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Pflegeberuf birgt viele Herausforderungen

Morgen wird der Nationale Spitex-Tag gefeiert. Die neue Urner Geschäftsleiterin Esther Pfründer spricht über den Wandel im Beruf.
Interview: Remo Infanger
Esther Pfründer ist überzeugt, dass mehr männliche Fachkräfte das Bild und den Stellenwert des Pflegeberufs aufwerten würden. Bild: Remo Infanger (Schattdorf, 2. September 2019)

Esther Pfründer ist überzeugt, dass mehr männliche Fachkräfte das Bild und den Stellenwert des Pflegeberufs aufwerten würden. Bild: Remo Infanger (Schattdorf, 2. September 2019)

Morgen Samstag, 7. September, wird der Nationale Spitex-Tag gefeiert. Im Interview spricht Esther Pfründer, die im Mai dieses Jahres die Geschäftsführung der Spitex Uri übernommen hat, über den Wandel des Pflegeberufs, das stete Älterwerden und lange Arbeitswege.

Anfang Mai dieses Jahres haben Sie das Amt als Geschäftsführerin der Spitex Uri übernommen. Wie haben Sie sich bisher eingelebt?

Esther Pfründer: Die Spitex Uri nimmt vielfältige Aufgaben in der ambulanten Pflege und Betreuung von Klienten in ganz Uri wahr. Eine solche Aufgabe übernehmen zu dürfen, ist eine Herausforderung, der ich mit grossem Respekt begegne. Ich bin offen und mit einer grossen Willkommenshaltung begrüsst worden. Das motiviert sehr. Dank dem ganzen Team habe ich mich bestens eingelebt und freue mich, jeden Tag in den Kanton Uri zu reisen.

Es ist also kein Hindernis, in Ihrer Tätigkeit nicht in Uri wohnhaft zu sein?

Keineswegs. In einen Betrieb eine Aussensicht einzubringen, hat Vorteile. Ich kann so neutral und offen auf alle zugehen. Es gibt auch Raum, die Arbeit in der Organisation ohne Vorurteile anzugehen.

Als Betriebsökonomin HWV jonglierten Sie meist mit Zahlen, nun steht in Ihrer neuen Aufgabe der Mensch und dessen Wohlbefinden im Zentrum. Wie gelangten Sie ins Gesundheitswesen?

Das Gesundheitswesen ist mir nicht ganz neu. Als Gemeinderätin von Weggis bin ich nicht nur für das Finanz-Ressort zuständig, sondern habe die Verantwortung für alle Belange der öffentlichen Verwaltung. Dazu zählt auch das Sozialwesen – und damit auch die Spitex der Seegemeinden. Zuvor war ich Stiftungsrätin und Finanzverwalterin des Alterszentrums Hofmatt in Weggis und habe dort Erfahrungen im Gesundheitswesen sammeln können.

Morgen Samstag, 7. September, wird der Nationale Spitex-Tag gefeiert. Wie hat sich der Pflegeberuf über die Jahre verändert?

Die Pflege und Betreuung der stark alternden Bevölkerung wird uns in den kommenden Jahren vor grosse Herausforderungen stellen. Der Zunahme der pflegebedürftigen Personen steht ein Mangel an Fachpersonal gegenüber. Der Trend in der Schweiz geht ganz klar in Richtung der Stärkung der ambulanten Angebote. Die Menschen möchten länger zu Hause gepflegt und betreut werden. Dies bedingt ein Umdenken. So soll nicht nur der Pflegeberuf attraktiver gestaltet werden, sondern auch pflegende Angehörige als wichtige Bestandteile in der Versorgung anerkannt werden.

Und wie sieht es mit den Bedürfnissen der Klienten aus? Sind Pflegebedürftige anspruchsvoller geworden?

Anspruchsvoller ist der falsche Ausdruck. Die Klienten erwarten bestmögliche Lösungen und unkomplizierte Dienstleistungen, wenn möglich immer von derselben Betreuungsperson. Die Bevölkerung wird älter und damit steigt auch die Komplexität der Pflege und Betreuung. Es ist legitim, dass die Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben wollen in ihrem vertrauten Umfeld.

In Weggis hatten Sie als Stiftungsrätin des Alterszentrums Hofmatt Einblick in den Betriebsalltag. Inwiefern unterscheidet sich der Pflegealltag in Uri von jenem in Luzern?

Der Betriebsalltag ist bezüglich der Pflege und Betreuung derselbe. Anders in Uri ist, dass die Spitex vom Stützpunkt Schattdorf aus das ganze Kantonsgebiet abdeckt – somit auch zum Beispiel Seelisberg und die Seitentäler. Als Bergkanton hat Uri eine andere Topografie als Luzern, was sich in den teils langen Wegzeiten zu den Klienten zeigt. So werden jährlich rund 460000 Kilometer zurückgelegt, was insgesamt rund 16000 Stunden Wegzeit entspricht.

Apropos Anfahrt: Wie sieht eigentlich die Situation in Sisikon bezüglich der Axensperrung aus? Urner Spitex-Autos wird man dort zurzeit wohl keine sehen.

Das stimmt, unsere Fahrzeuge sind dort momentan nicht anzutreffen, die Gemeinde wird aber trotzdem von uns abgedeckt. Nach Sisikon reisen die Mitarbeiter zurzeit mit dem Zug. Trotzdem sind wir froh, wenn der Axen wieder öffnet – auch aus logistischen Gründen.

Den allermeisten wird die Spitex ein Begriff sein, aber längst nicht alle wissen, dass das Dienstleistungsangebot weitaus grösser ist, als «alte Leute zu Hause zu pflegen».

Wir haben eine Programmvereinbarung mit dem Kanton. Das Angebot umfasst neben der Pflege und Betreuung auch die Hauswirtschaft, die ambulante Psychiatriepflege und neu den Frischmahlzeitendienst. In der Pflege geht es nicht nur um die Körperpflege, sondern die Fachkräfte beraten, verabreichen Medikamente, Injektionen und Infusionen. Wir sind spezialisiert in der Palliative Care, dem Wundmanagement und machen Fusspflege. Angegliedert ist auch eine Mütter- und Väterberatung. Gerade der Frischmahlzeitendienst, welcher im vergangenen Jahr eingeführt wurde, ist sehr beliebt.

Nicht nur das Rentenalter steigt an, sondern auch die Lebenserwartung. Welchen Herausforderungen muss sich die Spitex bezüglich des steten Älterwerdens stellen?

Es ist wichtig, dass man sich frühzeitig mit dem gesellschaftlichen Wandel auseinandersetzt und betrieblich die notwendigen Schritte macht. Dazu gehören nebst dem Ausbau des Angebots auch Investitionen in die Aus- und Weiterbildung oder die Zusammenarbeit und Kooperation mit anderen Akteuren im Urner Gesundheitswesen.

Sie haben den Fachkräftemangel angesprochen. Der Pflegeberuf scheint eine Frauendomäne zu sein. Wünschen Sie sich mehr männliche Fachkräfte?

Natürlich wäre mehr männliche Fachkraft wünschenswert. Es würde den Stellenwert und das Berufsbild aufwerten. Ich bin überzeugt, dass mit dem gesellschaftlichen Wandel der Pflegeberuf auch für Männer attraktiver wird. Die Entlöhnung und die Möglichkeiten der Weiterentwicklung im Beruf sind dabei mitentscheidend.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Betriebs?

Mein Wunsch ist mehr Anerkennung für die Leistungen der Spitex-Mitarbeiter in der Gesellschaft. Die Arbeit ist anspruchsvoll. Die Fachkräfte sind bei ihrer Arbeit auf sich alleine gestellt, tragen eine grosse Verantwortung und sind damit nicht zuletzt ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitswesens.

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