POLITAPÉRO: Kandidaten stellen sich heissen Fragen

Zwei Wochen vor den Wahlen wurden die Urner Regierungsrats­kandidaten am Politapéro mit einer Palette von Themen konfrontiert. Viele Besucher wollten erleben, wie die Bewerber argumentieren.

Markus Zwyssig
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Dimitri Moretti, Alois Arnold und Toni Epp (von links) zeigen auch Sinn für Humor, derweil Heidi Z’graggen kritische Fragen auf dem heissen Stuhl beantwortet und das Publikum interessiert zuhört. (Bilder Urs Hanhart)

Dimitri Moretti, Alois Arnold und Toni Epp (von links) zeigen auch Sinn für Humor, derweil Heidi Z’graggen kritische Fragen auf dem heissen Stuhl beantwortet und das Publikum interessiert zuhört. (Bilder Urs Hanhart)

Der Saal des Hotels Schlüssel in Altdorf war gestern fast zu klein für das Wahlpodium. Etliche Stühle mussten zusätzlich herbeigeschafft werden. Über 300 Personen besuchten den Urner Politapéro zu den Regierungsrats- und Landratswahlen. Das zeigte: Zwei Wochen vor den Wahlen am 28. Februar sind noch nicht alle Meinungen gemacht. Die Besucher nutzten deshalb die Gelegenheit, selber zu erleben, wie sich die Kandidaten schlagen. Möglich machten es die «Neue Urner Zeitung», das Regionaljournal Zentralschweiz von Radio SRF und die Internetplattform Politcast Uri, die den Anlass organisierten. Bruno Arnold, Redaktionsleiter der «Neuen Urner Zeitung», und Karin Portmann, stellvertretende Leiterin des Regionaljournals, fühlten den Kandidaten in drei Blöcken auf den Zahn. Die Politcast-Reporter befragten zudem alle Kandidaten für 100 Sekunden auf dem heissen Stuhl. Zu Wort kamen aber auch die Wahlkampfleiter und ein Politologe (siehe Box). Durch den Anlass führte SRF-Moderator Michael Zezzi.

Moretti positioniert sich klar links

Im ersten Block exponierte sich SP-Kandidat Dimitri Moretti klar als linker Politiker. Er räumte ein, dass für die Partei viel auf dem Spiel stehe. Uri hat als letzter Kanton in der Zentralschweiz die Möglichkeit, einen SP-Sitz in der Regierung zu verteidigen.

Zu seinen Macher-Qualitäten sagte FDP-Kandidat Toni Epp: «Ich arbeite oft im Hintergrund, vor allem, wenn es darum geht, eine Vernehmlassungsantwort zu erarbeiten. Aber wenn es darauf ankommt, bin ich bereit, hinzustehen.» SVP-Politiker Alois Arnold verteidigte den Stellenwert der Landwirtschaft und seine Kandidatur: «Wenn Lehrer in der Regierung sein können, dann dürfen das Landwirte auch.»

Ein grosses Thema war das Sparen. Für Arnold ist es wichtig, dass Uri die Finanzen im Griff hat. «Bei Grossprojekten müssen wir zwischen Wünschbarem und Notwendigem unterscheiden.» Epp findet, Uri müsse sich fragen, was man wirklich brauche. «Wir müssen step-by-step vorwärtsgehen und nicht eine Luxuslösung anstreben.» Moretti hingegen sieht zurzeit keinen Sparzwang. «Wir haben genug gespart. Zudem hat der Kanton in den vergangenen Jahren positive Abschlüsse vorgelegt.» Wenn man die Leistungen beibehalten wolle, so dürfe man nicht sparen.

Dann ging es um Flüchtlinge. Arnold will, dass Asylsuchende auf alle Urner Gemeinden aufgeteilt werden. Für ihn ist aber auch klar: «Wirtschaftsflüchtlinge brauchen wir keine.» Moretti verwies derweil auf die gute Arbeit des Roten Kreuzes in Uri. Er ist zuversichtlich, dass die Zuteilung zu den Gemeinden klappt und dass genügend Wohnraum gefunden werden kann. Epp glaubt hingegen, dass die Aufnahme von Flüchtlingen schwierig zu bewältigen sei. Gemeinden, die Asylsuchende aufnehmen würden, müssten belohnt werden, beispielsweise mit guten Anbindungen an den öffentlichen Verkehr.

Finger auf die Interessenkonflikte

Im zweiten Block war die Reihe an Urs Janett (FDP), Roger Nager (FDP) und Petra Simmen (SVP). Janett wurde auf seine Frau angesprochen, die als stellvertretende Oberstaatsanwältin arbeitet. Falls er Justizdirektor würde, wäre sie bereit, zurückzutreten, so Janett. Würde er aber eine andere Direktion übernehmen, sähe er keinen Interessenkonflikt. Die Aufsicht über die Staatsanwaltschaft habe das Obergericht und nicht der Regierungsrat.

Nager will nach der Nichtnomination am FDP-Parteitag als Wilder seine Chance packen. Er glaubt, als Gemeindepräsident von Andermatt genügend Erfahrung mitzubringen. Simmen wurde mit ihrem konservativen Frauen- und Familienbild konfrontiert. «Es ist wichtig, dass man trotz neuer Lebensformen auch der traditionellen Familie Wertschätzung entgegenbringt», sagte sie.

Diskutiert wurde weiter über den Tourismus und die Wirtschaft. Nager findet es wichtig, dass die öffentliche Hand den Tourismus finanziell unterstützt. Bereits sei etwas bewegt worden, die ersten Erfolge würden sich zeigen. Das bringe einen Aufschwung für Uri, ist Nager überzeugt. Janett sagte, Geld auszulösen sei gerechtfertigt, aber alle sollten profitieren. Simmen will, dass Randregionen unterstützt und wintersicher werden. Nager verwies auf die starken KMU in Uri. Janett betonte, dass Arbeitnehmer aus Uri auswärts sehr gefragt seien. Simmen setzt auf Innovationspolitik. Uri brauche lukrative, verlässliche Partner. Janett, Simmen und Nager sprachen sich alle für Steuergeschenke an Unternehmen aus.

Steuergeschenke: Ja, aber ...

Das Thema Steuergeschenke griffen auch die bisherigen Regierungsräte im dritten Block auf. Heidi Z’graggen betonte, dass es einen gewissen Spielraum für Steuererleichterungen gebe. Diese müssten jedoch an Bedingungen geknüpft werden. Auch Urban Camenzind will den Unternehmen gute steuerliche Rahmenbedingungen bieten. Ein geeigneter Ort für eine Betriebsansiedlung sei aber wichtiger.

Für Barbara Bär ist bei der Neat entscheidend, dass die Züge auch in Uri halten. Z’graggen meinte: «Unser Kanton bietet einmalige Wohnlagen. Da ist eine gute Erschliessung bedeutend.» Camenzind gab zu bedenken, dass die Urner dank der Neat in 35 Minuten in Bellinzona seien. Das gebe neue Möglichkeiten, auch das Tessin als Arbeitsort in Betracht zu ziehen.

Begonnenes weiterverfolgen

Die vier bisherigen Regierungsräte waren sich einig: Sie wollen in der nächsten Amtsperiode vor allem ihre begonnene Arbeit weiterführen. Z’graggen strich eine gute Verkehrsanbindung und den Nutzen der Neat für Uri hervor. Beat Jörg ist es ein Anliegen, dass Uri seinen hohen Stellenwert in Bezug auf Bildung und Kulturkanton halten kann. Für Bär steht der Um- und Neubau des Kantonsspitals im Zentrum. Eine gesicherte medizinische Grundversorgung sei wichtig. Camenzind liegen die Urner Arbeitsplätze am Herzen. Beim Entwicklungsschwerpunkt Unteres Reusstal seien erste Erfolge erzielt worden. Jetzt gehe es darum, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Markus Zwyssig

Audio: Den Wahlapéro kann man nachhören. Den Link gibt es auf www.urnerzeitung.ch/bonus