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Urner Obergericht muss über Tierquälereivorwurf befinden

Ein Urner Schweinezüchter hat sich erneut vor die Richter begeben müssen, weil er ein krankes Ferkel nicht behandelt haben soll.
Lucien Rahm

«Das ist für mich eine unglaubliche Geschichte, die mich auch emotional beschäftigt hat in den letzten drei Jahren», sagte der angeklagte Schweinezüchter gestern vor den fünf Oberrichtern unter der Leitung von Werner Baumann. Die «unglaubliche Geschichte» nahm ihren Anfang im Februar 2016, als der Beschuldigte 51 Mastschweine und Ferkel bei einem Schlachthof in Schwyz anlieferte.

Bei deren Kontrolle vor Ort stellte die amtliche Tierärztin damals fest, dass drei der Tiere von einem sogenannten Mastdarmvorfall betroffen waren. Bei dieser Erkrankung tritt das Endstück des Darmes durch den Anus heraus, was für das Tier mit grossen Schmerzen verbunden sein kann. In einem Fall sei das Darmgewebe sogar schon abgestorben gewesen (sogenannte Nekrose) – was für das entsprechende Ferkel besonders leidvoll gewesen sei. Der Züchter habe sich hierbei gesetzeswidrig verhalten, unter anderem weil er die erkrankten Tiere auf dem Übergabeformular nicht richtig vermerkt und das von der Nekrose betroffene Ferkel beispielsweise nicht einer Notschlachtung zugeführt habe.

Staatsanwältin spricht von Gefälligkeitsurteil

Mit dem Fall setzte sich im April des vergangenen Jahres bereits das Urner Landgericht auseinander, nachdem der Beschuldigte den entsprechenden Strafbefehl angefochten hatte. Es sprach den Schweinezüchter von allen Vorwürfen – Widerhandlung gegen das Tierschutz und Lebensmittelgesetz sowie Tierquälerei – frei (wir berichteten). Die Staatsanwaltschaft zog das Urteil jedoch ans Obergericht weiter.

Staatsanwältin Nora Greter begründete diesen Schritt gestern mit vorwurfsvollen Worten an die Adresse des Landgerichts, welches den Züchter «in einem Gefälligkeitsurteil» freigesprochen habe.

«Die Vorinstanz traute sich nicht, dem Beschuldigten auf die Füsse zu treten.»

Schliesslich handle es sich dabei um den Betreiber des grössten Mastunternehmens in Uri.

In ihrem Plädoyer stellte Greter zudem die Aussagen des Beschuldigten in Frage. Um den Vorwurf der Tierquälerei zu erhärten, hatte die amtliche Tierärztin bei ihrer Kontrolle eine Fotografie der kranken Schweine angefertigt, die vor Gericht als Beweismittel zum Einsatz kam. Der Züchter konnte gestern bei erneuter Betrachtung des Bildes weder ausschliessen noch bestätigen, dass die darauf gezeigten Tiere aus seiner Haltung stammten. «Einerseits sagt der Beschuldigte, er habe ein gutes Gedächtnis, was seine Tiere angehe, andererseits kann er sie auf dem Foto aber nicht erkennen», so einer von Greters Vorwürfen.

Die Anwältin des Beschuldigten, Ruth Wipfli Steinegger, sagte hierauf, dass ein Erkennen der Tiere nicht ohne weiteres möglich sei. Zur Illustration zog sie ihren BMW bei. «Wenn Sie mir ein Foto meines Autos ohne Nummernschild zeigen, würde ich das auch nicht einwandfrei als meines erkennen können.» Die Identifikation der Tiere wäre möglich gewesen, wenn auf dem Foto auch ihr «Nummernschild» – die Ohrmarke oder tätowierte Identifikationsnummer – zu sehen gewesen wäre. Die amtliche Tierärztin wählte beim Fotografieren jedoch einen Bildausschnitt, der diese Kennzeichnungen nicht enthält.

Tierärztin übersah Angabe auf Formular

Auf Nachfrage des Gerichts, wieso sie die Nummern damals nicht mitfotografiert hatte, sagte die als Zeugin anwesende Tierärztin: «Es war mir nicht bewusst, dass das so nicht reicht.» Wipfli Steinegger versuchte, die Glaubwürdigkeit der Tierärztin noch weiter in Zweifel zu ziehen, indem sie auf weiteres, ihrer Meinung nach widersprüchliches Verhalten der Tierärztin hinwies. Zunächst habe sie behauptet, dass der Beschuldigte die Erkrankung der Tiere auf dem Formular gar nicht deklariert haben soll. Dies habe sie später korrigieren müssen. Tatsächlich gab die Tierärztin gestern vor Gericht zu, die auf dem Formular notierten drei kranken Tiere übersehen zu haben. Allerdings habe der Beschuldigte das Kreuz bei der Frage nach der Gesundheit der Tiere falsch gesetzt, was für Verwirrung gesorgt habe.

Weil die Vorwürfe nicht eindeutig zu beweisen seien, sei der Beschuldigte wiederum freizusprechen, so Wipfli Steinegger. Staatsanwältin Greter forderte eine bedingte Geldstrafe von 8400 Franken sowie eine Busse von insgesamt 4100 Franken. Das Obergericht teilt den Parteien demnächst sein Urteil mit.

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