Pilger marschieren 33 Kilometer von Andermatt nach Disentis

An der diesjährigen Fusswallfahrt von Andermatt nach Disentis nahmen knapp 100 Personen teil. Der eingeschlafenen Tradition soll nun wieder neues Leben eingehaucht werden.

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Die Pilgergruppe absolviert die letzten Meter als Prozession. (Bild: PD, Disentis, 12. August 2018)

Die Pilgergruppe absolviert die letzten Meter als Prozession. (Bild: PD, Disentis, 12. August 2018)

Rund 40 Personen haben sich am vergangenen Sonntag, 12. August, um Punkt 6.30 Uhr bei der St. Wendelinskapelle ob Andermatt getroffen, um unter der Führung von Talammann Beat Schmid in Richtung Oberalppass zu starten. Bei herrlich kühlen Temperaturen waren die über 600 Höhenmeter leicht zu bewältigen, sodass die Gruppe nach zwei Stunden zur wohlverdienten Znünipause auf dem Pass eintraf. Dort stiessen mit dem Zug weitere zehn Pilger dazu.

Über den Pass Tiarms, Milez und Rueras ging es weiter nach Sedrun. Hier konnten sich die Teilnehmer mit einer Gerstensuppe im Hotel La Cruna verpflegen. Danach wurden die letzten 10 Kilometer bis Disentis in Angriff genommen.

In der Marienkirche wird eine Messe zelebriert

In Acla da Fontauna stiess Diakon Edy Imhof zur Gruppe dazu und mit ihm rund 30 weitere Pilger, um gemeinsam als Prozession die letzten paar Meter bis zum Kloster zu gehen. Dort wartete bereits Abt Vigeli Monn, der danach in der Marienkirche die Messe zelebrierte. Mit einem wohlverdienten Apéro im Kloster ging die Wallfahrt zu Ende.

Abt Vigeli Monn zeigte sich sehr erfreut darüber, dass die Korporation Ursern diese Wallfahrt nach vier Jahren wieder durchgeführt hat. Er sagte zu den Teilnehmern, dass sie auch sonst jederzeit im Kloster willkommen seien. Schliesslich stehe ja nur ein leicht zu überwindender Berg zwischen dem Kloster und dem Urserntal. Ihre Wertschätzung gegenüber dem Urserntal und dieser Wallfahrt brachten auch der Gemeindepräsident von Tujetsch, Beat Röschlin, und Armin Candinas, Gemeindepräsident von Sumvitg, zum Ausdruck. Beat Röschlin begleitete die Pilgerfahrt vom Oberalppass nach Sedrun und Armin Candinas nahm an der Schlussprozession zum Kloster teil.

Die Pilgergruppe unterwegs am Oberalpsee. (Bild: PD, 12. August 2018)

Die Pilgergruppe unterwegs am Oberalpsee. (Bild: PD, 12. August 2018)

Auch 80-Jährige pilgern mit

Die Pilger, die den ganzen Marsch mitgemacht haben, sind rund 33 Kilometer gelaufen und haben dabei über 600 Höhenmeter bewältigt. Die effektive Marschzeit, ohne Pausen, betrug rund 7 Stunden. Die ältesten Teilnehmer, die den ganzen Marsch mitgemacht haben, waren die 80-Jährigen Mina Regli, Franz Zberg und Alfred Russi, der zugleich als eigentlicher Initiant dieser Wallfahrt bezeichnet werden kann.

Wallfahrt hat bis 1794 regelmässig stattgefunden

«Ich glaube, daraus kann wieder eine Tradition entstehen», resümierte Talammann Beat Schmid die diesjährige Wallfahrt der Talschaft Ursern von Andermatt zum Kloster Disentis. Immerhin war es nun nach vier Jahren das zweite Mal, dass die Korporation, die Urschner und alle, die mit dem Tal verbunden sind, zum Pilgermarsch nach Disentis aufgerufen hat.

Die Wallfahrt von Andermatt bis Disentis wurde bis 1794 regelmässig durchgeführt. Unter der Herrschaft der Franzosen ist dann diese Tradition eingeschlafen, bis 2014, als die Korporation Ursern – aus Anlass des 1400-jährigen Jubiläums des Klosters Disentis – diesen Brauch wieder hat aufleben lassen. (red)