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Auch in Uri wird den Opfern gedacht

Für Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen wird in Erstfeld eine Gedenkstätte errichtet.
In Erstfeld soll eine Gedenkstätte an die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen erinnern. Sie wird am 6. November eingeweiht. (Zeichnung: PD)

In Erstfeld soll eine Gedenkstätte an die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen erinnern. Sie wird am 6. November eingeweiht. (Zeichnung: PD)

(pz) Seit einigen Jahren werden die Schattenseiten der Geschichte des schweizerischen Sozialstaats verstärkt aufgearbeitet. Denn oft war und ist Hilfe von Repression und Kriminalisierung flankiert. Die Forschung spricht von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen. 2014 beauftragte der Bund eine unabhängige Expertenkommission mit der Erforschung der administrativen Versorgung. 2017 trat das Bundesgesetz über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 in Kraft.

Das Gesetz sieht vor, dass Betroffene einen Solidaritätsbeitrag erhalten, dass die Thematik wissenschaftlich aufgearbeitet wird, und dass Zeichen der Erinnerung geschaffen werden. Seither ist einiges getan worden, um dieses dunkle Kapitel der Schweizer Geschichte zu erforschen.

Forschungsarbeit ist Zeichen der Anerkennung

Über die Praxis fürsorgerischer Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen im Raum Uri herrscht jedoch weitgehende Unklarheit. Im Zuge der Solidaritätszahlungen des Bunds behandelte das Staatsarchiv Uri 25 Gesuche von Betroffenen, schreibt die Urner Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektion in einer Mitteilung. Aufgrund des Vergleichs mit anderen Kantonen und dem historischen Wissensstand muss jedoch von einer wesentlich höheren Zahl von Betroffenen ausgegangen werden. Der Historische Verein Uri hat deshalb vom Regierungsrat den Auftrag erhalten, aufgrund historischer Quellen im Staatsarchiv und in den Gemeindearchiven eine Studie zu erarbeiten, die Dimension und Formen von Zwangsmassnahmen in Uri umfassend darstellt (siehe auch unsere Ausgabe vom 24. Oktober 2019). «Eine solche Arbeit schafft gesellschaftliches Bewusstsein und setzt ein wichtiges Zeichen der Anerkennung an die Betroffenen und deren Nachkommen», heisst es in der Mitteilung weiter.

Um diese Anerkennung öffentlich auszusprechen, wird der Urner Regierungsrat einen Gedenkanlass für die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen durchführen und eine bleibende Gedenkstätte einrichten. Der Gedenkanlass findet am Mittwoch, 6. November, im Anschluss an die Urner Sozialkonferenz in Erstfeld statt. Die Historikerin Tanja Rietmann wird die Hintergründe und die Praxis von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen in der Schweiz ausleuchten. Im Anschluss berichten Evelyne Marciante und Claudia Jauch von der Opferhilfestelle Uri/Schwyz über die Erfahrungen in der Beratung von Betroffenen. Regierungsrätin Barbara Bär wird im Namen des Regierungsrats eine offizielle Entschuldigung aussprechen und die Gedenkstätte an der Reuss einweihen.

Der Anlass findet am Mittwoch, 6. November, 17 bis 18.15 Uhr, im Pfarreizentrum St.Josef in Erstfeld statt. Im Anschluss gibt es einen Apéro.

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