Organisten bringen in Altdorf die «Königin» zum Klingen

Die Orgelnacht vom Samstag, 17. November, hat einmal mehr für volle Sitzbänke in der Kirche St. Martin gesorgt. Dabei haben die Urner Nachwuchsorganisten bewiesen, dass die Orgel nicht nur Kirchenmusik kennt.

Remo Infanger
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Lea Ziegler Tschalèr (vorne) und Barbara Domedi-Tresch spielen vierhändig und vierfüssig. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 17. November 2018))

Lea Ziegler Tschalèr (vorne) und Barbara Domedi-Tresch spielen vierhändig und vierfüssig. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 17. November 2018))

Sie wird auch als die «Königin der Instrumente» bezeichnet: die Orgel. Dass dieser ehrenvolle Titel nicht von ungefähr kommt, haben am Samstag, 17. November, verschiedene Organisten unter Beweis gestellt. Bereits zum 16. Mal öffnete die Kirche St. Martin in Altdorf ihre Tore zur Orgelnacht, die einmal mehr bis in die hinterste Sitzbank besetzt war. Ausser den flackernden Kerzenlichtern gab es nicht viel zu sehen – dafür kam umso mehr Gehörsinn auf seine Kosten. Von sanftem Pianissimo bis donnerndem Fortissimo glitten die Töne aus den 3517 Pfeifen der prächtigen Kirchenorgel.

Die Orgelnacht ist jeweils in vier Blöcke gegliedert, wie Lea Ziegler Tschalèr erklärt. «Somit versuchen wir, Abwechslung in das Konzert zu bringen.» 2003 hat die Organistin und Musikschullehrerin den Event mit ihrem Mann ins Leben gerufen. Während sich zu Anfangszeiten die Besucherzahl noch in Grenzen hielt, sind es inzwischen über 500 Besucher. «Die Orgelnacht hat mittlerweile einen festen Platz im Altdorfer Kulturleben gefunden», freut sich Ziegler Tschalèr.

«Es ist für jeden etwas dabei»

Dick in der Agenda eingetragen wird der Anlass auch von Marianne Gisler aus Altdorf. «Mit meinem Mann und einem befreundeten Pärchen besuchen wir die Orgelnacht jetzt schon seit einigen Jahren», so Gisler. «Und weil sie jedes Jahr am darauffolgenden Wochenende vom Kilbisonntag stattfindet, kann man sich den Abend schon früh genug freihalten.» Am besten gefalle ihr der Variantenreichtum der Orgelmusik. «Von klassischen Stücken bis zu modernen Liedern ist für jeden etwas dabei», schwärmt Gisler. Dem pflichtet Ziegler Tschalèr bei. «Wir wollen den Zuhörern zeigen, dass man mit der Orgel eben nicht nur Kirchenmusik spielen kann.»

Perkussionist Christoph Gautschi. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 17. November 2018))

Perkussionist Christoph Gautschi. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 17. November 2018))

Den Beweis dafür lieferte etwa David Fischer aus Altdorf. So gab der 24-jährige Politikwissenschaftsstudent die Titelmelodie der Zeichentrickserie «The Simpsons» zum Besten. Er spielte im dritten Konzertblock, der den Urner Jungorganisten gehörte. Neben Emma Dillier, Jasmin Müller, Luca Walker, Leonie Imholz und Céline Walker, die Stücke von Bach und Händel spielten, demonstrierten auch Daniel Vetter, Christian Arnold, Jonas Gisler und Florian Arnold ihre Fuss- und Fingerfertigkeiten an der Orgel. «Der Event bietet den Urner Nachwuchsorganisten eine Plattform für Auftrittsmöglichkeiten», sagt Ziegler Tschalèr. «Mit zehn Jungorganisten spielten heuer so viele wie noch nie.»

Vierhändig und -füssig für Gänsehautmomente gesorgt

Der zweite Konzertteil galt der Sopranistin Eve Kopli Scheiber. Die aus Estland stammende Sängerin brach ein Repertoire an Stücken aus verschiedenen Zeitepochen mit.

Karl Arnold eröffnete das Konzert. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 17. November 2018))

Karl Arnold eröffnete das Konzert. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 17. November 2018))

Der Bürgler Organist und Musikschullehrer Karl Arnold eröffnete die vierstündige Veranstaltung mit Werken von Guilmant und Bach. Auch die bekannte «Peer-Gynt-Suite» von Edvard Grieg, gespielt von Barbara Domedi-Tresch, Ziegler Tschalèr und dem Perkussionisten Christoph Gautschi, sorgte für Gänsehautmomente. Vierhändig und -füssig zeigten die Profimusiker, wie man einer Königin gerecht wird.