Video

«Wenn Sie das Tessin lieben, dann bleiben Sie zuhause» – Polizei kontrolliert an Ostern jedes Fahrzeug vor dem Gotthardtunnel

Über die Ostertage stoppt die Polizei in Göschenen jedes Auto. Wer sich nicht auf einer zwingenden Fahrt befindet, dem wird die Umkehr empfohlen.

Livia Fischer, René Meier
Drucken
Teilen

Kurz vor der Einfahrt in den Gotthardtunnel in Göschenen steht ein Polizist mit Warngilet auf der Fahrbahn. Er stoppt die Autofahrer, nur jene mit einem Tessiner- oder Italien-Kontrollschild lässt er passieren. Auch wer zum Waren- oder Berufsverkehr gehört, darf weiterfahren. Alle anderen müssen beim Kontrollplatz ausfahren. Dort warten bereits eine Handvoll Polizisten, ebenfalls in gelben und orangen Leuchtwesten gekleidet. Sie suchen das Gespräch mit den Autofahrern, reden ihnen ins Gewissen und verteilen Fyler.

Vor dem Gotthardtunnel finden über Ostern täglich Kontrollen statt. Das Ziel: Möglichst wenig Leute sollen ins Tessin reisen.

Vor dem Gotthardtunnel finden über Ostern täglich Kontrollen statt. Das Ziel: Möglichst wenig Leute sollen ins Tessin reisen.

Bild: Urs Flüeler / KEYSTONE
«Es ist nicht der richtige Zeitpunkt für einen Besuch im Tessin. Restaurants, Hotels und Campingplätze sind geschlossen. Bitte bleiben Sie zuhause»

, steht etwa darauf geschrieben. Die kantonalen Behörden empfählen den ausserkantonalen Gästen «dringendst», während den Osterferien und «bis auf Weiteres» sich weder im Tessin aufzuhalten noch durch den Kanton zu fahren oder Freizeit- und Sportaktivitäten auszuüben. Damit wollen die Polizisten die Reisenden während den Ostertagen zum umkehren animieren – ob sie das denn tatsächlich tun, ist den Fahrern überlassen.

Urner Polizei erwartet über Ostern fast 90 Prozent weniger Autos als üblich

Die Kontrollen sind eine Sensibilisierungsaktion der Kantonspolizeien Uri und Tessin. Vor dem San Bernardinotunnel sieht es gleich aus; dort ist die Bündner Polizei im Einsatz. Kontrollen vom Tessin her gibt es keine. An der Medienkonferenz vom Dienstag appelliert Gustav Planzer, Mediensprecher der Kantonspolizei Uri, an die Eigenverantwortung der Bevölkerung. Er hoffe weiterhin auf grosse Solidarität – bis jetzt habe die Verkehrsbelastung im Vergleich zum Vorjahr um fast 90 Prozent abgenommen.

Heisst konkret: In der Woche vor Palmsonntag fuhren letztes Jahr von Mittwoch bis Sonntag 55391 Autos auf der A2 Richtung Süden. Heuer waren es nur noch 6144 Fahrzeuge. Im Jahr 2019 befanden sich während der Osterwoche 62073 Autos auf dem Abschnitt. Demnach erwartet die Kantonspolizei Uri dieses Jahr von Donnerstag bis Montag aufgrund der Corona-Notlage schätzungsweise 6500 Autos.

Empfehlungen richten sich auch an Personen mit Zweitwohnsitz im Tessin

Während den Festtagen heisst das Motto nicht mehr nur «Bleiben Sie zuhause», sondern «Wenn sie das Tessin lieben, bleiben Sie jetzt zuhause». Dies bestätigt auch Marco Guscio von der Tessiner Kantonspolizei. Er spricht gezielt die «Freunde aus der Deutschschweiz und der Romandie» an – nur so könne man dem Tessin helfen. «Wir leben zwar vom Tourismus, aber nicht jetzt», sagt Guscio und ergänzt: «Gerade vor wenigen Minuten hat das Tessin den 200. Toten aufgrund des Coronavirus verzeichnet.»

Die Empfehlungen gelten auch für Personen mit einem Zweitwohnsitz im Tessin. Planzer erklärt:

«Jede weitere Person, die sich im Tessin aufhält, belastet die Infrastruktur zusätzlich. Und die Belastung im Gesundheitswesen ist jetzt schon enorm hoch.»

Eine Strassensperrung oder ein Verbot gibt’s aber nicht, dafür fehlen die gesetzlichen Grundlagen. «Wir haben dies nochmals abgeklärt», sagt Planzer. Der Bund sei davon überzeugt, dass der Appell an die Bevölkerung, auch über die Festtage zuhause zu bleiben, das richtige Vorgehen sei. Der Kantonspolizei sind somit die Hände gebunden.

Jede Person, die nach der Kontrolle umkehrt, «ist ein Gewinn»

Im Anschluss an die Medienkonferenz versichert Planzer nochmals, die Polizei tue ihr Bestes, damit die Situation im Tessin nicht noch weiter verschärft werde. Kontrolliert wird während acht Stunden pro Tag – dann, wann erfahrungsgemäss am meisten Fahrer auf der Strasse sind. Damit sich die Polizisten währenddessen vor Ansteckungen schützen können, sind sie mit Schutzmasken, Handschuhen und Desinfektionsmitteln ausgestattet. «Ob und wann sie diese anwenden, können sie situativ entscheiden. Das Wichtigste ist immer noch der nötige Sicherheitsabstand, der stets einzuhalten ist», so Planzer.

Wie viele Personen die Beamten tatsächlich dazu bewegen können, ihre Entscheidung zu überdenken und umzukehren, könne der Mediensprecher nicht einschätzen. Sicher sei jedoch: «Jede Person, die es sich aufgrund unserer Kontrollen anders überlegt, ist ein Gewinn.»

Zum Nachlesen im Ticker: die wichtigen Punkte aus der Medienkonferenz

  • Die Kantonspolizei Uri wird bei einem Kontrollplatz in Göschenen den Verkehr in Richtung Tessin triagieren. Die Polizei sucht das Gespräch mit den Autofahrern und macht sie auf die starke Betroffenheit des Tessins durch das Coronavirus aufmerksam.
  • Allen, die sich nicht auf einer zwingenden Fahrt ins Tessin befinden, empfiehlt die Polizei die Umkehr. 
  • Nicht betroffen von der Kontrolle ist der Waren- und Berufsverkehr sowie Fahrzeuge mit Tessiner und italienischen Kontrollschildern.
  • Aufruf der Polizeikorps Uri und Tessin: «Bleiben Sie zuhause! Es ist nicht der richtige Zeitpunkt für einen Besuch ins Tessin.»
14:16 Uhr

Warum sperrt die Polizei nicht den Gotthardtunnel? 
Polizeisprecher Planzer: «Nur der Bund kann die Autobahn sperren. Uns als Polizei sind hier die Hände gebunden.»

14:15 Uhr

Autofahrt ins Tessin wird nicht verboten
Thorsten Imhof, Chef der Urner Verkehrspolizei: «Die Polizei will an rund acht Stunden pro Tag das Gespräch mit den Autofahrern suchen. Die Weiterfahrt in Richtung Süden können wir aber den Autofahrern nicht verbieten. Das ist gesetzlich nicht zulässig.»

14:14 Uhr

Thorsten Imhof, Chef der Urner Verkehrspolizei, wiederholt: «Alle Fahrzeuge werden auf den Kontrollplatz geleitet. Ausgenommen sind Autos mit Tessiner Kennzeichen, mit italienischen Kennzeichen sowie der Waren- und Berufsverkehr.»

14:13 Uhr

Kontrollen Richtung Norden
Marco Guscio von der Kantonspolizei Tessin: «Ja, der Polizei ist bekannt, dass Tessiner im Kanton Uri einkaufen, aber so viele sind es nicht. Wir werden im Tessin auch Kontrollen in Richtung Norden machen». Auch der Urner Polizeisprecher Gusti Planzer hat Kenntnis von Tessinern, die im Kanton Uri einkaufen, die Anzahl sei aber überschaubar.   

14:11 Uhr

Massnahmen bis Ostermontag
Thorsten Imhof, Chef der Urner Verkehrspolizei: «Die Massnahmen werden sicher bis Ostermontag aufrechterhalten. Gleichzeitig können vier Autos kontrollieren. Bei Bedarf kann die Polizei noch mehr Polizisten aufbieten.»

14:10 Uhr

So läuft die Kontrolle ab
Thorsten Imhof, Chef der Urner Verkehrspolizei: «Der Verkehr in Richtung Süden wird vor dem Nordportal des Gotthardtunnels bei Göschenen gestoppt und eine Triage durchgeführt. Unterschieden wird zwischen Fahrzeugen für den Warenverkehr, Berufsverkehr sowie Autos mit Tessiner und italienischen Kennzeichen. Der restliche Verkehr wird in Richtung Kontrollplatz geführt.

Bild: Urs Flüeler / Keystone (Göschenen, 7. April 2020)

Dort werden wir die Personen sensibilisieren und weisen daraufhin, dass sich die Reise ins Tessin nicht lohnt. Den Entscheid, ob die Reisenden den Worten folgen oder nicht, wird ihnen selbst überlassen.»

Bild: Urs Flüeler / Keystone (Göschenen, 7. April 2020)
14:08 Uhr

Hptm Marco Guscio, Kantonspolizei Tessin wiederholt den Appell:

«Bleiben Sie zuhause. Kommen Sie nicht ins Tessin. Jetzt nicht»

Guscio richtet seinen Aufruf insbesondere an alle Deutschschweizer Besitzer von Ferienwohnungen im Kanton Tessin. «Sie belasten damit die Infrastruktur und gefährden sowohl sich selbst als auch andere und vor allem das Gesundheitspersonal. Guscio: «Vor wenigen Minuten wurde bekannt: Das Tessin hat 200 Todesopfer als Folge des Coronavirus.»

14:07 Uhr

80 Prozent weniger Verkehr
Thorsten Imhof, Chef der Urner Verkehrspolizei: «Die Polizeikorps Uri und Tessin führen eine Sensibilisierungskampagne durch. Der Verkehr ist auf der Gotthardroute stark eingebrochen. Er beträgt noch rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.»

14:03 Uhr

Ostern steht vor der Türe. Mediensprecher Gusti Planzer: 

«Wenn Sie den Kanton Tessin lieben, dann bleiben Sie jetzt zuhause.»
13:45 Uhr

Es informieren:

  • Thorsten Imhof, Chef Bereitschafts- und Verkehrspolizei der Kantonspolizei Uri
  • Hptm Marco Guscio, Kantonspolizei Tessin
13:40 Uhr

Die Medienkonferenz findet in Göschenen, direkt beim Kontrollplatz auf der Autobahn A2, statt. Informiert wird über die folgenden Punkte: 

  • Aktuelle Situation; insbesondere auf der A2 (mit Zahlen der Vorjahre)
  • Anliegen der Kantonspolizeien Uri und Tessin
  • Geplante Informations- und Kontrollmassnahmen und deren Umsetzung
13:30 Uhr

Herzlich Willkommen zum Liveticker. Thema ist der Osterverkehr 2020 und die Massnahmen am Gotthard infolge des Coronavirus.

Der Kontrollplatz in Göschenen.

Der Kontrollplatz in Göschenen. 

Bild: Urs Flüeler / Keystone (Göschenen, 7. April 2020)
Mehr zum Thema