Pädophiler Urner soll fünf Jahre ins Gefängnis

Er hat sich an sechs Kindern vergriffen – dabei auch an seinen zwei Schwestern. Der Täter zeigt bedingt Reue.

Lucien Rahm
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Regelmässig war er als Lehrling bei der befreundeten, sechsköpfigen Familie zum Mittagessen zu Besuch. Seine Anwesenheit wurde den vier Söhnen aber bald zum Verhängnis. Der zunächst selbst noch minderjährige Gast beging während zweier Jahre mit allen vier Söhnen der Familie sexuelle Handlungen, oder versuchte zumindest, solche an ihnen zu vollziehen.

Für seine Taten stand der mittlerweile 22-jährige Urner am Dienstag vor dem Landgericht. Angeklagt war er gleich mehrfach: für sexuelle Nötigung, Schändung, sexuelle Handlungen mit Kindern, Nötigung, Pornografie sowie sexuelle Belästigung. Viel zu sagen hatte der Beschuldigte dazu allerdings nicht. Auf fast alle Fragen von Gerichtspräsident Philipp Arnold antwortete der Mann: «Dazu möchte ich nichts sagen, ich verweise auf die Protokolle.» In diesen Protokollen der polizeilichen Befragungen habe der Angeklagte die vorgeworfenen Taten weitgehend zugegeben, so Arnold. Vorwiegend ging es dabei um Dutzende Fälle, in denen der Beschuldigte unter anderem jeweils vor einem der Kinder masturbierte oder sie nötigte, sein Geschlechtsteil anzufassen oder in den Mund zu nehmen.

Erste Tat mit 14 oder 15 Jahren begangen

Aufgeflogen seien die Missbräuche, als das jüngste der Kinder einen der Vorfälle gegenüber der Mutter erwähnte. Bei der anschliessenden Einvernahme durch die Polizei gab der Beschuldigte dann auch noch weitere Taten zu – jene an seinen zwei jüngeren Schwestern. Zu diesen kam es bereits vor den Handlungen mit den Kindern der befreundeten Familie. Erstmals übergriffig wurde der Urner demnach, als er 14 oder 15 Jahre alt war.

Nach der Verlesung der 18 Anklagepunkte wollte Richter Arnold vom Beschuldigten wissen, was das bei ihm auslöse, wenn er die Vorwürfe höre. «Dazu möchte ich nichts sagen», lautete dessen Antwort abermals, worauf ihn Arnold einen Moment lang schweigend anschaute. «Bereuen Sie das heute?», fragte Arnold nach. Auch hierzu wollte sich der junge Mann zunächst nicht äussern, entschied sich nach einem kurzen Blick zu seinem Verteidiger Heinz Holzinger dann aber doch noch anders. «Ich bereue die Taten und wollte nie, dass die Kinder so unter mir leiden.» In der Psychotherapie, die er mittlerweile erhält, habe er ein Stück weit lernen können, Opferempathie aufzubringen. Zuvor sei er dazu nicht fähig gewesen. Seine Worte vermochten die stellvertretende Oberstaatsanwältin Isabelle Gisler nicht vollständig zu überzeugen. «Seine Äusserungen haben teils etwas gar auswendig gelernt geklungen.»

Verfahrenskosten von 23'000 Franken

Zwar müsse man ihm sein kooperatives Verhalten zugutehalten sowie auch, dass er sich ans Opferkontakt-Verbot gehalten habe. Dennoch: Weil er das Vertrauen der befreundeten Familie missbraucht und nach «absolut egoistischen Motiven» gehandelt habe, liege doch ein «erhebliches Verschulden» vor, so Gisler. Hierfür forderte sie eine unbedingte Haftstrafe von 58 Monaten, also knapp fünf Jahren. Zudem seien eine Geldstrafe von 3600 Franken sowie eine Busse von 500 Franken angebracht. Auch die Verfahrenskosten von knapp 23'000 Franken seien ihm aufzuerlegen. Hinzu könnten Genugtuungsforderungen der Opfer in Höhe von mehreren Tausend Franken kommen.

Verteidiger Holzinger forderte indessen eine bedingte Haftstrafe von 20 Monaten. Nicht alle Vorwürfe liessen sich einwandfrei beweisen. Seit dem Antritt seiner neuen Arbeitsstelle habe sich der Beschuldigte zudem tadellos verhalten. «Würde jetzt eine Freiheitsstrafe verhängt, würde alles Aufgebaute wieder ins Wanken geraten», so Holzinger. Bereits die einmonatige Untersuchungshaft sei keine angenehme Zeit gewesen.

Darauf wies auch der Beschuldigte in seinem Schlusswort hin, nachdem er bei der ebenfalls anwesenden Mutter seiner vier männlichen Opfer um Entschuldigung bat.