Obergericht verurteilt pädophilen Urner zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis – und reduziert somit die Strafe der Vorinstanz

Der Mann hatte sich an Kindern vergriffen, auch an seinen Geschwistern. Nun muss er für 45 Monate hinter Gitter.

Lucien Rahm
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Viereinhalb Jahre lang hätte der Urner ins Gefängnis müssen, hätte er das Urteil des Landgerichts für seine Sexualstraftaten an Kindern akzeptiert. Doch der Mann in den Zwanzigern wehrte sich dagegen und legte Berufung ein. Nun hat das Urner Obergericht den Fall beurteilt. Es reduziert die Strafe der Vorinstanz um einige Monate. Statt viereinhalb Jahre muss der Urner nun unbedingt drei Jahre und neun Monate hinter Gitter, wovon er einen Monat bereits in Untersuchungshaft abgesessen hat.

Ausserdem spricht das Obergericht eine bedingte Geldstrafe von 3000 Franken aus, bei einer Probezeit von fünf Jahren. Doch auch heute schon tatsächlich anfallende Kosten hat der junge Mann nun zu tragen. Die Oberrichter heissen nämlich die Genugtuungsforderungen mehrerer Opfer gut. Insgesamt muss der Täter an vier Personen 20'000 Franken bezahlen. Ausserdem muss er an die Kosten für die beiden Gerichtsverfahren rund 27'500 Franken beisteuern, 2000 Franken muss er für den Privatkläger-Anwalt hinblättern. Seinen eigenen Anwalt bezahlt jedoch die Urner Staatskasse im Sinne einer armenrechtlichen Parteientschädigung mit 7000 Franken.

Kein Freispruch vom Vorwurf der Schändung

Seine Therapie wird der Verurteilte weiterführen müssen: Sie wird durch das Obergericht nochmals angeordnet. Mehrere seiner Opfer darf er zudem fünf Jahre lang nicht mehr kontaktieren. Auch generell darf er sich nicht mehr mit Kindern unter 16 Jahren unterhalten, auch nicht via Drittpersonen.

Bestraft wird der Mann damit für mehrfache Straftaten in den Bereichen sexuelle Nötigung, sexuelle Handlungen mit Kindern, Schändung, Nötigung, Pornografie sowie sexuelle Belästigung. Auch an seinen Geschwistern hatte sich der Mann vergriffen. Vom Vorwurf der Schändung wollte der Verteidiger seinen Mandanten freigesprochen sehen, wie er an der Verhandlung forderte. Seine Argumentation: Das dreieinhalbjährige Kind, welches der Beschuldigte am Penis berührt haben soll, habe sich grundsätzlich zur Wehr setzen können und sei auch urteilsfähig gewesen. Der Tatbestand der Schändung sei somit nicht erfüllt. Die Oberrichter sahen dies offenbar anders.

Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht, da es noch nicht mit der ausführlichen Begründung der Richter versehen ist. Die begründete Version soll im Dezember vorliegen. Dagegen können sich die Parteien dann allenfalls beschweren.