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Altdorf: «Per Tutti» schreiben Geschichte

Während der Fasnachtszeit ist der Verein «Per Tutti» seit dreissig Jahren jeweils besonders aktiv. Mit ihren Schnitzelbänken sorgen sechs Mitglieder für ein ganz spezielles Spektakel.
Bruno Arnold
Die «Per Tutti»-Schnitzelbänkler am Proben; von links: Urs Stadelmann («Mosi»), Fredi Bossart («Schlezi»), Lukas Imhof («Lük»), Stefan Gerber («Cheesy»), Toni Muheim («Muh») und Bernhard Schuler («Chuäli). (Bild: Bruno Arnold, Altdorf, 23. Februar 2019)

Die «Per Tutti»-Schnitzelbänkler am Proben; von links: Urs Stadelmann («Mosi»), Fredi Bossart («Schlezi»), Lukas Imhof («Lük»), Stefan Gerber («Cheesy»), Toni Muheim («Muh») und Bernhard Schuler («Chuäli). (Bild: Bruno Arnold, Altdorf, 23. Februar 2019)

Samstag, 23. Februar, 19 Uhr: Treffpunkt Probenlokal im ehemaligen Fitnesscenter Impuls in Altdorf. Die «Per Tutti»-Schnitzelbänkler treffen fast im Minutentakt ein, bedienen den Bier-Zapfhahn oder füllen den Plastikbecher mit Mineralwasser. Dann setzen sie sich an die zusammengestossenen Tische. Während Fredi Bossart («Schlezi») seine Gitarre stimmt, gehen seine Kollegen nochmals einzelne Textpassagen der diesjährigen Schnitzelbank durch. Wortlos. Hochkonzentiert. Als Probenbesucher spürt man schnell: Da ist ein eingespieltes Team am Werk.

«Schlezi» greift in die Saiten, spielt ein paar Akkorde. Dann ertönt das Vorspiel zum ersten Lied, die Sänger setzen präzise ein, werden nach und nach vielstimmig. Tonart und Rhythmus passen, die spürbare Begeisterung der sechs Schnitzelbänkler trägt auch akustisch Früchte: Der Gesang wird fast von Sekunde zu Sekunde soundiger, fetziger und grooviger.

«Chuäli» will Dramaturgie aufbauen

Doch in der dritten Strophe holpert es plötzlich leicht. «Betonen wir auf der ersten oder auf der zweiten Silbe?», fragt Bernhard Schuler («Chuäli») – während die andern noch weiter singen. Und Toni Muheim («Muh») will wissen: «Machen wir hier nach dem dritten oder vierten Wort eine Pause?» Jetzt bricht Texter Urs Stadelmann («Mosi») ab. Es kommt zu einer kurzen interaktiven Diskussionsrunde. Varianten werden ausprobiert, unterschiedliche Artikulationen getestet. «An dieser Stelle müssen wir langsamer werden», schlägt «Chuäli» vor. «Dramaturgie aufbauen, nennt sich das», tönt es – fast im Stile eines literarisch verankerten Regisseurs. Kurzes Schmunzeln der Kollegen. «Entscheiden!», sagt «Mosi». «Betonung auf der zweiten Silbe der dritten Zeile, Pause nach dem dritten Wort»: gesagt, getan. «Mosis» Befehl ist beschlossene Sache. Die Strophe wird wiederholt. Zweimal, ein drittes Mal. Jedes Detail muss stimmen. Man spürt es deutlich: Hier sind sechs Perfektionisten am Werk. Aus «I will wieder hoam nach Fürstenfeld» wird eine gelungene sprachliche Parodie auf den K ... Die Pointe sei an dieser Stelle nicht verraten. Oder wie es Rolf Gisler-Jauch in seinem 2004 erschienenen Buch «Fasnächtliches Uri» festgehalten hat: «Die ‹Per Tutti› muss man ganz einfach live gehört haben.»

Wechselnde Melodien als Markenzeichen

Witzige Verse von «Mosi», passende Zeichnungen («Helgä») und gekonnte Gitarrenbegleitung von «Schlezi», mehrstimmiger Gesang: Das alles zeichnet die traditionellen «Per Tutti»-Schnitzelbänkler aus. Zuerst der gereimte Vers – sozusagen als «Vorgeplänkel» – und dann das passende Lied, um die Thematik in anderer Form und mit einer träfen Pointe zu unterstreichen: Das ist das eigentliche Markenzeichen des Altdorfer Sextetts. Die Auftritte der Schnitzelbänkler erinnern an das Fasnachtsspiel, auch dank der theatralischen Umsetzung durch «Cheesy», den «Helgäma».

Im Frühherbst treffen sich «Per Tutti» jeweils zur ersten Fasnachtssitzung. «Es gibt bereits eine Menge von Vorschlägen, und das Festlegen des Mottos ist immer eine enge Sache», weiss Fredi Bossart. «Am Schluss der Diskussionsrunde wird abgestimmt, und das Resultat fällt seit Jahren knapp aus. Als demokratisch veranlagte Truppe akzeptieren wir den Entscheid selbstverständlich», erklärt «Schlezi».

«Manchmal ist Schreiben auch harte Arbeit»

Auch für die Verse kommen bei der Mottositzung durchaus mal 30 bis 40 Themen auf den Tisch», sagt «Schnitzelhirni» Urs Stadelmann. Danach beginnt die Zeit des Gärens, des Sich-Gedanken- und Notizen-Machens, aber bereits auch des Bastelns an den Fasnachts- respektive Umzugsujets. An Weihnachten fängt Urs Stadelmann mit dem eigentlichen «Värslä» an. Das dauert jeweils bis zur ersten von meistens sechs Gesamtproben. «Mosi» weiss aus Erfahrung:

«Manchmal ist das Schnitzelbänkeschreiben harte Arbeit. Ich setze mich an den PC und ‹hirnä stundälang umä›.»

So beschreibt er den Entstehungsprozess, der des Öftern zu einem echten «Chrampf» werden könne. «Manchmal kommen die Ideen aber auch ganz spontan.» Bei der ersten Probe wird dann aussortiert. Es müssen schon mal ein paar Verse über die Klinge springen. Nicht unbedingt der Qualität, sondern eher der geplanten Auftrittszeit wegen. Dann werden die passenden Lieder gesucht. «Da kommt das Talent von ‹Schlezi› besonders zur Geltung», betont «Mosi». «Er ist nicht nur ein ausgezeichneter Gitarrist, er kennt auch unglaublich viele Musikstücke», lobt er seinen Kollegen. Ob Rock, Pop, Jazz, Schlager, Volkslied, Klassik oder Rap: Die «Per-Tutti»-Palette ist breit. Wenn die Verse stehen und die passenden Melodien ausgewählt sind, beginnt das gemeinsame Texten. «Das Ganze entwickelt sich dann nach und nach», erklärt «Mosi». «Wir singen jedes Jahr neue Lieder», zeigt er sich zu Recht stolz. Nur das traditionelle Sammelsurium zum Schluss läuft immer nach einem seit Jahren bewährten musikalischen Muster ab.

An der Fasnacht wird nichts dem Zufall überlassen

Zurück zur Probe vom 23. Februar. Nach den Liedern werden die Verse geprobt. Lukas Imhof («Lük») hält sich zurück. «Ich muss meine Stimme schonen», sagt er – leicht erkältet. «Besser jetzt als am ‹Schmutzigä Donnschtig›», meint Stefan Gerber («Cheesy») ganz sec. Auch hier geht es um die Feinabstimmung, um leichte Korrekturen sprachkosmetischer Art, um Betonungen, Pausen und das präzise Einsetzen. Nach einer knappen Stunde ist die Hauptprobe beendet. Die Fasnacht kann kommen. Denn noch besser als beim Übungskehr» sind die «Per ­Tutti»-Schnitzelbänkler nur bei ihren Auftritten. Heute Abend und am «Gidelmäändig»-Abend treten sie in diversen Altdorfer Restaurants auf. «Die Reihenfolge kennen wir nicht», erklärt «Schlezi». Das ergibt sich aus der Laune heraus.» Für den Tourenplan und für die Organisation von Fahrgelegenheiten ist «Cheesy» verantwortlich. Auch hier wird nichts dem Zufall überlassen.

«Per Tutti» heisst nicht nur Schnitzelbänke

Am Fasnachtsumzug 2010 thematisierten «Per Tutti» das Altdorfer Leitsystem. (Bild: Angel Sanchez, Altdorf, 10. März 2010)

Am Fasnachtsumzug 2010 thematisierten «Per Tutti» das Altdorfer Leitsystem. (Bild: Angel Sanchez, Altdorf, 10. März 2010)

Die Bedeutung der «Per Tutti»-Aktivitäten an der Altdorfer ­Fasnacht auf das Vortragen von Schnitzelbänken zu reduzieren, wäre allerdings verfehlt. Seit 30 Jahren schreibt der Verein Per Tutti ideenreiche Altdorfer Fasnachtsgeschichte. Neben Schnitzelbänken gehören auch die einheitlichen Kostüme und Sujets und der Bau eines imposanten Umzugswagens zum Programm des Vereins, der sich zurzeit aus 22 ehemaligen Jungwachtleitern zusammensetzt. «Schlezi »betont:

«Wir wollen nicht einfach einen schönen Wagen und schöne Kostüme basteln, sondern immer auch eine gesellschaftspolitische Botschaft darstellen, und zwar immer etwas überspitzt.»

In diesem Jahr nehmen sie als Vogelfänger die viel diskutierte «Doppeladler»-Thematik rund um die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft an der WM in Russland aufs Korn. Wie das Kostüm aussieht und welche Aktivitäten die 22 Vogelfänger planen, das lassen sie sich trotz mehrmaligem Nachfragen nicht entlocken. Um ein Wort des Zitats von Rolf Gisler abzuändern: «Die ‹Per Tutti› muss man ganz einfach live gesehen haben.»

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