Urner Geschichts-Serie: PC lösen Revolution in der Bürowelt aus

Gegen Ende der 1980er-Jahre erreichte der PC-Boom die Kantonale Verwaltung. 1996 stand an jedem Arbeitsplatz ein Bildschirm mit Tastatur. Als Software stand im Bereich Bürokommunikation das Produkt Office 95 zur Verfügung.

Rolf Gisler-Jauch
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Für die Bürokommunikation in der kantonalen Verwaltung kam das Programm «Tex-Ass Window Plus» der deutschen Firma b+s Multisoft GmbH zum Einsatz. Es benötigte 5 Megabyte Speicherplatz und hatte auf drei Disketten Platz. (Bild: PD)

Für die Bürokommunikation in der kantonalen Verwaltung kam das Programm «Tex-Ass Window Plus» der deutschen Firma b+s Multisoft GmbH zum Einsatz. Es benötigte 5 Megabyte Speicherplatz und hatte auf drei Disketten Platz. (Bild: PD)

1977 wurde in der Kantonalen Verwaltung ein erster Schreibautomat (IBM MC 96) angeschafft. Mit diesem Gerät konnten Texte wie Regierungsratsbeschlüsse auf Magnetkarten geschrieben werden. Auf den Karten befanden sich 50 Spuren, die je einer Textzeile entsprachen. Es konnte gezielt nach einzelnen Wörtern gesucht und diese sowie Textbausteine ersetzt werden.

Bis anhin wurde jedes Schriftgut bis zum Regierungsratsbeschluss mehrmals von Hand in die Maschine getippt. Eine Schriftgutanalyse für das Jahr 1978 zeigte, dass auf der Standeskanzlei insgesamt 1765 Regierungsratsbeschlüsse (2018: 748) mit insgesamt 4424 Seiten geschrieben wurden. Der Einsatz dieses Schreibautomaten (Magnetkarten-Schreibmaschine) bewährte sich bestens und man stellte fest, dass die Arbeit ohne die durchgeführte Rationalisierungsmassnahme mit gleichem Personalbestand nicht hätte bewältigt werden können.

Es ging dann darum, einen weiteren Teil der Verwaltung in diese Umorganisation des Schreibdienstes einzubeziehen. Der Regierungsrat hielt fest: «Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Anschaffung von Schreibautomaten die Probleme der wachsenden Büroarbeit nicht allein zu lösen vermag. Es darf keine Flucht in die Maschine stattfinden.» Mit dem Einsatz von Schreibautomaten sollte die Schreibleistung verbessert, Termindruck vermieden, steigender Arbeitsanfall verkraftet und die Durchlaufzeit verkürzt werden. In der Folge wurden weitere Schreibautomaten angeschafft und das Personal dafür ausgebildet. Im Gegensatz zu den Personalkosten reduzierten sich die Anschaffungskosten der Textautomaten nun ständig.

Studie eruierte Bedürfnis für PC

Das System mit den Bildschirmen setzte sich jedoch durch und Anfang der 1980er-Jahre erschienen die ersten Personal Computer, kurz PC genannt, auf dem Markt. Die Mehrzweckcomputer waren für den individuellen persönlichen Gebrauch im Alltag gedacht. Erst diese Geräte lösten die Computerrevolution aus. So stellte die Firma IBM im August 1981 den ersten IBM-PC 5150 vor. Gegen Ende der 1980er-Jahre erreichte der PC-Boom auch die Kantonale Verwaltung Uri. 1987 wurde vom Amt für Elektronische Datenverarbeitung eine umfassende Evaluation durchgeführt. Die Ergebnisse gaben Aufschluss darüber, wie in den nächsten Jahren der PC-Einsatz sinnvoll zu erfolgen hatte.

Der Informatik-Lenkungsausschuss (ILA) gab eine Projektstudie in Auftrag, welche in der Kantonalen Verwaltung das Bedürfnis nach PC abklären sollte. Die Sollstudie wurde an eine externe Firma vergeben und von Martin Ebner verfasst. Die Studie sah vor, den Einsatz von PCs – über vier Jahre verteilt – schrittweise einzuführen. Es waren für die Jahre 1988 bis 1991 30 Personal Computer vorgesehen. Das Ergebnis des Berichts von Ebner wurde dem ILA im Sitzungszimmer des Gartenhäuschens im Winterberg vorgelegt. Für die Beschaffung der elf Einheiten war der Betrag von 326 500 Franken ins Budget aufzunehmen. Der Vorsitzende, Regierungsrat Carlo Dittli (1938-2014), hörte gespannt zu und kam zum Schluss: «Das isch ja nit megli: 30 Cómputter im chliinä Kanton Uri?! Herr Ebner, das chennet si nit bringä.» Doch, es wurde ge- und vollbracht!

Der Start der Kantonalen Verwaltung ins PC-Zeitalter begann 1988. Es wurden die ersten zwölf PC in Form von Einzelarbeitsplätzen in den diversen Direktionen dem Betrieb übergeben. Dazu gehörte auch das Staatsarchiv. Die Bild-schirme waren gross, schwer und grau; der Hintergrund schwarz mit weisser oder grüner Schrift. In der Bürowelt, jedoch auch für das Budget des Kantons, war dies eine Revolution. Der Ruf nach dem vermehrten PC-Einsatz stieg in den folgenden vier Jahren enorm. Ein PC kostete dabei mehrere tausend Franken. PC und Drucker wurden in der Folge immer leistungsfähiger, jedoch auch billiger. Als Programm kam das «Tex-Ass Window Plus» zum Einsatz. Dies umfasste die Bereiche Textverarbeitung, Tabellenkalkulation sowie die Erstellung von Datenbanken. Die ganzen Programme fanden auf drei Disketten mit insgesamt gut 5 Megabyte Speicher Platz.

1990 wurde der von der ETH ausgezogene, nun ausgebildete Jurist und Geschichtsstudent zu einem 40-Prozent-Pensum im Staatsarchiv angestellt. Besagter hatte sich inzwischen mit der EDV wieder versöhnt und privat sowie als Teilzeitredaktor beim «Urner Wochenblatt» Erfahrungen in der digitalen Bürowelt gesammelt. Der neue Mitarbeiter stellte dann bald einmal fest, dass der vor einem Jahr angelieferte, verlassen im Raum stehende PC äusserst selten eingeschaltet wurde und erkundigte sich nach den Bedingungen zu deren Benützung. Diese Frage schien absolut willkommen und so kam der neue Mitarbeiter auf leichtem und schnellem Wege zu einem tollen Arbeitsgerät. «Tex-Ass Window Plus», das erwähnte Standardprogramm, besass unter anderem eine Adressen-Datenbank mit einem auf 15 Zeichen begrenzten Index-Feld und zwölf Eingabefeldern, welche den Umfang von 58 Zeichen nicht überschreiten durften.

1991 waren in der Verwaltung bereits 107 PC im Einsatz

Die Computer-Technologie begann sich grundlegend zu verändern. Eine wichtige Entwicklungsstufe betraf die Arbeitsoberfläche der Computer. Zusammen mit der höheren Leistungsfähigkeit und dem Siegeszug von Windows gelang der grafischen Oberfläche der Durchbruch bei den Informatik-Anwendungen. Ende 1991 standen in der Verwaltung nicht 30, sondern bereits 107 Personal Computer im Einsatz. Dort wo ein wirtschaftlicher Nutzen und eine entscheidende Optimierung des Informationsaustausches erreicht werden konnte, wurden PC untereinander vernetzt.

Im Staatsarchiv Uri ist einer der Hauptaufgaben das Suchen und Finden. Die Findmittel für die Akten bestanden dazumal in zirka 50 Karteikasten mit insgesamt rund 30000 maschinengeschriebenen Karteikarten. Diese wurden vor allem thematisch gemäss einem zweistufigen Archivplan geordnet und eingereiht. Wer etwas suchte, musste die entsprechenden Karteikarten durchsehen und die Inhaltsangaben «überfliegen». Eine Datenbank konnte mit Schlagworten und einer Volltextsuche die Suche schneller und gezielter machen und damit viel Arbeitszeit einsparen. Die Lösung kam mit dem Microsoft-Programm Access, Version 1.0 – einer relationalen Datenbank – auf den Markt.

1996 stand fast an jedem Arbeitsplatz ein Bildschirm mit Tastatur wie früher eine Schreibmaschine. Als Software stand im Bereich der Bürokommunikation das Produkt Office 95 unter Windows 95 im Einsatz. Damit hatte es sich jedoch noch lange nicht getan. Es kamen immer neue Versionen auf den Markt. Nebst der gleichzeitigen Aufrüstung des Betriebssystems waren insgesamt 465 Arbeitsplätze auf die neue Versionen Windows XP und Office XP umzustellen. Die Kantonale Verwaltung verfügte nun über ein modernes Netzwerk, das 20 Gebäude erschloss und in der Lage war, den Transport von Bild, Ton, Text und Daten innert nützlicher Frist zu gewährleisten.