Orchester lockt mit Uraufführung

Am Konzert des Orchesters Erstfeld gibt es eine besondere Premiere zu erleben. Urs Wüthrich hat einen Zyklus über die Reuss geschrieben, der – mindestens vorerst – nur einmal zu hören sein wird.

Markus Zwyssig
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Der Bürgler Musiker und Biologe Urs Wüthrich stellt beim Konzert des Orchesters Erstfeld seine Eigenkomposition, einen Zyklus über die Reuss, vor. (Bild: Markus Zwyssig, Bürglen, 30. Oktober 2018)

Der Bürgler Musiker und Biologe Urs Wüthrich stellt beim Konzert des Orchesters Erstfeld seine Eigenkomposition, einen Zyklus über die Reuss, vor. (Bild: Markus Zwyssig, Bürglen, 30. Oktober 2018)

«Wasser ist enorm zentral», sagt Urs Wüthrich. Der Bürgler Musiker und Biologe ist sehr am Thema interessiert. Beim Konzert des Orchesters Erstfeld am Sonntag, 11. November, dreht sich denn auch fast alles um das Wasser. «Alles fliesst» heisst das Programm. In den Kompositionen werden Flüsse wie die Moldau, der Rhein, die Sambre und die Maas musikalisch beschrieben. Gespielt wird die «Wassermusik» von Händel, «An der Moldau» von Johann Strauss Sohn, die «Loreley-Paraphrase» von Josef Nesvadba, «Sambre et Meuse» von Robert Plaquette sowie das Spiritual «Deep River».

Höhepunkt vor der Pause ist die «Mississippi-Rhapsody» von Alfred Zwyer, dem Gründer des Orchesters Erstfeld. Markus Wüthrich wirkt dabei als Pianist.

Der lange Weg von der Quelle bis zum Meer

Nach der Pause ist «Aqua Rusila» (Reusswasser), das Werk des Orchesterleiters Urs Wüthrich in einer Uraufführung zu hören. In Bild und Ton zeigt der Dirigent den Kreislauf des Wassers auf: Es beginnt mit dicken Wolken und Regentropfen. Beschrieben wird der lange Weg des Wassers von der Quelle der Reuss bis ins Meer. Schliesslich endet der Zyklus in zwölf Sätzen mit Bildern von Regenbögen über dem Meer.

Der Komponist, Biologe und Naturfotograf nimmt auch Bezug zur Sagenwelt und zur Kultur. Beschrieben werden Landschaft und Brauchtum entlang des Wasserwegs. Zu hören gibt es einen Tanz mit dem Teufel, einen erotisch und verführerischen Tango des Bläseroktetts. Unterwegs wird aber auch der Katzenmusikmarsch angestimmt.

Im Auftrag von Pro Natura

Mit eingeflossen in den Zyklus ist auch seine persönliche Geschichte. So wohnte Urs Wüthrich in Silenen im Rusli, später in der Wasserschaft in Erstfeld, wo das Hochwasser der Reuss 1987 im Musikzimmer bis zu den Klaviertasten anstieg. Der Biologe wirkte bei der Realisierung des heutigen Reussdeltas aktiv mit und veröffentlichte mehrere Publikationen über dessen Natur. Im Auftrag von Pro Natura erstellte er zudem eine umfassende Dokumentation über das Quellgebiet der Reuss im Urserntal. Der Weg des Wassers wird auch in der Komposition bildhaft aufgezeigt.

Die Zahl der Musikanten wächst von der Quelle bis ins Meer an. Mit der zunehmenden Wassermenge wird auch die Zahl der Instrumente grösser. Über dreissig Musikerinnen und Musiker spielen im Orchester mit. Als Solisten und Gäste sind Flavia Gisler an der Klarinette und Olivia Baumann an der Harfe dabei. Es spielen ein Streichquartett unter der Leitung von Christian Zgraggen und ein Bläseroktett, das von Levi Marek geleitet wird.

Bereits die zweite Komposition

Urs Wüthrich wirkt seit 54 Jahren im Orchester Erstfeld mit, vier Jahre davon als Dirigent. Zudem leitete er 15 Jahre lang als Dirigent die Musikgesellschaft Silenen. Aqua Rusila ist nach dem australischen Musikgemälde «Dreamland Down Under» (2016) bereits die zweite Komposition für das Erstfelder Orchester aus seiner Feder.

Die Musiker im Orchester sind zwischen 16 und 74 Jahre alt. «Wir sind das einzige Orchester mit Streichern im Kanton Uri, bei dem alle mitmachen können, die wollen.» Er sei sehr froh, wenn sich Interessierte melden würden, sagt Wüthrich und er verspricht: «Sie werden gerne aufgenommen.»

Das Konzert des Orchesters Erstfeld findet am Sonntag, 11. November, um 17 Uhr im Kasino Erstfeld statt. Es wird eine Türkollekte aufgenommen.