Kanton Uri
Neuer Hundepass der SBB stösst auf Kritik – obwohl er viel günstiger ist als ein Hunde-GA

Die Abschaffung des Hunde-GA und die Einführung des neuen Hundepasses der SBB sorgt bei vielen Hundebesitzern für Ärger. Nun äussert sich auch die Präsidentin des Kynologischen Vereins Uri zu den Änderungen.

Manuel Kaufmann
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Statt 800 Franken für ein Hunde-GA müssen Hundebesitzer neu nur noch 350 Franken für einen Hundepass bezahlen. Für die einen Hundebesitzer ist dies eine klare Vergünstigung, für andere könnte es trotzdem teurer werden. Denn: Der Hundepass ist nicht mehr von einer Person zur nächsten übertragbar. Neu brauchen die Hundebesitzer nicht nur pro Hund, sondern pro Person, die den Hund im öffentlichen Verkehr mitführen will, einen eigenen Hundepass. Somit müssen beispielsweise Paare, die sich die Betreuung eines Hundes teilen, gleich zwei Hundepässe erwerben. Familien dürften es sich aus finanziellen Gründen zweimal überlegen, zusätzlich für jedes Kind einen Hundepass zu kaufen, müsste eine vierköpfige Familie mit zwei Hunden doch insgesamt 2800 Franken pro Jahr hinblättern.

Auch Tageskarte ist billiger

Swiss-Pass-Sprecher Thomas Ammann sagt gegenüber dem Schweizer Fernsehen SRF, man sei «den Hundehaltern mit dieser massiven Vergünstigung sehr entgegengekommen». Es gibt auch nach wie vor die Hundetageskarte, deren Preis von 35 auf 25 Franken reduziert wurde. Wer also weniger als 14-mal im Jahr mit seinem Hund den ÖV benutzt, kann sich den Hundepass sparen und bei den Tageskarten bleiben.

Esther Gamma, Präsidentin des Kynologischen Vereins Uri (KVU), sieht hingegen die Familien klar benachteiligt. Sie findet es wichtig, dass sich insbesondere auch Kinder um einen Hund kümmern. «Sie bewegen sich mehr draussen, statt vor dem Bildschirm zu sitzen», sagt Gamma. Sie selber habe Kinder, die mit den Familienhunden aufgewachsen seien. «Ein Hund kann auch therapeutische Funktionen im Familienbund wahrnehmen», so Gamma. «Und die Kinder können schon früh Verantwortung für Tiere übernehmen.»

Warum ohne Rat der Profis?

Diese Überlegungen seien in der Planung zu wenig beachtet worden, findet die Präsidentin des KVU. «Wenn Familien jetzt noch mehr Kosten für eine gemeinsame Fahrt mit dem ÖV bezahlen müssen, dürfen sich die SBB nicht wundern, wenn noch mehr Kunden abspringen», sagt sie. Es sei unverständlich, dass bei der Entscheidung keine Hunde-Experten beigezogen worden seien. «Warum informiert man sich denn nicht bei den Profis?», fragt sie. Man hätte sich mit der Eidgenössischen Kynologischen Gesellschaft, mit Hundevereinen oder ganz einfach mit Hundehaltern absprechen sollen, findet Esther Gamma.