Ich habe mich von dieser Operation vollständig erholt und fühle mich fit», sagt er. Er fügt an: «Aber die Belastung als Regierungsrat ist gross. Deshalb möchte ich meine Gesundheit nicht aufs Spiel setzen.»

Rückblick: Alfred Bossard strahlt nach seiner Wahl zum Landammann.

Rückblick: Alfred Bossard strahlt nach seiner Wahl zum Landammann.

Archivild: Manuela Jans-Koch (Stans, 26. Juni 2019)

So begreife denn auch seine Partei, die FDP, seinen persönlichen Beschluss, nicht wieder anzutreten. «Ich denke, ich hätte gute Chancen gehabt, wieder gewählt zu werden», sagt er. «Meine Partei schätzt meine Arbeit und bedauert meinen Entscheid.» Bossard sagt dazu:

«Logisch schmerzt es. Meine Aufgabe war interessant. Diese mache ich mit Herzblut und gehe deshalb nur ungern.»
Finanzdirektor Alfred Bossard tritt auch aus Gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Regierungsrat an.

Finanzdirektor Alfred Bossard tritt auch aus Gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Regierungsrat an.

PD

Als Bossard angefangen hatte, stand es um die finanzielle Situation des Kantons Nidwalden weniger gut als heute. «Unter meiner Führung konnten wir dennoch ein grösseres Sparpaket und Steuererhöhungen abwenden», sagt er. «Heute ist die Finanzlage stabil. Ja, das macht mich stolz.» Ebenfalls stolz sei er darauf, dass man sowohl den kantonalen wie auch den nationalen Finanzausgleich erfolgreich anpassen konnte.

Bossard zieht es in den Norden

Nun freut er sich auf mehr Zeit mit seiner Frau. Er verrät: «Nach meiner Pensionierung möchten wir zusammen eine längere Reise machen.» Das Ziel steht noch nicht ganz fest. «Vermutlich zieht es uns Richtung Kanada oder sonst in den Norden Europas nach Skandinavien.» Vor seinem Amt leitete Bossard beruflich 23 Jahre die frühere Raiffeisenbank Vierwaldstättersee-Süd. Auf politischer Ebene setzte sich der Buochser während acht Jahren im Gemeinderat und von 2002 bis 2010 als Vertreter seiner Gemeinde im Landrat ein. Diesen präsidierte er ebenso 2008/09.

Bildungsdirektor Res Schmid (63, SVP), der aktuelle Landammann und Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger (56, Die Mitte), Justiz- und Sicherheitsdirektorin Karin Kayser-Frutschi (54, Die Mitte), Landwirtschafts- und Umweltdirektor Joe Christen (57, FDP) und Gesundheits- und Sozialdirektorin Michèle Blöchliger (54, SVP) geben bekannt, dass sie sich im Frühling 2022 zur Wiederwahl stellen.