Fünf Jahre nach Baustopp: Urner Obergericht will auch keine Kapelle

Die Kleinstkapelle im Tobel-Cheer steht auch fast fünf Jahre nach dem verfügten sofortigen Baustopp noch immer. Doch nun scheinen die Tage des «unfertigen ‹Chiläli›» im Erstfeldertal gezählt.

Bruno Arnold
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Ob die «halb» fertige Kleinstkapelle im Tobel-Cheer im Erstfeldertal definitiv abgerissen wird, steht auch nach dem Entscheid des Urner Obergerichts noch nicht endgültig fest. (Bild: Urs Hanhart, Erstfeld, 20. Dezember 2016)

Ob die «halb» fertige Kleinstkapelle im Tobel-Cheer im Erstfeldertal definitiv abgerissen wird, steht auch nach dem Entscheid des Urner Obergerichts noch nicht endgültig fest. (Bild: Urs Hanhart, Erstfeld, 20. Dezember 2016)

2014 hat der Erstfelder Unternehmer Paul Furrer im Tobel-Cheer im Erstfeldertal mit dem Bau einer Kleinstkapelle begonnen. 2,95 Meter breit, 2,95 Meter lang und mit einer Giebelhöhe von 2,40 Metern, so präsentiert sich der «Ort der Ewigkeit» bis heute. Dass nach wie vor das Dach und ein Türmchen fehlen, kommt nicht von ungefähr: Die Kapelle steht ausserhalb der Bauzone und wurde ohne die dafür benötigte Baubewilligung erstellt. Deshalb verfügte die Baukommission Erstfeld im April 2014 einen sofortigen Baustopp.

In der Folge ging es zwischen Furrers Anwalt sowie den zuständigen kommunalen und kantonalen Amtsstellen hin und her. Es kam zu Sitzungen, Begehungen und Rechtsgutachten, aber auch zu einem nachträglichen Baubewilligungsgesuch und zu Wiedererwägungsgesuchen. Furrer durfte mittlerweile auch auf die Unterstützung der IG Kleinstkapelle Tobel-Cheer zählen. Und sogar der Bischof von Chur setzte sich in einem Brief für den Bau der Kapelle ein.

Nachträgliches Ja wird abgelehnt

Im Juni 2016 verweigerte die Justizdirektion Uri schliesslich die nachträgliche Zustimmung für das Bauvorhaben ausserhalb der Bauzone. Begründet wurde die Ablehnung vor allem mit der fehlenden Standortgebundenheit, mit der Präjudizierung einer Bewilligung für den Bau einer neuen Kapelle ausserhalb der Bauzone und mit dem Standort in der Nähe des Waldes. Im Dezember 2016 wies auch die Baukommission Erstfeld das nachträgliche Baugesuch ab und verfügte den Abbruch der Kapelle respektive die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands.

Für den Rückbau erhielt die IG bis Ende April 2017 Zeit. Sie liess aber nicht locker und wehrte sich mit einer Verwaltungsbeschwerde an die Regierung gegen den Bauabschlag. Ohne Erfolg. Immerhin wurde der Beschwerde im Januar 2018 aufschiebende Wirkung erteilt, sodass der Abbruch vorläufig vertagt war.

Furrer erhob im Februar 2018 namens der IG Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Obergericht des Kantons Uri. Vor wenigen Tagen ist er aber mit seinen Forderungen nach einer raumplanungsrechtlichen Ausnahme- und einer Baubewilligung für die Fertigstellung des «Orts der Ewigkeit» abgeblitzt. «Die Vorinstanz hat die Standortgebundenheit der Kapelle zurecht verneint, und insofern die Voraussetzungen für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung zurecht als nicht erfüllt beurteilt», schreibt die verwaltungsrechtliche Abteilung des Obergerichts des Kantons Uri in ihrem Entscheid vom 23. November 2018. Die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands sei «rechtens erfolgt», unterstützen die Richter auch die Abbruchverfügung. Wenn illegal errichtete Bauten nicht beseitigt, sondern auf unabsehbare Zeit geduldet würden, so werde «rechtswidriges Verhalten belohnt».

Anwalt soll Chancen vor Bundesgericht ausloten

«Ich finde es traurig, dass in einem christlichen Land, in dem schon die Verfassung mit den Worten ‹Im Namen Gottes des Allmächtigen!› beginnt, einer Minderheit nicht einmal der Bau einer solchen Kapelle erlaubt wird», sagte Paul Furrer auf Anfrage. «Langsam, aber sicher habe ich genug von dieser leidigen Angelegenheit», so der 69-jährige Erstfelder. Ob die 155 Mitglieder zählende IG den Entscheid des Obergerichts Uri ans Bundesgericht weiterziehen werde, stehe zurzeit noch nicht fest, so Furrer. «Wir haben unseren Anwalt beauftragt, die Chancen vor Bundesgericht auszuloten und werden uns erst nach dieser Auslegeordnung definitiv entscheiden.»

Akzeptieren Furrer und die IG den Entscheid des Obergerichts, müssen sie die Kapelle bis Ende April 2019 auf eigene Kosten abbrechen und das Gelände vollständig rekultivieren. Ausserdem haben sie in diesem Fall die amtlichen Kosten von total 3455 Franken (Spruchgebühr von 3000 Franken sowie Schreibgebühr und Barauslagen von 455 Franken) zu übernehmen.