PODIUM: Kampf um die zweite Gotthardröhre

Die zweite Röhre am Gotthard polarisiert. Bei einem Podium zeigte sich aber auch, dass viele Argumente bekannt und die Fronten verhärtet sind.

Merken
Drucken
Teilen
«Es ist möglich, den Tunnel ohne zweite Röhre zu sanieren», so Markus Züst (SP), Urner Baudirektor. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

«Es ist möglich, den Tunnel ohne zweite Röhre zu sanieren», so Markus Züst (SP), Urner Baudirektor. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Über den Bau einer zweiten Strassenröhre am Gotthard wird das Stimmvolk der Schweiz zwar erst am 28. Februar 2016 entscheiden. Die Diskussionen auf der politischen Ebene laufen bereits jetzt heiss – vor allem in Uri. Das zeigte sich gestern bei einem Podium in Bürglen. Der Urner Baudirektor Markus Züst (SP) und der Walliser Andreas Weissen, ehemaliger Präsident der Alpen-Initiative, standen auf der Gegnerseite, der Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi und der Schwyzer SVP-Nationalrat Pirmin Schwander auf der Seite der Befürworter. Dabei zeigte sich aber auch, dass immer wieder Argumente aufgetischt werden, die bereits bekannt sind. Die Meinungen scheinen gemacht, und die Fronten sind verhärtet.

Rechtzeitig ans Tessiner Derby

Stimmgewaltig polterte Filippo Lombardi. Und einmal verlor er beinahe die Fassung. Weissen hatte die Glaubwürdigkeit der Politiker angezweifelt. Was diese sagen würden, sei ein paar Tage später bereits wieder vergessen – so der Vorwurf. Lombardi entgegnete darauf entrüstet, dass er über Jahre stets Wort gehalten habe. Dass Lombardi den Bau einer zweiten Röhre am Gotthard nicht ganz uneigennützig vertritt, wurde gestern aber auch klar. So war das Podium in Bürglen zeitlich so angesetzt, dass es dem Verwaltungsratspräsidenten noch ans Derby des Eishockeyklubs Ambri Piotta gegen Lugano reichte. Und dafür nutze er mit seinem Auto natürlich den Gotthard-Strassentunnel.

«Politik wird rasch einknicken»

Andreas Weissen, ehemaliger Präsident der Alpen-Initiative, war im Gegensatz zu Lombardi nicht mit dem Auto, sondern mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn angereist. Er ist ein vehementer Gegner einer zweiten Röhre. Mit dem Bau eines neuen Tunnels werde die Kapazität verdoppelt. «Die Politik wird, kaum ist der neue Tunnel gebaut, einknicken und alle vier Spuren freigeben.» Der Urner Baudirektor Markus Züst pflichtete Weissen bei. Wenn ein neuer Tunnel einmal gebaut sei, würden die Barrieren früher oder später geöffnet und alle Spuren frei gegeben. Ganz anders sieht dies Lombardi: «Die EU wird die einspurige Tunnelführung am Gotthard akzeptieren.» Und Schwander fügte an: «Wir dürfen dem Druck der EU nicht nachgeben.» Am Gotthard brauche es einen zweiten Tunnel. Vor allem, damit die Kapazität 365 Tage im Jahr genutzt werden könne. Für Lombardi ist eine Schliessung des Tunnels während der Sanierung für drei Jahre nicht akzeptabel. Daher brauche es am Gotthard unbedingt eine neue Röhre. «Die Kapazität für den Verkehr wird aber deshalb nicht erhöht.»

Auch Baudirektor Markus Züst will keine mehrjährige Vollsperrung am Gotthard. Eine längere Öffnung des Tunnels über die verkehrsarme Winterzeit sei machbar. Für Züst ist klar: «Es ist möglich, den Gotthardtunnel zu sanieren, ohne eine zweite Röhre zu bauen – und zwar so, dass dies für die Wirtschaft verträglich ist.» Dazu brauche es aber eine Rollende Landstrasse (Rola), und zwar auf einer kürzeren Distanz (zwischen dem Schattdorfer Rynächt und Biasca), sowie auf einer längeren (mit weiteren Verladestationen). Für Züst wäre eine zweite Röhre ein falsches Zeichen gegenüber der Bahn. «Wir dürfen die Neat nicht gefährden», sagte er.

Bald im Internet zu hören

Die Veranstaltung der Jungen SVP Uri wurde von Politcast Uri moderiert. Dabei handelt es sich um junge Urner, die im Internet Radiosendungen machen. Die Podiumsdiskussion soll demnächst im Web aufgeschaltet werden.

Markus Zwyssig

Hinweis

Diskussion verpasst? Nachzuhören ist sie unter www.politcast-uri.ch