POLITIK: Ambros Arnold ist der böseste Urner Gemeindepräsident

Ambros Arnold war einst der beste Urner Schwinger. Heute kämpft er für seine Gemeinde Unterschächen,obwohl er gar nicht Politik machen wollte.

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Ambros Arnold auf dem Balkon seines Hauses: «Wir müssen mit wenig über die Runden kommen» (Bild: Elias Bricker)

Ambros Arnold auf dem Balkon seines Hauses: «Wir müssen mit wenig über die Runden kommen» (Bild: Elias Bricker)

Ständig klingelt das Telefon. Ambros Arnold ist ein gefragter Mann. Denn seit dem 1. Januar ist er nicht nur Gemeindepräsident von Unterschächen, sondern auch Inhaber eines Zügelunternehmens. «Kann man den Flügel Parterre reinschieben oder muss man ihn tragen?», fragt Arnold am Telefon. «Nein, nein, tragen ist für uns kein Problem.»

Das glaubt man dem Gemeindepräsidenten. Als Schwinger gehörte der 44-Jährige einst zu den ganz Bösen. Seine Karriere, in der er 25 Kränze gewann, krönte er 2001 mit dem eidgenössischen Kranz in Nyon. «Das ist lange her», winkt Arnold ab. «Ich gehöre längst zum alten Eisen.»

Wider Willen gewählt

Als Politiker gehört Arnold hingegen noch lange nicht zur alten Garde. Erst vor zwei Jahren wurde er an der Gemeindeversammlung «völlig überraschend» in den Gemeinderat gewählt und wurde gleich Vizepräsident ein Senkrechtstarter. Doch Arnold war zuerst nicht begeistert von seiner Wahl. Aber weil in Unterschächen Amtszwang gilt, blieb dem ehemaligen «Eidgenossen» nichts anderes übrig, als das Amt auszuüben. «Am Anfang habe ich natürlich nicht gerade geklatscht», erinnert er sich. Doch inzwischen hat er sich an seine Verpflichtung gewöhnt und sogar Freude am Amt. «Ich will einfach immer das Beste aus einer Situation machen.»

«Ich mache keine halben Sachen»

Bereits als Schwinger war «Steiner Brosi» ein Senkrechtstarter. Als Jugendlicher nahm er gelegentlich an wild organisierten Schwingfesten teil. Erst mit 22 Jahren trat er dem Schwingklub Bürglen bei und begann, regelmässig zu trainieren mit Erfolg. Schon nach wenigen Monaten gewann er seinen ersten Kranz. Und im Jahr darauf qualifizierte er sich zum ersten Mal für einen Schlussgang – fast eine Sensation.

Nach seinem Rücktritt 2001 trainierte er mehrere Jahre die U-18-Mannschaft des Urner Schwingerverbands. Doch als Arnold 2013 Gemeinderat wurde, musste er die Trainertätigkeit schweren Herzens ablegen. «Es wurde einfach zu viel, Politik, Arbeit, Familie und Schwingen unter einen Hut zu bringen», sagt Arnold. «Ich mache keine halben Sachen.»

Ohne Patengemeinden läuft nichts

Im Gemeinderat sitzen mehrheitlich unverbrauchte Kräfte mit wenig Amtserfahrung. Dass der pensionierte Alois Arnold nach 42 Jahren als Gemeindeschreiber neu als Verwalter im Gremium sitzt, freut Ambros Arnold umso mehr. «Mit ihm haben wir den Joker und den Jackpot gleichzeitig», sagt der Gemeindepräsident. «Keiner weiss mehr über Unterschächen. Sein Know-how bleibt uns jetzt zum Glück erhalten.» Vor allem die Kenntnisse des ehemaligen Gemeindeschreibers im Finanzwesen seien für die Gemeinde von grossem Wert.

Die Finanzen sind denn auch ein Dauerbrenner: Die Gemeinde hat eine tiefe Steuerkraft und budgetiert für 2015 wieder ein Defizit. «Wir müssen stets mit wenig Geld über die Runden kommen und dürfen dennoch unsere Infrastrukturen nicht vernachlässigen, wenn wir selbstständig bleiben wollen», sagt Arnold. Wie der Organisator eines Schwingfests ist auch die Gemeinde Unterschächen auf Gönner angewiesen. Ohne die fünf Patengemeinden (Grenchen SO, Aesch BL, Au SG, Oberrieden ZH und Rüschlikon ZH) würde in Unterschächen vieles nicht so funktionieren wie heute. «Auch bei der bevorstehenden Sanierung des Kreisschulhauses Spiringen werden wir wieder auf sie angewiesen sein», sagt Arnold.

2015 soll auch der Spatenstich für die Überbauung beim Hotel Brunnital erfolgen ein Projekt, das Ambros Arnold sehr am Herzen liegt. «Ich hoffe, dass wir mit diesem Projekt die Abwanderung ein bisschen stoppen können», so Arnold. «Bauland wäre genügend vorhanden. Doch bisher gab es nur wenige Mietwohnungen. Und viele Junge wollen ja nicht gleich ein Haus bauen.»

Arnold glaubt an Tourismus

Die Überbauung Brunnital hat aber zur Folge, dass die Langlauf-Baracke abgebrochen werden muss und Parkplätze verloren gehen. Das stellt die Gemeinde vor die Herausforderung, an einem andern Standort geeignete Lösungen für den Winter- und Sommertourismus zu finden. Denn der Tourismus ist ein wichtiger Eckpfeiler der Gemeinde. Auch der einzige Dorfladen muss der Überbauung weichen. Momentan wird deshalb geprüft, in welcher Form der Laden erhalten werden kann. Trotz vieler Herausforderungen: «Das Dorf lebt auch dank der vielen Vereine», sagt Arnold. «Ohne sie wäre vieles nicht möglich.»

Und schon klingelt wieder das Telefon wegen eines Umzugs: «Ich komme das anschauen. Kein Problem.»

Elias Bricker

Hinweis

Die «Neue Urner Zeitung» stellt im Januar alle sechs neuen Urner Gemeindepräsidenten vor.