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«Odysseerose» geht am Dienstag wohl zu Ende

Die Seerose müsste längst aus Flüelen verschwinden. In Beckenried kann der geplante Teilrückbau wohl kaum erfolgen. Jetzt ist die Besitzerin wieder in Flüelen vorstellig geworden.
Bruno Arnold
Die Seerose in Flüelen muss wohl verschrottet werden. (Bild urs Hanhart, Flüelen, 24. Oktober 2017)

Die Seerose in Flüelen muss wohl verschrottet werden. (Bild urs Hanhart, Flüelen, 24. Oktober 2017)

Eigentlich müsste die Seerose aus dem Flüeler Seebecken entfernt sein. Fakt ist aber: Sie rostet dort noch immer vor sich hin. Doch heute könnte für den Stahlkoloss definitiv das letzte Stündchen schlagen. Die Gemeinde Flüelen will gemäss Gemeindepräsident Simon Arnold keine weitere Fristverlängerung mehr zulassen und ein neuerliches Gesuch der Besitzerin um eine Verlängerung der Standplatzbewilligung ablehnen. «Wir werden den Entscheid der Baukommission zur Entfernung der Seerose stützen», sagt Arnold. Das heisst: Findet die Besitzerin nicht innert Stunden einen neuen Standort, muss der Stahlkoloss verschrottet werden.

Ob dies in Flüelen geschehen kann und unter welchen Auflagen, das muss die Regierung als Grundeigentümerin entscheiden. Justizdirektorin Heidi Z’graggen will dem Entscheid der Gemeinde Flüelen nicht vorgreifen. Es könnte aber durchaus sein, dass die Regierung – nach Rücksprache mit der Gemeinde – bereits an ihrer Sitzung von heute Dienstag einen entsprechenden Entscheid fällt.

Schon bald drei Jahre in Flüelen vor Anker

Die auch schon als «Odysseerose» bezeichnete Geschichte scheint fast schon unendlich. Zu den Fakten: Das Schiff der besonderen Bauart mit Kennzeichen LU 906 – so die offizielle Bezeichnung der schwimmenden Plattform – gehört der Gemeinnützigen Stiftung Musikpädagogisches Forschungszentrum Vitznau der Wiener Sängerknaben (kurz: MPF-Stiftung). Sie wird vom österreichischen Investor und Musikliebhaber Peter Pühringer finanziert, der schon in den gut 3 Millionen Franken teuren Bau der Seerose einen namhaften Betrag investiert hat. Ihm gehört auch das Parkhotel in Vitznau. Die 460 Tonnen schwere Seerose liegt seit Herbst 2015 im Seebecken beim Areal der Firma Arnold & Co. AG («Kompanyy») vor Anker.

Besitzerin verzichtet auf Beschwerde

Am 20. März hat die Regierung nach einem langen Hin und Her entschieden, dass der Stahlkoloss aus dem Urnersee entfernt werden muss. Gegen diesen Entscheid hätte die Besitzerin eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Urner Obergericht einreichen können. Dies hat sie aber nicht getan. Mittlerweile ist die gesetzte Frist abgelaufen.

Die neusten Pläne der MPF zielten darauf ab, die Plattform umzubauen respektive auf dem Ponton und dem Kern des Schiffes eine neue Hülle und eine Überdachung zu montieren. Weil die Bewilligung für den Verbleib in Flüelen abgelaufen ist, hat die Stiftung deshalb Mitte Mai beim Kanton Nidwalden ein Gesuch eingereicht, um die Plattform bei der Firma Wabag Kies AG in Beckenried umbauen zu können. Dieser Teilabbruch würde nach Meinung der MPF rund 2 bis 3 Monate in Anspruch nehmen. Während dieser Zeit möchte man die definitiven Pläne und Bewilligungen für den späteren Betrieb der Seerose ausarbeiten respektive einholen. Kann der Weiterbetrieb nach drei Monaten nicht gesichert werden, soll der rund 100000 Franken teure Rückbau fortgesetzt respektive die Seerose entsorgt werden.

In Flüelen darf die Seerose nicht mehr bleiben. Die Signale aus Nidwalden tönen ebenfalls nicht verheissungsvoll. Es dürfte auch in Beckenried keine temporäre Standplatzbewilligung für den Teilabbruch geben. Bei der Firma Shiptec AG, in deren Werft in Luzern die Seerose gebaut worden ist, gibt es so kurzfristig ebenfalls keinen Platz für die Abbrucharbeiten. Um die Verschrottung doch noch abzuwenden, ist die MPF deshalb wieder an die Gemeinde Flüelen und an die Urner Regierung gelangt. Gemeindepräsident Simon Arnold bestätigte auf Anfrage, dass ein Gesuch der MPF um eine Verlängerung der temporären Standplatzbewilligung bis spätestens Ende Jahr eingegangen ist. «Sollte es keine andere Möglichkeit geben, möchte die MPF die Abbrucharbeiten am jetzigen Standort unter der Leitung der Firma Arnold & Co. AG vornehmen», so Arnold, seines Zeichens auch Geschäftsleitungsmitglied des Flüeler Unternehmens. Die MPF argumentiere, dass die Seerose zu gross und zu schwer sei, um sie ohne teilweisen Rückbau aus dem Wasser zu nehmen und auf dem Landweg abzutransportieren. «Die Eigentümerin möchte aber die Chance der Bewilligung für den Umbau bei der Wabag AG in Beckenried nicht vorzeitig vergeben», sagte Arnold weiter.

Bankgarantie in Aussicht gestellt

Die Besitzerin würde sich gemäss Gesuch verpflichten, das Schiff bis am 1. September aus dem Hoheitsgebiet des Kantons Uri zu entfernen oder dann mit dem Rückbau zu beginnen und diesen bis am 31. Dezember zu vollenden. Die Bewilligung für die Rückbauarbeiten soll deshalb bis am 31. Dezember 2018 dauern. So lange sollen Kanton und Gemeinde auch mit einer Vollstreckungsmassnahme oder mit einer Ersatzvornahme zu Lasten der Besitzerin zuwarten. Die MPF sei sogar bereit, für eine allfällige Ersatzvornahme eine Sicherheitsleistung in Form einer Bankgarantie auszustellen. Deren Höhe und der Begünstigte könnten von der Gemeinde oder vom Kanton festgelegt werden. Doch darauf wollen Gemeinde und Regierung nicht eingehen: Ihre Geduld für die «Odysseerose» scheint am Ende zu sein.

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