Olympiasiegerin Spirig gewinnt in Uri

Publikumsliebling Sara Baumann ist enttäuscht über Rang 11. Dafür durfte sich Duathlet Remo Betschart über Rang 5 freuen.

Paul Gwerder
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Der Sieger bei den Herren, Adrian Haller, auf der Radrennstrecke. (Bild: Paul Gwerder, 4. August 2019)
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Der Urner Remo Betschart sorgt mit seinem 5. Platz für das beste Resultat bei den Duathleten. (Bild: Paul Gwerder, 4. August 2019)
Nicola Spirig war bei den Frauen einsame Spitze und nur zwei Männer lagen vor ihr. (Bild: Paul Gwerder, 4. August 2019)
Nicola Spirig war auf der Schwimmstrecke 40 Sekunden schneller als der Sieger bei den Herren. (Bild: Paul Gwerder, 4. August 2019)
Die Urnerin Sara Baumann zeigte auf dem Rennrad eine eindrückliche Leistung. (Bild: Paul Gwerder, 4. August 2019)
Adrian Haller freut sich beim Zieleinlauf über den Sieg am urner Triathlon. (Bild: Paul Gwerder, 4. August 2019)
Nicola Spirig war bei den Frauen einsame Spitze und nur zwei Männer lagen vor ihr. (Bild: Paul Gwerder, 4. August 2019)
Start des Olympic Triathlon im 20 Grad warmen Urnersee. (Bild: Paul Gwerder, 4. August 2019)
Die Urnerin Sara Baumann zeigte auf dem Rennrad eine eindrückliche Leistung. (Bild: Paul Gwerder, 4. August 2019)
Der Urner Remo Betschart sorgt mit seinem 5. Platz für das beste Resultat bei den Duathleten. (Bild: Paul Gwerder, 4. August 2019)
Start des Olympic Triathlon im 20 Grad warmen Urnersee. (Bild: Paul Gwerder, 4. August 2019)

Der Sieger bei den Herren, Adrian Haller, auf der Radrennstrecke. (Bild: Paul Gwerder, 4. August 2019)

Bei der siebten Austragung des Uri Triathlon am Sonntag, 4. August, in Seedorf waren rekordverdächtige 600 Athleten am Start. Für das 14-köpfige OK war es eine riesige Herausforderung, sämtliche Kategorien nebenein­ander im Griff zu haben. Dazu zählten der Duathlon, der Schüler-Triathlon, der Triathlon über die olympische Distanz, der Teamtriathlon, der Short Triathlon und die Youth League.

Und dies nota bene ohne anwesende OK-Präsidentin: Jolanda Annen, das Urner Triathlon-Aushängeschild, hatte sich persönliche Prioritäten setzen müssen. Sie hält sich momentan in einem Trainingscamp in Tokio auf. Dort finden im nächsten Jahr die Olympischen Sommerspiele statt, wo sich die Urnerin ein Olympisches Diplom zum Ziel gesetzt hat. Trotzdem war es für Annen eine Herzensangelegenheit, den Triathlonsport im Kanton Uri weiterzuentwickeln und den Athleten ein unvergessliches Erlebnis zu bieten.

Und das schaffte der Uri Triathlon 2019. Dazu beigetragen hat auch das hochsommerliche Wetter bei Temperaturen gegen die 30 Grad. Über 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer kamen ins Start- und Zielgelände beim See­restaurant Seedorf, und machten mächtig Stimmung.

Adrian Haller benötigt für die Strecke 1 Stunde und 47 Minuten

Um 11.35 Uhr nahmen die Triathletinnen und Triathleten im hüfthohen Wasser die 1500 Meter lange Schwimmstrecke (olympische Distanz) auf einem Dreieckskurs im Urnersee bei angenehmen Wassertemperaturen um die 20 Grad in Angriff. Als schnellster Schwimmer stieg Adrian Haller aus dem Wasser und nahm in rund 300 Metern Entfernung die Velorunden in Angriff. Es galt, drei flache Runden à 12,3 Kilometer zwischen Seedorf und Bauen zurückzulegen. Abschliessend ging es auf die 10 Kilometer lange Laufstrecke, die in vier Schlussrunden aufgeteilt war und durchs Reussdelta führte. Dabei kamen die Läuferinnen und Läufer immer wieder am Seerestaurant vorbei, wo ihnen der Jubel der Zuschauer sicher war. Nach 1 Stunde 47 Minuten und 12 Sekunden kam Adrian Haller aus Thun als Schnellster vor Gabriel Perez ins Ziel.

Favoritin muss sich nur von zwei Männern geschlagen geben

Bei den Damen war Nicola Spirig, die Olympiasiegerin aus dem Jahr 2012, eine Klasse für sich. Nur knapp vier Monate nach der Geburt ihres dritten Kindes Alexis gewann sie in überlegener Manier das Rennen. Nur den beiden Männern Haller und Perez musste sie den Vortritt lassen. Auf den Sieger verlor sie gerade mal zweieinhalb Minuten. «Es war ein tolles Rennen, das mir sehr viel Spass gemacht hat», sagte Spirig beim Siegerinterview. Der Start im Wasser und die anschliessende Radstrecke seien ganz nach Wunsch verlaufen, verriet sie. «Erst auf der zweiten Hälfte der letzten 5 Kilometer musste ich beissen, denn ich bekam langsam schwere Beine.» Nach dem Rennen ging es für Spirig gleich wieder ab nach St.Moritz ins Trainingslager, wo auch ihre drei Kinder auf ihre sportliche Mutter warteten.

Dem Publikumsliebling macht die Laufstrecke zu schaffen

Die Schattdorferin Sara Baumann war am Rennen der Publikumsliebling schlechthin. Auf der Velo- und der Laufstrecke wurde sie frenetisch angefeuert. Der Druck lastete schwer auf der Urnerin, denn sie wurde im Vorfeld zum erweiterten Favoritenkreis gezählt. Vorerst schien im Rennen alles aufzugehen. Sie kam schon als zweitschnellste Frau aus dem Wasser und verlor auf Spirig nur etwas mehr als eine Minute. Und es kam noch besser. Auf der ersten Runde der Radstrecke fuhr sie sogar noch ein paar Sekunden schneller als die frühere Olympiasiegerin und sie ging als zweitschnellste Dame auf die 10 Kilometer lange Schlussstrecke. Erst auf den letzten Kilometern wurden ihre Beine immer schwerer und bald einmal holten Baumann einige Läuferinnen ein und zogen an ihr vorbei. Mit letzter Kraft kam sie als enttäuschende elfte Frau ins Ziel. Dort musste sie sich zuerst einmal im Schatten von der schmerzlichen Niederlage erholen.

«Ich hatte mir für dieses Rennen sehr viel vorgenommen und auf einen Spitzenrang gehofft», sagte sie nach der ersten Erholungsphase. «Leider machten meine Beine nicht mit und kurz vor dem Ziel kam der endgültige Hammer. Ich wäre gegenüber den Fans gerne besser gewesen, aber leider kam es anders.» Doch die sympathische Urnerin muss sich nichts vorwerfen, hatte sie doch alles versucht. Für Baumann ist nach wie vor klar: Im sportbegeisterten Kanton Uri gibt es immer noch die grössten Fans. «Die Stimmung am Urner Triathlon ist einfach einmalig, das gibt es sonst nirgendwo in der ganzen Schweiz.»

Vor den Triathleten starteten um 9.35 Uhr die Duathleten zu ihrem Wettkampf. Zuerst galt es, eine Sprintdistanz über 5 Kilometer zu laufen, dann ging es auf die 20 Kilometer lange Velo­rennstrecke Richtung Isleten und zurück. Abschliessend mussten die Sportlerinnen und Sportler nochmals zwei Runden über 5 Kilometer durch das Naturschutzgebiet im Reussdelta laufen.

Als erster Duathlet traf nach der Zeit von 1 Stunde und 52 Sekunden einer der Favoriten im Ziel ein: Jens-Michael Gossauer aus Greifensee. Er hatte einen beachtlichen Vorsprung von 2:04 Minuten auf Rolf Wermelinger und eine weitere Minute auf den Top-Favoriten Fabian Zehnder herausgeholt.

Urner schafft auch mit einem gewöhnlichen Velo Spitzenplatz

Für die grosse Überraschung sorgte der 32-jährige Urner Berglaufspezialist Remo Betschart. Bei seinem ersten Start an einem Duathlon kam er auf den hervorragenden 5. Platz. Auf die Bestzeit verlor er nur gerade 5 Minuten und 40 Sekunden. «Ich bin zufrieden mit meinem Rennen und es hat sich ausgezahlt, dass ich in letzter Zeit viel auf dem Rennvelo trainiert habe», so Betscharts Fazit.

Die Leistung von Remo Betschart auf dem Rad ist besonders hoch einzustufen. Denn dieser hatte sich mit einem «gewöhnlichen» Rennvelo zufrieden gegeben, im Gegensatz zu sämtlichen Spitzenfahrern, die sich alle für das Rennen in Uri auf ein spezielles Triathlon-Velo gesetzt hatten.