Pandemie
Zahl der Anfragen bei Opferberatungsstelle und Fälle häuslicher Gewalt sind auch in Uri gestiegen

Die Landrätin Jolanda Joos hatte im Januar eine kleine Anfrage an den Regierungsrat gerichtet. Darin wollte sie wissen, ob im Kanton Uri die Fälle häuslicher und sexueller Gewalt gestiegen seien. Nun hat der Regierungsrat geantwortet.

Sophie Küsterling
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Landrätin Jolanda Joos (SP)

Landrätin Jolanda Joos (SP)

Bild: PD

Am 20. Januar hatte die SP-Landrätin Jolanda Joos eine Kleine Anfrage zu häuslicher Gewalt an den Regierungsrat eingereicht. Darin stelle Joos die Fragen, ob der Regierungsrat einen Medienbericht über die Zunahme häuslicher Gewalt zur Kenntnis genommen und zusätzliche Massnahmen eingeleitet habe, wie sich die Anfragen bei der Opferhilfe des Kantons Uri im vergangenen halben Jahr entwickelt hatten, wie viele Fälle häuslicher und sexueller Gewalt der Polizei gemeldet wurden, ob sichergestellt werde, dass alle Personen Zugang zu Informationen über Beratungs- und Hilfsangebote hätten und ob weitere Massnahmen geplant seien. Nun kam die Antwort des Regierungsrates.

Häusliche Gewalt hat zugenommen

Die Zahlen zeigen, dass auch der Kanton Uri einen Anstieg von Fällen häuslicher Gewalt zu verzeichnen hat. Im vergangenen Jahr wurden der Urner Polizei 17 Fälle häuslicher Gewalt mit 52 Tatbeständen gemeldet. 2019 waren es noch sechs Fälle mit 22 Tatbeständen und 2018 zwölf Fälle mit 23 Tatbeständen gewesen. Ein Anstieg sei hauptsächlich bei Delikten erfolgt, für deren Verfolgung ein Strafantrag nötig sei, schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort. Damit sind Tätlichkeiten, einfache Körperverletzungen, Beschimpfungen oder Bedrohungen gemeint.

Bei den Fällen sexueller Gewalt sei ein sprunghafter Anstieg bei den Anzeigen nicht erkennbar, so der Regierungsrat. Im vergangenen Jahr wurden 27 Fälle sexueller Gewalt gemeldet, einen mehr als im Vorjahr. Der Regierungsrat weist in seinem Schreiben daraufhin, dass in einem bevölkerungsarmen Kanton wie Uri die Zahlen generell sprunghaft ansteigen und fallen könnten.

Über 30 Prozent mehr Anfragen bei der Opferberatungsstelle

Die Opferberatungsstelle Uri/Schwyz hatte im vergangenen Jahr viel zu tun. 2020 sei es in Uri zu 34 Fällen gekommen, welche von der Polizei oder Justiz der Opferberatungsstelle gemeldet wurden. Dies bei insgesamt 93 neuen Fallanmeldungen. Die 34 Fälle würden einem Anstieg von mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen, heisst es in der Antwort des Regierungsrates. Der Beratungsaufwand sei dementsprechend höher ausgefallen. Die Opferberatungsstelle hatte deshalb ihre Kapazität kurzzeitig erhöht.

Die Zahl der Anfragen bei der Opferberatungsstelle sei zudem während des vergangenen halben Jahrs auf einem ähnlichen Niveau gewesen wie im ersten Halbjahr 2020.

Der Regierungsrat verweist darauf, dass es sich in den Anfragen an die Opferberatungsstelle um Personen handle, die Opfer gemäss Opferhilfegesetz seien. Darunter fallen Personen, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, sexuellen oder psychischen Integrität beeinträchtigt wurden. Darunter fallen nicht nur Opfer häuslicher Gewalt, sondern auch solche von Vermögens- und Verkehrsdelikten oder anderen Straftaten.

Die ansteigenden Anfragen bezüglich häuslicher Gewalt sei an der Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren thematisiert worden. Auf Bundesebene seien im Sommer zwei nationale Kampagnen gestartet worden. Von kantonaler Seite sind keine weiteren Massnahmen geplant.

Öffentliche Wahrnehmung und niederschwellige Beratung

Auf die Frage, wie sichergestellt werde, dass alle Personen im Kanton Uri Zugang zu den Informationen über die Beratungs- und Hilfsangebote hätten, bietet der Regierungsrat eine nicht abschliessende Kurzübersicht.

Dazu gehört einerseits die Kantonspolizei, welche nach der Tatbestandaufnahme oder nachfolgenden Befragung Opfer und Angehörige über die Inanspruchnahme der Opferhilfe aufklärt. Falls vom Opfer gewünscht, kann die Polizei der Opferhilfe Angaben des Opfers per Formular zustellen. Eine weitere Schlüsselrolle nehme die Opferberatungsstelle Uri/Schwyz ein. Diese sei während Bürozeiten gut erreichbar, ausserhalb der Bürozeiten wird auf die «Dargebotene Hand» verwiesen.

Auch die Fachstelle Kindesschutz nehme eine tragende Rolle ein, indem sie eine niederschwellige psychologische Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Familien sei. Im Januar 2020 trat zudem der Leitfaden Kindesschutz als Ergänzung des verbindlichen kantonalen Konzepts zur Bewältigung von Krisen an Urner Schulen in Kraft.

Auf kantonaler Ebene seien derzeit keine weiteren Massnahmen in Planung, auf nationaler Ebene sei jedoch eine einheitliche Telefonnummer mit 24-stündiger Erreichbarkeit in Abklärung, wobei die Anrufenden automatisch an die zuständige Opferberatungsstelle weitergeleitet würden.