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Interview

Weltbekannter Pianist hat sich in den Kanton Uri verliebt

Der 57-jährige Musiker Andreas Haefliger wohnt seit kurzem in den Urner Bergen. Am Borromeo-Festival in Altdorf gibt er nun einen Meisterkurs.
Markus Zwyssig
Der Starpianist Andreas Haefliger übt und wohnt nun in Uri. Bild: Marco Borggreve

Der Starpianist Andreas Haefliger übt und wohnt nun in Uri. Bild: Marco Borggreve

Der 57-jährige Andreas Haefliger ist als Musiker viel unterwegs. Geboren in Berlin, hat er in den USA studiert, lange dort gelebt und ist später nach Wien gezogen. Seit ein paar Monaten nun wohnt der weltbekannte Pianist in einem Haus in den Urner Bergen. Im Interview erzählt er, wie es dazu kam, wie er die Musikförderung erlebt und welche Bedeutung für ihn die klassische Musik hat.

Was verbindet Sie mit Uri?

Andreas Haefliger: Eigentlich ein Zufall. Vor vier Monaten habe ich mich in den Kanton Uri verliebt. Ich fand ein Haus hoch oben im Urner Alpenkranz. Seit eineinhalb Jahren war ich auf der Suche nach einem solchen Haus in den Bergen. Ich wollte der Sommerhitze entfliehen und im Winter dem Nebel. Gesucht habe ich in Italien, in Slowenien und im Tirol und bin nun im Kanton Uri fündig geworden.

Wo befindet sich das Haus genau?

Es liegt in der Nähe von Altdorf, hoch oben in den Bergen und sehr abgeschieden. Wo genau möchte ich nicht verraten.

Verbringen Sie viel Zeit in Ihrer neuen Heimat?

Ja, jetzt schon. Ich wohne hier, bin aber beruflich viel auf der ganzen Welt unterwegs. Das geht aber gut. In zwei Stunden bin ich am Flughafen – und das mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Verbindungen in der Schweiz sind sehr gut. Das kommt mir sehr entgegen.

Wie kamen Sie mit dem Borromeo-Festival in 
Verbindung?

Ich habe mich im Kanton Uri nach Möglichkeiten zum Üben umgeschaut. Dabei kam ich mit Freunden von Lorenz Gamma, dem Leiter des Borromeo-Festivals in Kontakt. Ich erfuhr von dieser zweiwöchigen Veranstaltung an der Mittelschule Uri, die nun zum zweiten Mal stattfindet. Da kam mir die Idee, als Dank an meine neue Heimat, einen Meisterkurs anzubieten.

Was reizt Sie an der Arbeit mit den talentierten Musikstudenten aus der ganzen Welt am Borromeo-Festival?

Ich gebe oft Meisterkurse. Das mache ich sehr gerne, denn das ist eine ganz besondere Art von konzentriertem Lernen. Ich finde es toll, wenn ich etwas von meinem Wissen weitergeben kann, selbst wenn es nur für einen Nachmittag ist. Das mache ich gerne für die Schüler. Den jungen Menschen will ich vor allem auch Mut machen, weiter aktiv zu bleiben. Ein Meisterkurs bringt aber auch mir persönlich viel. Es ist wie ein Geschenk an mich selber. Der Kontakt mit motivierten Menschen beim Musikmachen hilft mir für meine eigene Arbeit.

Wie schwierig ist es heute angesichts des grossen Angebots, Menschen für die klassische Musik zu begeistern?

Heutzutage kann man visuell oder über soziale Medien die Nachrichten besser streuen und weiter verbreiten als früher. Die klassische Musik braucht eigentlich keine Hilfe. Man muss sie nicht attraktiver machen, als sie eh schon ist. Gewachsen ist aber eindeutig die Konkurrenz. Das ist ja auch im Sport so. Es gibt mehr Menschen auf der Welt und damit verbunden viel mehr Menschen, die ihre Talente auch nutzen. Damit spornt man sich gegenseitig an.

Wer Musik machen will, hat heute viele Möglichkeiten. Die Musikschule Uri feiert heuer ihr 40-Jahr-Jubiläum. Das Angebot hat sich ständig erweitert. Das dürfte wohl ganz in Ihrem Sinne sein.

Ja, ich finde diese Möglichkeiten fantastisch. Es ist toll, dass Kinder und Jugendliche derart viele Angebote haben. Musik bringt den Menschen sehr viel. Ich finde es sehr wichtig, Musik zu machen. Dabei ist es egal, ob man später mit dem Spielen erfolgreich ist oder nicht. Ich habe dazu einen guten Vergleich. Ein Bauer in meiner neuen Urner Nachbarschaft hat mir gesagt: Man muss das Vieh lieben, sonst kann man den Beruf nicht machen. Das finde ich eine sehr gute Einstellung. Die Liebe riecht man in der Milch. Das ist auch bei der Musik so: Ich muss das Klavier lieben, sonst gelingt es nicht, ein guter Musiker zu sein. Es darf nicht nur darum gehen, sich immerzu Gedanken zu machen, wie man den nächsten Gewinn einstreichen kann. Im Zentrum muss vielmehr die Liebe zur Arbeit stehen.

Der Meisterkurs von Andreas Haefliger findet am Mittwoch, 24. Juli, in der Kollegi-Kapelle statt. Die Veranstaltung ist öffentlich und kann gratis besucht werden.

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