Interview

Präsident von Gastro Uri: «Diskussion rund um den Datenschutz ist scheinheilig»

Vielen Restaurants und Hotels droht durch den Lockdown das Aus. Der Präsident von Gastro Uri, Joe Herger, erklärt wie es um die Gastroszene im Kanton Uri steht und warum er eine Öffnung der Betriebe für gerechtfertigt hält.

Philipp Zurfluh
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Innerhalb von wenigen Tagen mussten mit den Restaurants Im Feld in Gurtnellen und El Toro in Flüelen gleich zwei Lokale schliessen. Wie steht es um die Gastrobranche im Kanton Uri?

Joe Herger: Bislang habe ich wenige Rückmeldungen bekommen. Das kann auch ein gutes Zeichen sein. Natürlich schmerzt es mich als Gastronom, dass nun zwei Lokale aus der Urner Gastroszene verschwunden sind.

Inwiefern kann Gastro Uri Betroffenen Unterstützung anbieten?

Wir haben allen Mitgliedern einen Brief verschickt und sie informiert, dass wir mit Rat Unterstützung bieten. Allen Urner Betrieben steht neu auch Gastro-Coach Thomas Camenzind zur Seite, der individuelles Gratis-Coaching anbietet. Ich begrüsse dieses Angebot sehr. Zudem können sich unsere Mitglieder an Gastro Suisse wenden und bei der Rechtsabteilung Hilfe beantragen.

Sie führen das Hotel-Restaurant Krone in Attinghausen nun schon seit über 25 Jahren. Hatten Sie wegen Corona schlaflose Nächte?

Joe Herger, Präsident von Gastro Uri.

Joe Herger, Präsident von Gastro Uri.

Bild: Urs Hanhart (Attinghausen, 10. März 2020)

Nein. Wir stehen finanziell auf gesunden Füssen und haben in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet. Bei uns im Saal hätten in den kommenden Wochen und Monaten diverse Versammlungen, Anlässe und Feste stattgefunden, die wir leider absagen mussten. Das schenkt natürlich finanziell ein.

Restaurants dürfen am 11. Mai wieder Gäste bedienen. Das deutlich früher als zunächst vorgesehen. Waren Sie überrascht?

Gastro Suisse plädierte stets für eine zeitnahe Lockerung. Über den vorgezogenen Öffnungstermin war ich einerseits erstaunt, aber auch erfreut. Die Gastronomie wurde in den letzten Wochen etwas im Stich gelassen. Aber ich stehe hinter dem Entscheid des Bundesrats für die langsame Lockerung und dem neuen Schutzkonzept für Gastronomiebetriebe.

Das Schutzkonzept, das Sie ansprechen, ist strickt und verlangt einiges ab.

Bei uns fällt jeder zweite Tisch den Massnahmen zum Opfer. Es gilt, das Beste daraus zu machen. Natürlich ist die Situation vor allem für kleinräumige Gaststätten eine grosse Herausforderung. Man kann sagen: Je kleiner der Betrieb, desto schwieriger wird es. Es wird dem Gastronom grosse Mühe bereiten, genug Umsatz zu erzielen, um nur schon die Fixkosten – Miete und Personal – zu bezahlen.

Sie müssen die Namen und Telefonnummern jedes einzelnen Gastes erfassen. Wie stehen Sie zu dieser Massnahme?

Ich verstehe die Aufregung nicht, die Diskussion rund um den Datenschutz ist scheinheilig. Wenn Gäste bei uns telefonisch reservieren, müssen sie auch ihre Kontaktdaten angeben, die wir im Reservationsbuch vermerken. Wir gehen diskret mit diesen Informationen um, und sie werden nach 14 Tagen vernichtet. Für uns ist es ein Mehraufwand, den wir aber gerne in Kauf nehmen.

Befürchten sie, dass in den kommenden Wochen und Monaten zu weiteren Schliessungen im Gastrobereich kommt?

Das ist schwierig zu sagen und ein Blick in die Glaskugel, aber ich kann es nicht ausschliessen. Ich möchte mich hier Christoph Bugnon, CEO der Urner Kantonalbank, anschliessen, der kürzlich in einem Interview von einer robusten Urner Wirtschaft gesprochen hat. Ich teile diesen Eindruck und bin optimistisch, dass die meisten die Krise überstehen werden.

Das Restaurant Krone in Attinghausen öffnet am Montag, 11. Mai. Mehr Informationen unter www.kronehotel.ch

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