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Kommentar

Ökonomisch richtig, politisch legitim, aber ...

Florian Arnold, stellvertretender Redaktionsleiter, zur UKB-Strategie.
Florian Arnold, Urner Zeitung, stv. Redaktionsleiter

Florian Arnold, Urner Zeitung, stv. Redaktionsleiter

Die Fakten sprechen Bände: In zehn Jahren haben die Schalterbesuche bei der UKB um 60 Prozent abgenommen. Dass E-Banking bequemer ist, als für jedes Geschäft die Filiale aufzusuchen, haben die meisten Bankkunden bemerkt. Die logische Folge: Der Bankschalter hat langsam aber sicher ausgedient.

Die UKB-Leitung hat die Rechnung längst gemacht und kommt zum Schluss, dass die heutige Ausrichtung der Bank nicht mehr wirtschaftlich ist. Als Folge davon sollen Filialen geschlossen und Personal abberufen oder teilweise abgebaut werden. Diese wirtschaftlichen Überlegungen kann der Leitung niemand übel nehmen. Vielmehr ist es deren Pflicht, diese anzustellen und die logischen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Was den Zeitpunkt und die Kommunikation der Massnahmen angeht, vermisst man allerdings Fingerspitzengefühl. Erst vor kurzem hat die Bank beschlossen, 30 Millionen in ein neues Gebäude im Bahnhof zu stecken. Zudem kostet die Umsetzung der neuen Strategie mehrere Millionen. Im gleichen Atemzug Spardruck vorzuschieben, wirkt zynisch. Eine Bank, die über 16 Millionen Gewinn schreibt, hätte sich einen Abbau auf Raten leisten können. Anderseits ist die UKB-Leitung transparent – was sie wiederum gegenüber dem Regierungsrat nicht war. Dass auf die Konsultation, wie sie in der Eigentümerstrategie vorgeschrieben ist, verzichtet wurde, beanstandet die Regierung zu Recht.

Dass die neue Strategie in Uri Wellen werfen würde, war absehbar. Die Fragen seien erlaubt: Fehlt dem Bankrat der viel zitierte Kontakt zur Bevölkerung? Oder welches Mitglied identifiziert sich schon mit dem «einfachen Volk»? Reicht es aus, scheinbar ausschliesslich ökonomisches Fachwissen für den Rat vorauszusetzen?

Eine rentable Bank hilft jedem Urner. So erhält der Kanton ab diesem Jahr 200000 Franken mehr von der UKB als bis anhin. Vor dem Hintergrund des Föderalismus, der in Uri gelebt wird, birgt die UKB-Strategie allerdings Gefahren. Für die betroffenen Gemeinden ist der angekündigte Wegzug eine Ohrfeige. Lokale Kunden, die sich bewusst für die Bank in ihrem Dorf entschieden haben – nicht zuletzt zur Erhaltung des Dorflebens – werden vor den Kopf gestossen. Die Auflösung der Filialen dürfte nicht unbedingt dazu beitragen, dass es den Gemeinden besser geht. Und sollte eine Gemeinde pleite gehen, wird das ebenfalls den ganzen Kanton treffen. Trotzdem darf man sich fragen: Wie viel kann eine schlecht frequentierte Bank zum Erhalt eines Dorflebens beitragen? Sind diese nicht einfach Überbleibsel vergangener Zeiten?

Für die Politik ist der rigorose Kurs der Urner Kantonalbank ein gefundenes Fressen. Zwei politische Vorstösse wurden von der Regierung behandelt, ein weiterer liegt zur Einreichung bereit. Den entsprechenden Politikern ist hoch anzurechnen, dass sie ihren Zuständigkeitsbereich erkannt haben und den Finger auf unangenehme Stellen legen. Ein Jahr vor den Wahlen nimmt man ihnen allerdings nicht ab, dass dies «nichts mit Wahlkampf zu tun» haben soll.

Etwas aus dem Fokus geraten in der ganzen Diskussion sind die Kunden. Für sie soll es durch die neue Strategie noch mehr Möglichkeiten geben, ihre Bankgeschäfte vom Sofa aus zu erledigen – nicht zuletzt durch Hausbesuche von Bankberatern. Wer dann allerdings auf einen Bankbesuch angewiesen ist, muss den Weg nach Altdorf gehen. Unter dem Strich also dürfte sich der Aufwand im selben Mass bewegen, wie bis anhin.

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