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Bürgler Hausarztpraxis ist in neuen Händen

Eine Ära geht zu Ende: Nach 28 Jahren übergeben die Hausärzte Thomas Arnold und Toni Moser die Führung der Praxis in Bürglen an Reto Kummer von der Bristenpraxis in Altdorf. Trotz Startschwierigkeiten hat sich die Doppelpraxis bewährt.
Philipp Zurfluh
Thomas Arnold (links) und Toni Moser (rechts) übergeben auf den 1. Mai ihre Hausarztpraxis in Bürglen an Reto Kummer von der Bristenpraxis in Altdorf. (Bild: Philipp Zurfluh, 30. April 2019)

Thomas Arnold (links) und Toni Moser (rechts) übergeben auf den 1. Mai ihre Hausarztpraxis in Bürglen an Reto Kummer von der Bristenpraxis in Altdorf. (Bild: Philipp Zurfluh, 30. April 2019)

Wenn Leute an das Berufsbild eines Hausarztes denken, sind einige bereits mit Vorurteilen und Klischees behaftet. Kontakt mit älteren Patienten, Rezepte ausstellen und wenig Action, lauten einige. «Der Hausarzt war früher eine ‹dümmere› Sorte eines Mediziners», sagt der Bürgler Hausarzt Toni Moser plakativ. Die Hausarztmedizin hätte in den vergangenen Jahrzehnten ein stiefmütterliches Dasein genossen. In den letzten Jahren hätte sich das etwas geändert, weil klar wurde, dass es immer weniger Hausärzte gibt. «Die Hausarztmedizin muss künftig den Stellenwert haben, den sie verdient.»

Im Rahmen einer Presse-Einladung haben Thomas Arnold und Toni Moser am Dienstag, 30. April, darüber informiert, dass sie ihre Praxis in neue Hände geben. Ab 1. Mai übernimmt Reto Kummer von der Bristenpraxis. «Es ist mir eine Freude, dass wir als Team von der Bristenpraxis in Bürglen tätig sein dürfen. Wir können sozusagen das Pionierhafte der beiden weiterführen.» Es sei eine Ehre, aber zugleich auch eine Verpflichtung und Chance. Die Bristenpraxis wird von den Hausärzten Reto Kummer und Gregor Waser sowie der Hausärztin Cécile Bachmann geführt. Im Herbst wird mit Daniela Baumann eine weitere Verstärkung zum Team stossen.

Moser und Arnold reduzieren Pensum

Arnold und Moser sind froh, eine ideale Nachfolgelösung gefunden zu haben. «Es ist ein fliessender Übergang. Wir werden nicht gerade aus der Praxis rausgejagt», scherzt Moser. «Für die Patienten ändert sich nichts, der Standort bleibt derselbe.» Der 64-jährige wird sein Pensum stark reduzieren und Kummer sowie Arnold bei Ferienabwesenheiten vertreten. «Ich bleibe noch da, solange es mich braucht», sagt Moser. Auch Thomas Arnold schraubt sein Pensum herunter. Der 62-Jährige sagt:

«Ich habe gespürt, dass ich mehr Erholungszeit benötige.»

Die Suche nach einem Nachfolger war eine Herausforderung. Vor rund viereinhalb Jahren ist man mit der Bristenpraxis in Kontakt getreten. Reto Kummer ist 48-jährig und wohnt seit acht Jahren in Altdorf. Dem fünffachen Familienvater ist es ein Anliegen, dass die Patienten kontinuierlich begleitet werden und die Fluktuation gering ist. «Weil sich die Ärzte an der Praxis beteiligen, ist die Verbindlichkeit höher», erklärt er. Laut Kummer habe das Modell der Gruppenpraxis viele Vorteile. «Man kann sich untereinander austauschen, jeder kann seine Stärken einbringen, Schwächen können ausgebügelt werden.» Weiter sagt Kummer:

Es ist illusorisch zu glauben, dass man Leute findet, die 120 Prozent arbeiten wollen.»

Er stelle vor allem bei seinen jungen Berufskollegen fest, dass sie sich nicht gerne festlegen wollten. «Sie möchten sich alle Optionen offen halten und nach einem Jahr vielleicht woanders arbeiten.»

Reto Kummer spricht auch die Feminisierung der Medizin an. Früher sei der Frauenanteil der Medizin-Absolventen bei rund 20 Prozent gelegen, heutzutage seien es gegen 70 Prozent. «Für Frauen ist es unmöglich in einer Einzelpraxis Teilzeit zu arbeiten. Deshalb müssen wir ihnen neue Gefässe bieten.» Es sei auch wichtig Ärzte zu finden, die in irgendeiner Form mit dem Kanton Uri verwurzelt sind.

Positive Bilanz trotz zähem Start

Thomas Arnold und Toni Moser kennen sich bereits seit dem Studium, welches sie 1975 in Freiburg begonnen haben. Später während der Assistentenzeit haben sie dann eine gemeinsame Basis gefunden, um künftig als Partner zu agieren. Die Praxis wurde schliesslich am 1. Juli 1990 eröffnet. Es war die erste Doppelpraxis im Kanton Uri. Arnold dazu:

«Zu Beginn sind wir bei unseren Berufskollegen nicht auf grosse Begeisterung gestossen. Uns wurde wenig Kredit gegeben und eine schnelle Scheidung prophezeit.»

Die Anfangszeit war zäh, vor allem aus wirtschaftlicher Sicht. Die Investitionen waren gross, medizinische Geräte mussten angeschafft werden. Auch einen Patientenstamm musste man sich erarbeiten. Doch der Aufwand hat sich gelohnt: «Wir beide konnten Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren. Zudem war die betriebswirtschaftliche Auslastung höher», sagte Moser, der im Kanton St. Gallen geboren wurde. Für ihn war der Kanton Uri damals noch Neuland.

Die Bilanz über die vergangenen knapp 30 Jahre fällt sehr positiv aus: «Wir konnten mit einer guten Hausarztmedizin eine kontinuierliche, qualitativ hochstehende Betreuung der Patienten gewährleisten.» Man habe einen entscheidenden Beitrag liefern können, dass die Kosten im Gesundheitswesen nicht aus dem Ruder gelaufen sind. «Wir können mit gutem Gewissen die Praxis in neue Hände geben.»

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