Podium in Altdorf

Ein Fast-Monolog der Coronaskeptiker

Das Podium der Coronaskeptiker war eine einseitige Angelegenheit: Sie erhielten kaum Gegensteuer.

Urs Hanhart
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Die Teilnehmer des Podiums kamen nicht alle gleichermassen zu Wort.

Die Teilnehmer des Podiums kamen nicht alle gleichermassen zu Wort.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 28. November 2020)

Das «Aktionsbündnis Urkantone für eine vernünftige Corona-Politik» führte am Samstag im Zeughaus Altdorf ein Podium durch. Dieser Event hatte bereits im Vorfeld für Aufsehen und Schlagzeilen gesorgt, weil die eingeladenen Regierungsräte Christian Arnold und Beat Jörg sowie Kantonsarzt Jörg Bollhalder ihre Teilnahme absagten. Man hatte sie offensichtlich ohne vorherige Anfrage auf die Teilnehmerliste gesetzt. Zudem ging den Regierungsvertretern das Schutzkonzept zu wenig weit und auch mit dem Moderator Walter Urs Schmid, der sich in den sozialen Medien skeptisch gegenüber den Coronamassnahmen geäussert hatte, waren sie nicht einverstanden.

Beim Schutzkonzept richteten die Organisatoren am Samstag nun aber mit der grossen Kelle an. Wer das Zeughaus betreten wollte, musste zunächst an der Pforte bei einem Sicherheitsmann seinen Ausweis zeigen. Nur wenige Meter später folgte dann bei der Registrierung nochmals das gleiche Prozedere. Im Saal wurden sowohl im Publikums- als auch im Podiumsbereich extra grosse Abstände eingehalten. Die Leute trugen ihre Masken bis zu ihrem Sitzplatz. Die meisten im rund zwölfköpfigen Publikum legten sie danach ab. Dafür trug die Frau, die mit einem Mikrofon im Raum herumlief und Fragen entgegennahm, nicht nur eine Maske, sondern auch gleich noch einen Ganzkörper-Schutzanzug.

Als Ersatz für die Regierungsvertreter nahmen kurzfristig Fabio Affentranger, Präsident der SVP Uri, und Daniel Guillet, Pfarrer von Seelisberg, teil. Mit dabei waren auch zwei Urner, die in letzter Zeit für Schlagzeilen gesorgt haben: Lehrerin Prisca Würgler, welche an der Schule Emmetten freigestellt wurde, und Hausarzt Gianmarco Sala. Dieser hatte in einem Brief die Urner Regierung zum Stopp der Maskenpflicht und des «Testblödsinns» aufgefordert. Komplettiert wurde das Podium durch Rechtsanwalt Philipp Kruse aus Erlenbach ZH, der eine noch hängige Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen die Zürcher Coronaverordnung eingereicht hat.

Ausgewogenheit wurde nicht erreicht

Der Moderator Schmid versicherte, dass er sich mit seiner Meinung komplett herausnehmen und stattdessen bemühen werde, für Ausgewogenheit zu sorgen. Dies gelang ihm jedoch nur schlecht. Er lenkte die Diskussion in eine Richtung, die hauptsächlich Sala und Kruse zu Wort kommen liess. Die zwei Coronaskeptiker warteten zu einem grossen Teil mit medizinischen und juristischen Fachsimpeleien auf. Das Ganze untermauerten sie mit einem ganzen Stapel von Studien und Papieren, die ihre Aussagen stützen sollen. Für ihre zum Teil sehr markigen Worte ernteten die beiden Hauptredner vom offenbar grösstenteils ebenfalls coronaskeptisch eingestellten Publikum immer wieder begeisterten Szenenapplaus. Die «Ersatz­leute» Affentranger und Guillet kamen nur selten zu Wort.

Gesprochen wurde hauptsächlich über die Maskenpflicht und die PCR-Tests. Sala, der von einem weiteren gleich gesinnten Arzt im Publikum immer wieder Rückendeckung erhielt, sagte: «Das Tragen einer Maske führt zu einem vermehrten Infektionsrisiko. Deshalb bin ich ein dezidierter Gegner der Maskentragpflicht.» Kruse sieht im Maskentragen «einen grundrechtlichen Eingriff in die persönliche Freiheit». Würgler sprach von einer Traumatisierung der Gesellschaft durch die Tests und deren Folgen.

Treffen mit Regierung findet doch noch statt

Zum Schluss erhielten alle Podiumsteilnehmer Gelegenheit, Wünsche an die Regierung zu formulieren. Würgler sagte, sie wolle selber entscheiden können, ob sie sich gegen Corona impfen lasse oder nicht. Kruse meinte: «Die Regierung sollte sich vermehrt mit den Nebenwirkungen und Kollateralschäden der Coronamassnahmen auseinandersetzen, damit eine echte Abwägung zwischen Kosten und Nutzen stattfinden kann.» Sala wünschte sich eine unvoreingenommene Diskussion der wissenschaftlichen Daten. Affentranger fand, es sei eine gefährliche Entwicklung, die Coronaskeptiker in eine Ecke zu schieben und ihnen nicht zuzuhören.

Wie zu erfahren war, soll der Dialog mit der Urner Regierung aber doch noch stattfinden – am kommenden Mittwoch. Das ­Aktionsbündnis darf mit einer Fünferdelegation vorsprechen.