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POST: Uri fordert ein Moratorium

Der Gemeindeverband will, dass die Post mit der Überprüfung weiterer Poststellen abwartet. Der Regierungsrat unterstützt die Forderung, die Post zeigt sich dialogbereit.
Carmen Epp
Bis 2020 ist auch die Poststelle in Bürglen auf dem Prüfstand. (Bild: Urs Hanhart (Bürglen, 24. März 2017))

Bis 2020 ist auch die Poststelle in Bürglen auf dem Prüfstand. (Bild: Urs Hanhart (Bürglen, 24. März 2017))

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Das Poststellennetz im Kanton Uri hat sich drastisch verändert. Zwölf Poststellen wurden in den vergangenen Jahren durch Agenturen ersetzt, acht durch einen Hausservice. Nun sind mit Bürglen, Schattdorf und Wassen drei der sechs letzten Poststellen auf dem Prüfstand. Einzig die Poststellen in Altdorf, Andermatt und Erstfeld werden zumindest bis 2020 nicht überprüft.

Nach Gesprächen zwischen der Post, dem Kanton und einzelnen Gemeinden sowie Vorstössen im Urner Landrat formiert sich nun Widerstand aus den Gemeinden. Der Gemeindeverband hat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, bestehend aus Gemeinderatsmitgliedern aus Altdorf, Bauen, Bürglen, Erstfeld, Schattdorf und Wassen. Die Gruppe fordert, dass keine der sechs bestehenden Poststellen im Kanton Uri mehr überprüft wird.

Agenturen und Hausservices können nicht alle Bedürfnisse abdecken, wie die Arbeitsgruppe schreibt. «Nebst dem lokalen Gewerbe wird vor allem die ältere Kundschaft stark benachteiligt.» Viele Dienstleistungen würden «einfach nicht mehr angeboten», vielmehr müsse man für sie den weiten Weg in eine noch vorhandene Poststelle antreten.

«Uns ist klar, dass wir das Rad der Zeit nicht aufhalten können», hält Markus Frösch, Gemeindepräsident von Bürglen und Vorsitzender der Arbeitsgruppe, auf Anfrage unserer Zeitung fest. «Aber wir verlangen, dass die Post ihre Dienstleistungen in den Randregionen so anbietet, dass die Bevölkerung sie auch nutzen kann.» Das bedeute etwa, dass man Agenturen oder den Hausservice so erweitere, dass jemand von Seedorf für Bareinzahlungen nicht nach Altdorf gehen müsse.

Gemeinden wollen Vorstösse in Bundesbern abwarten

Aktuell seien 16 Vorstösse in Bundesbern hängig, die den Grundgedanken des Service public wieder stärken wollen. Trotzdem wolle die Post weitere Poststellen im ganzen Land schliessen und damit «unumkehrbare Tatsachen schaffen». Das will die Arbeitsgruppe nicht mehr hinnehmen. Sie fordert von der Post deshalb, mit weiteren Überprüfungen zuzuwarten, bis Bundesbern die Postgesetzgebung angepasst hat.

«Uri steht zusammen und will gemeinsam mit den Bemühungen weiterer Kantone ein klares Signal nach Bern senden», schreibt die Arbeitsgruppe. Die Forderung nach einem Moratorium wird nicht nur vom Gemeindeverband, also von allen 20 Urner Gemeinden, sondern auch von der Regierung mitgetragen. Das bedeute nicht, dass man auch den Dialog auf Eis legen möchte, hält Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind fest. «Wir möchten lediglich verhindern, dass die Post endgültige Entscheide fällt, solange noch so viele Vorstösse hängig sind.»

Thomas Huwyler (SP, Altdorf) begrüsst diese gemeinsame Bewegung. Er hatte im November 2016 eine Interpellation zum Poststellennetz eingereicht. Mit den Antworten war Huwyler nur teilweise zufrieden, weil er sich mehr Engagement von der Regierung gewünscht hätte. «Dass der Regierungsrat nun die Forderungen der Arbeitsgruppe mitträgt, ist positiv», so Huwyler.

Konkret formuliert die Gruppe ähnliche Forderungen wie die nationalrätliche Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen in einer Motion zur Postgesetz­gebung: nämlich, dass die Messkriterien für den Service public auf regionaler Ebene festgelegt werden. Die durchschnittliche Erreichbarkeit für 90 Prozent der Bevölkerung, welche die Post schweizweit als Kriterium nimmt, sei für eine Umsetzung in Uri nicht tauglich. Die Versorgung der meisten Urner Gemeinden sei damit nicht gewährleistet. Für den Zahlungsverkehr sollen dieselben Kriterien gelten wie für postalische Dienstleistungen, Agenturen und Hausservices sollen so aufgerüstet werden, dass alle logistischen Produkte der Post gewährleistet sind. Und in den Postagenturen müsse die Grundversorgung mit Dienstleistungen des Zahlungsverkehrs und des Münzwechsels gewährleistet sein.

Post zeigt sich offen für ein Gespräch

«Im Gegensatz zum Kanton Tessin, der mit einer Standesinitiative in Bern ein Moratorium fordert, gehen wir nicht gleich mit dem Hammer dahinter, sondern gelangen lieber direkt an die Post», hält Frösch fest. Die Arbeitsgruppe sei bereit, mit der Post «ohne Druck Varianten und Ideen zu diskutieren».

Die Post nehme die Bedürfnisse aus den einzelnen Regionen sehr ernst, wie Markus Werner, Mediensprecher der Post, auf Anfrage festhält. «Dabei muss aber auch bedacht werden, dass die Post lediglich auf das veränderte Kundenverhalten reagiert und die Entwicklung diesbezüglich weitergehen wird», so Werner. Was die Post nun mit den Forderungen aus Uri macht und ob man nun aktiv auf die Arbeitsgruppe zugehen werde, sei noch offen. Ansprechpartner für die Post seien nun in erster Linie die Gemeinden, in denen die Poststellen überprüft würden. «Wenn jedoch jemand das Gespräch mit uns sucht, sind wir immer offen.»

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