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PORTRÄT: OL-Läuferin Deborah Stadler ist fast so gut wie ein Navi

Mit Kompass, Kondition und Köpfchen: Deborah Stadler (19) aus Seedorf geht seit über zehn Jahren einer der meistunterschätzten Sportarten nach – dem Orientierungslauf. Mit ihrem Studium findet sie einen optimalen Ausgleich.
Philipp Zurfluh
In der Natur fühlt sie sich am wohlsten, OL-Läuferin Deborah Stadler. (Bild: Urs Hanhart (Seedorf, 10. 11. 17))

In der Natur fühlt sie sich am wohlsten, OL-Läuferin Deborah Stadler. (Bild: Urs Hanhart (Seedorf, 10. 11. 17))

Philipp Zurfluh

philipp.zurfluh@urnerzeitung.ch

Sie ist eine vielbeschäftigte Sportlerin, ihr Zeitplan ist eng. Dies wird klar, als es darum geht, mit Deborah Stadler einen Interviewtermin zu vereinbaren. Sie absolviert derzeit ein Studium der Erdwissenschaften an der ETH Zürich und ist Wochenaufenthalterin in Dübendorf, wo sie in einer Wohngemeinschaft lebt. Wenn es die Zeit erlaubt, kehrt sie am Wochenende in ihr Elternhaus nach Seedorf zurück.

Ihre navigatorischen Fähigkeiten hat die junge Orientierungsläuferin schon früh erlernt. Angefangen hat alles mit den «Urner Abend-OL». Jährlich gibt es drei von diesen im Kanton Uri. Vor elf Jahren nahm sie zum ersten Mal an einem solchen teil. Dieser fand im Bodenwald in Seedorf statt, in der Nähe wo sie aufgewachsen ist. «Der Sport hat es mir sofort angetan, und ich war begeistert», sagt die sympathische 19-Jährige, die viel Lebensfreude ausstrahlt.

Beim Rennen braucht’s einen kühlen Kopf

Sie liebte es schon immer, sich in der Natur zu bewegen und sportlich aktiv zu sein. «Auf Sport in der Natur kann ich nicht verzichten», sagt die Studentin. Doch nur Kilometer abzuspulen, habe sie mit der Zeit gelangweilt. «Da ich mich als Kind schon gerne im Wald aufgehalten habe, war der Einstieg in den OL naheliegend.» Schnell erkannte die Seedorferin, dass sie diesen Sport wettkampfmässig betreiben und deswegen dafür mehr Zeit investieren möchte.

«Man rennt am Limit und muss gleichzeitig einen kühlen Kopf bewahren, um anhand der Karte die Posten und den Weg ins Ziel zu finden.» Jeder Wettkampf hat verschiedene topografische Herausforderungen. So sei kein Athlet gegenüber einem anderen stark bevorteilt. Auf die Frage, wie man merkt, dass man Fortschritte erzielt hat, gibt es laut der OL-Läuferin keine eindeutige Antwort. Jeder Lauf sei individuell. «Ich muss viel mit Intuition und Fingerspitzengefühl arbeiten.» Der Orientierungssinn der 19-Jährigen ist aussergewöhnlich. Dennoch verlässt sie sich auch gerne mal auf das Navigationssystem, wenn sie mit dem Auto unterwegs ist. «Da bin ich für einmal der bequeme Typ», sagt sie und schmunzelt.

Ihre Vorbereitung auf einen Wettkampf laufe nicht immer nach demselben Schema. Teilweise setze sie sich monatelang mit alten Karten auseinander. Findet ein Rennen in einem ihr fremden Land statt, versuche sie, sich mit Google Maps oder mit erfahrenen Personen vorzubereiten. Ein anderes Mal gehe sie aber wieder ohne Vorbereitung an den Start. «Die Grundvoraussetzung ist eine gute körperliche Verfassung. Deshalb versuche ich, mich vor jedem Wettkampf wieder in Form zu bringen.»

Ihre Trainingseinheiten absolviert sie im Nationalen Leistungszentrum in Zürich und das oft acht Mal in der Woche. Ihre Lieblingsdisziplin ist der Sprint, der meistens zwischen 2,5 bis 3 Kilometer lang ist: «Er ist interessant, weil man physisch Vollgas geben muss.» Kleinigkeiten seien deshalb entscheidend. «Innerhalb von wenigen Sekunden muss man sich für die richtige Route entscheiden.» Das Studium und der OL sind für Stadler eine gute Ergänzung. «Läuft es mal im Studium nicht nach Wunsch, kann ich mich beim Sport ablenken und umgekehrt. Erdwissenschaften sind ein riesiges Gebiet, und mein Studium ist sehr spannend.» Vor allem während der Prüfungsphase ist es eine stressige Zeit. Wenn sie genug Zeit hat, dann spielt sie gerne Unihockey, im Winter macht sie gerne Langlauf oder geht Ski fahren.

An die nationale Spitze herantasten

Ein beachtliches Resultat auf internationalem Niveau erzielte die Seedorferin diesen Sommer in Finnland. An den Junioren-Weltmeisterschaften erreichte sie im Sprint den 13. Platz. Bei den Schweizer Meisterschaften Ende August auf dem Gotthardpass lief die Studentin mit der Staffel zu Gold. Da sie als Juniorin zum ältesten Jahrgang gehört, wird sie im kommenden Jahr der Ergänzungsgruppe des Elite-Kaders angehören. Dort sind die etwa 20 besten Schweizer OL-Läufer versammelt. Davon kann sie viel profitieren. «Ich komme in den Genuss von mehreren Trainingsweekends und darf an zwei Trainingslagern in Norwegen und Frankreich teilnehmen.» Auch ein Trainer wird ihr dann zur Verfügung stehen, der sie eng begleitet.

Als nächster Höhepunkt folgen im Juli 2018 die Studenten-Weltmeisterschaften in Finnland. «Ich möchte im OL-Sport weiter Fortschritte erzielen und mich an die nationale Spitze herantasten.» Unter Druck setzen lässt sie sich nicht: «Ich nehme Schritt für Schritt.»

Zur Serie: «Jungtalente im Sport»

Sie sind jung, ehrgeizig und zählen zu den Urner Sport-Nachwuchshoffnungen. Die «Urner Zeitung» porträtiert in loser Folge verheissungsvolle Talente, die den Sprung an die Spitze schaffen wollen. Bislang wurden folgende Sportler porträtiert:
– Mountainbiker Fabio Püntener
–Roll­hockeyspieler Remo Schuler
– Tennisspieler Jan Jauch
– Unihockeyspieler Linus Arnold<br /> &ndash;Handballer Pascal Aschwanden

(pz)

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